16. August 1968: Abschied vom Sportpark Zabo

16.8.2018, 07:00 Uhr

© Launer

Vielleicht machen dann schon Bagger das alte Vereinsheim an der ehemaligen Sportparkstraße, in dem alle Nürnberger Fußballgenerationen, auch die Meister von 1968, ihre Triumphe feierten, dem Erdboden gleich, denn: unter Denkmalschutz, wie das viele alte Cluberer gerne sähen, wird der bisherige Mittelpunkt des Club nicht gestellt.

Der Abschied fällt zwar schwer, aber er wird durch ein Sportzentrum versüßt, das selbst in Europa seinesgleichen sucht. Sagte sogar der frühere Meisterspieler Carl Riegel: „Als ich vor einigen Monaten den alten Clubplatz sah, war es mir sehr schwer ums Herz. Da kamen mir die alten Jugenderinnerungen zu Bewußtsein. Aber als ich die neue Anlage besichtigte, war ich begeistert und stolz auf die Leistung meines Vereins. Hoffentlich darf ich die Einweihung noch miterleben!“

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Der Club kann wirklich stolz sein – er kann in der Gewißheit umziehen, daß er nicht in ein Asyl, sondern in eine echte Heimat wandert. Aber das Streben nach einem Mittelpunkt beseelte ja schon immer die Gedanken der Club-Verantwortlichen. Blenden wir zurück auf das Jahr 1912, das Jahr, in dem der alte Sportpark Zabo eingeweiht wurde. Damals schrieben die Leipziger Neuesten Nachrichten: „Wenn man bedenkt, daß diese erstaunliche Leistung von einem nun zwölf Jahre bestehenden Verein ganz aus eigener Kraft, ohne öffentliche Unterstützung, geschehen konnte, so darf man diese Tat als das laute Zeugnis dafür ansehen, wie mächtig die Sportbewegung bereits Wurzeln geschlagen hat.“

Nun, ganz ohne fremde Hilfe ist das neue Zentrum nicht entstanden. Aber die Sätze, die der Miterbauer des Sportparks Zabo, Professor Karl Hertel, vor Jahrzehnten geprägt hat, dürften für alle (Fußball-)Zeiten Gültigkeit haben: „Schon in den ersten Vereinsjahren tauchte der Gedanke an ein eigenes Heim auf. Dieser Gedanke faßte in der Folgezeit immer tiefer Wurzeln und wurde zur Triebfeder des Handelns im Verein.“

Pokale und Wimpel dabei

Professor Hertel sagte damals schon, daß dieses Werk in diesem Ausmaß nicht hätte geschaffen werden können, wenn nicht ein dem Sport eigener, günstiger Umstand hinzugekommen wäre, nämlich die Möglichkeit, die finanziellen Lasten zum großen Teil durch die Eintrittsgelder des Publikums zu decken.

„Wird diese Möglichkeit materieller Hilfe durch den Sport selbst geschickt erfaßt und bleibt die, man möchte sagen, sittliche Idee der Umwertung dieser Einnahmen in dauernde, der Allgemeinheit zugute kommenden Einrichtungen das Leitmotiv für die Verwendung der Gelder, so müssen früher oder später in jedem Verein, wenn er nur einigermaßen sportliche Bedeutung besitzt, bleibende Werte entstehen.“

Bitte, jeder weiß wie sehr der Fußball heute kommerzialisiert worden ist. Trotzdem: für den Club-Vorsitzenden Walther Luther und seine getreuen Mitarbeiter haben diese Worte auch heute noch Gültigkeit – auch wenn es für viele den Anschein haben mag, daß der Club das Geld, das er einnimmt, für einige teure Stars wieder ausgibt.

So kann die Geschäftsführung des FCN ihr altes Heim zumindest mit einem lachenden Auge verlassen: nur ein Teil der Wimpel und Pokale, die Deutschlands Fußball-Rekordmeister in Jahrzehnten gehamstert hat, konnte bisher nicht für jeden sichtbar aufgehängt oder aufgestellt werden (der größte Teil wurde unter dem Dachboden verwahrt; der Kartenverkauf, die Einladungen, die verschickt werden mußten, und alles andere Drum und Dran mußten in sehr beengten Verhältnissen abgewickelt werden; die Gasträume wurden oft gemieden – so der Vereinsgastwirt Grimm –, weil sich viele sagten, im Zabo finde ich keinen Platz mehr.

Das alles wird künftig anders sein: in großen Vitrinen werden die jüngeren Clubfreunde anhand der Trophäen sehen können, daß ihr Verein auch schon in den zwanziger und dreißiger Jahren Erfolg an Erfolg reihte. Ob allerdings das neue Zentrum genauso ein Heiligtum (Worte von Carl Riegel) wird wie das alte, muß die Zukunft erweisen. „Tipfi“ Oehm, Nachfolger von Riegel auf dem Posten des linken Läufers, hat jedenfalls klar erkannt, daß heute nicht mehr der Verein, sondern das Geld im Mittelpunkt steht.

Für ihn und für Carl Riegel war der Sportpark Zabo ein echter Hort. „Wir Alten erinnern uns gern an die schönen Stunden, die wir im Zabo verbracht haben“, erzählt Riegel, der von 1912 bis 1926 in der ersten Mannschaft stand und vier deutsche Meistertitel mit erringen half. Er kann davon erzählen, daß auch den früheren Meistern ein großer Bahnhof bereitet worden ist und im Zabo die Siege gebührend gefeiert wurden.

Ein Beispiel dafür, wie damals alle Cluberer dem Familiengedanken pflegten: „Vor einem entscheidenden Spiel saß ich dreimal im Zug und mußte dreimal aussteigen. Kameraden, die in der Wehrmacht dienten, kamen auf Urlaub und wurden berücksichtigt“

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