Die Bürger reden beim Bauen ein Wort mit

16. Oktober 1971: Experiment beim Märzfeld

16.10.2021, 07:00 Uhr
Wie diese beiden Nachbarschaften nach der Vollendung aussehen werden, veranschaulicht das Modell: die Planer wichen von den eintönigen Zeilen ab und gaben stattdessen den Bauten eine vielä¤ltige Gliederung.

Wie diese beiden Nachbarschaften nach der Vollendung aussehen werden, veranschaulicht das Modell: die Planer wichen von den eintönigen Zeilen ab und gaben stattdessen den Bauten eine vielä¤ltige Gliederung. © Rudolf Contino

Es geht um das frühere Märzfeldgelände (110 Hektar) im Nordosten von Langwasser. Die Erfahrungen der Bevölkerung im neuen Stadtteil und die Vorstellungen der Menschen, die sich dort niederlassen möchten, sollen nach Möglichkeit bei der Planung berücksichtigt werden. Dazu der in Langwasser federführende Architekt Albin Hennig: „Der Planer ist heute nicht mehr der große Dirigent, der alles weiß. Er ist mehr Koordinator, der viele Wünsche unter einen Hut bringen muß.“ Deshalb diskutierten er sowie Baureferent Otto Peter Görl und WBG-Prokurist Andreas Burgis auf Einladung der SPD mit den Bürgern über die beste Lösung. Bis der Entwurf für den Nordosten (eventuell mit Hilfe von städtebaulichen Wettbewerben) steht, wird freilich noch ein Jahr verstreichen.

Zunächst gibt es für das letzte Baugebiet von Langwasser, auf dem maximal 6000 Wohnungen errichtet werden sollen, nur zwei konkrete Vorhaben: den Neubau der Metrawatt in der Nähe des U-Bahn-Betriebshofes und das Schulzentrum, für das die Stadt im nächsten Jahr die ersten Mittel bereitstellen will. Der Schwerpunkt der Bautätigkeit liegt vielmehr jetzt noch im Südost-Teil von Langwasser, wo rund 2400 Wohnungen entstehen. In den beiden Nachbarschaften F und G – sie sollen Ende 1973 vollendet sein – werden heuer 500 von insgesamt 1697 Wohnungen bezugsfertig. In der Nachbarschaft E, in der 482 Eigenheime und Eigentumswohnungen reserviert bleiben, beginnt im Frühjahr 1972 die Erschließung. Als Termin für die Fertigstellung nannte Andreas Burgis Ende 1974.

Zum Südosten gehören außer der bereits in Betrieb genommenen Schule aus dem Baukasten ein Altenheim des Caritas-Verbandes mit 156 Betten, dessen Grundstein noch heuer gelegt wird, und das Sozialzentrum mit Kinderkrippe Kindergarten, Kinderhort und Vorschule, mit dessen Bau bereits begonnen wurde. Darüber hinaus berichtete Burgis von neuen Plänen am Geschäftszentrum von Langwasser. Ein Münchner Unternehmen errichtet ein 81 Meter hohes Haus mit 27 Geschossen, das an dieser Stelle zusammen mit einem Senioren-Wohnhaus (23 Geschosse) neue städtebauliche Akzente setzt.

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