Kalenderblatt

15. Mai 1971: Als Großgemeinde im Knoblauchsland

15.5.2021, 07:00 Uhr
Im Knoblauchsland, wie hier in Neunhof, lebte das alte Brauchtum noch. Die Gemeinden wollten eigenständig bleiben.

Im Knoblauchsland, wie hier in Neunhof, lebte das alte Brauchtum noch. Die Gemeinden wollten eigenständig bleiben. © NN

Auf Verständnis bei den Politikern rechnete man hier nicht mehr, nachdem bekannt wurde, daß die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag "Widerstand gegen eine Eingemeindung aus diesem Gebiet nicht erwartet". Man fragt sich, wie denn sonst der erklärte Wille aller Betroffenen, eine Großgemeinde bilden zu wollen, bewertet werden soll.

Gegen eine "verfügte Eingemeindung" aber wollen die Gemeinden ihr Recht suchen, wo sie es noch zu finden glauben: vor Gericht.

In den sechs Knoblauchslandgemeinden Boxdorf, Neunhof, Großgründlach, Sack, Stadeln und Vach wurden die Berichte aus München, daß die CSU-Landesparlamentarier an einen "ernsthaften Widerstand gegen eine Eingemeindung aus dem Knoblauchsland" nicht glauben, mit unverhohlener Empörung zur Kenntnis genommen. Diese Empörung teilen im übrigen auch sämtliche CSU-Kommunalpolitiker dieses Gebietes.

"Innerer Verteidigungsring"

Man argumentiert, daß den Parlamentariern der Regierungsfraktion, die diese Aussage taten, der einstimmige Beschluß der Gemeinderäte bekannt gewesen sein muß, in dem die Bildung der Großgemeinde beschlossen und beantragt wird.

Sich über diesen Beschluß hinwegzusetzen, ist für den Sprecher der sechs Gemeinden, Bürgermeister Alfred Rohrmüller aus Boxdorf, eine "auf kaltem Wege verfügte Eingemeindung" und für den stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden von Fürth-Land, Hans Flohrer/Herboldshof, der "klare Beweis, daß man alle noch verfügbaren Kräfte zusammennehmen muß, um aus dem Sog herauszukommen".

Vor solcher "Gefechtslage" ziehen sich die sechs Gemeinden auf den "inneren Verteidigungsring" zurück. Bürgermeister Rohrmüller: "Die sechs haben mit allen Gemeinderatsstimmen den Zusammenschluß beschlossen und gleichzeitig eine Volksbefragung beantragt."

Diese Anträge, so Rohrmüller, liegen jetzt bei der Regierung. "Plant der Minister ohne auf gesetzliche Regelung pochen zu können, was anderes, muß er unsere Anträge ablehnen. Diese Ablehnung muß er begründen, und mit dieser Begründung gehen wir vor das Verwaltungsgericht."

Mit Verbitterung auch verfolgen die Gemeinden, daß dieses "Gefecht mit dem Rücken zur Wand" ihnen von den "eingemeindungswütigen Großstädten" aufgezwungen wird, obwohl sie "zu jeder anderen fairen Lösung" (Rohrmüller) bereit sind.

Weil eine solche Lösung von den "Partnern" nicht angenommen wird, glauben die Gemeinden Grund zu haben, die "Umarmungen" zu fürchten. Rohrmüller weiß, daß "es kein Problem, einschließlich des gesamten Komplexes Flughafen" gibt, das nicht "gemeinsam zu bewältigen" sei. Der CSU-Mann Hans Flohrer glaubt zu wissen, warum die Städte diese Art Partnerschaft nicht wollen: "Wir sollen doch nur die Vordörfer und die Reserveflächen für die nächsten 30 Jahre sein."

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