1500 Menschen stehen in Nürnberg wegen Rapper-Sneakern Schlange

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

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3.3.2020, 09:52 Uhr
Gut 1500 Menschen versuchten nach Angaben des Nürnberger Ladens TX Sport ein Paar der Schuhe zu ergattern.

© TX Sports Gut 1500 Menschen versuchten nach Angaben des Nürnberger Ladens TX Sport ein Paar der Schuhe zu ergattern.

Ein rotes Absperrband mit goldenem Ständer markiert die Grenze zum Himmel. Zumindest dann, wenn man ein Faible für Sneaker hat. Hinter der Kordel warten zwei Boxen, eine, in die Sammler ihren Namen werfen können. Eine andere beherbergt die Namen derer, die den Schuh, das Objekt der Begierde, für sich selbst haben möchten. Der Sneaker ist nicht irgendein Sneaker, es ist ein streng limitiertes Modell, dass der US-Rapper Travis Scott - fünf Grammy-Nominierungen, zwei Nummer-Eins-Alben, Millionär - gemeinsam mit dem Sportartikel-Giganten Nike entworfen hat. "Nike SB Dunk Low Cactus Jack" heißt er. Ein klassischer Skater-Schuh, etwas Karo-Muster, erdige Töne, dicke Schnürsenkel - kein wirklich auffälliger Sneaker für rund 135 Euro. 

Wer Sneaker liebt, der steht.

Wer Sneaker liebt, der steht. © TX Sports

Aber einer, der offenbar begeistert. Denn: Vor eben jenem roten Absperrband warteten in der Hochzeit bis zu 1500 Menschen, schätzt zumindest der Nürnberger Laden TX Sport, der als einziger in Nordbayern den Schuh verkaufen darf. Nur eine handvoll Händler haben ein Kontingent bekommen, dementsprechend weit gereist sind die Interessenten. Sie kommen aus ganz Deutschland, einige sogar aus dem europäischen Ausland. Ob sie wirklich ein Paar Sneaker erhalten, entscheidet das Los. 

Oft wilde Szenen bei sogenannten "Raffles" 

"Raffle" heißt das in der Fachsprache, was so viel wie Verlosung auf Detusch bedeutet. Wer gezogen wird, der erhält ein Kaufrecht auf den Schuh. Immer wieder campieren Menschen vor Stores in deutschen Innenstädten oder klicken sich die Finger im Internet wund. Dabei kann man das Prozedere durchaus auch als lukrativen Prozess sehen, denn: Der Wiederverkaufswert liegt oft um ein Vielfaches höher als der Kaufpreis. Für beliebte Modelle des Yeezy-Sneakers, den der fränkische Konzern Adidas gemeinsam mit Rapper Kanye West produziert, werden oft vierstellige Summen bezahlt. Der reguläre Preis liegt bei gut 220 Euro. Das eingesetzte Geld wird innerhalb von Sekunden verdoppelt, verdreifacht, der Gewinn ist immens. Die Sneaker, die am Samstag in Nürnberg verkauft wurden, fanden sich nur Minuten später etwa bei Grailed, einer speziellen Webseite, für bis zu 6500 Dollar. Auch bei Ebay-Kleinanzeigen inserierten mehrere Anbieter die Schuhe - für rund 1000 Euro. 

Das geschäftige Treiben ist Herstellern und Händlern ein Dorn im Auge - deshalb haben viele etwa das Camping vor den Läden abgeschafft und setzen, wie auch der Nürnberger Laden TX Sport, auf getrennte Systeme. Eines für sogenannte Reseller, also Wiederverkäufer, und eines für echte Liebhaber. Gegen 9 Uhr tauchten die ersten Sneakerfans in der Vorderen Sterngasse auf. "Breakfast with Travis", so warb der Store im Vorfeld - und baute ein kleines Frühstücksbuffet auf. Gemeinsam mit dem Restaurant Wonderwaffel, das auf der anderen Straßenseite liegt, wurden etwa Waffeln mit Reese's Puffs gebacken, Cornflakes, die in einer speziellen Travis-Scott-Version erhältlich sind. 

So sieht er aus, der "SB Dunk" von Travis Scott.

So sieht er aus, der "SB Dunk" von Travis Scott. © Instagram

Immer wieder kommt es bei den "Raffles" zu Streit, Sachbeschädigung, Handgreiflichkeiten. "Wir werden uns vorbehalten, Menschen die sich nicht benehmen können, von der Verlosung auszuschließen", warnte TX Sport bereits im Vorfeld. Am Samstagnachmittag aber blieb es ruhig.

Wie viele Schuhe der Nürnberger Laden vorrätig hatte, dazu äußerten sich die Verantwortlichen nicht. Auf Instagram aber posteten Dutzende glückliche Gewinner ihre "SB Dunks". 

Womöglich landen einige Exemplare des Schuhs auch am 14. und 15. März im Parks. Dort findet an eben jenem Wochenende die Messe "Nbg Kicks" statt, bei der sich alles um Sneaker drehte. Die Veranstalter versprechen seltene Exemplare, sogenannte "Dead Stocks", also längst vergriffene Modelle. Mehr dazu lesen Sie hier!