17. Januar 1969: Schnee war zu teuer

17.1.2019, 07:00 Uhr
Diese kombinierten Streu- und Räumfahrzeuge sollen schon bald mit Funkgeräten ausgerüstet werden, damit ein schnellerer Einsatz an den Brennpunkten möglich ist. Bildmitte: H. Dorn.

Diese kombinierten Streu- und Räumfahrzeuge sollen schon bald mit Funkgeräten ausgerüstet werden, damit ein schnellerer Einsatz an den Brennpunkten möglich ist. Bildmitte: H. Dorn. © NN

Die Stadtverwaltung hat ihr möglichstes getan, um der Schneeplage Herr zu werden, wenn die Bevölkerung auch anderer Meinung ist. Während einer Pressekonferenz im Stadtreinigungs- und Fuhramt an der Großreuther Straße legten Wirtschaftsreferent Dr. Wilhelm Doni, und Heinrich Dorn, Leiter des Reinigungsamtes, ihre Karten offen auf den Tisch.

Ununterbrochen waren an den kritischen Tagen die 13 Streuautomaten, insgesamt 20 Schneepflüge und Lastwagen im Einsatz. 100 Straßenkehrer – vier Wochen lang in ständiger Alarmbereitschaft – wurden achtmal nachts aus dem Bett geholt, um die Fahrbahnen zu räumen. 100 Pflüge wären notwendig gewesen, um die Schneeplage auf allen größeren Straßen zu bewältigen.

Die Stadt kann auch mit beachtlichen Leistungszahlen aufwarten: 900.000 Kubikmeter Schnee wurden auf einem Straßennetz von 9.000 Kilometern geräumt und 8.500 Kilometer Straße mit Salz bestreut. Seit 26. Dezember waren die Räumungsarbeiter 15.000 Stunden im Einsatz; sie verstreuten 1.000 Kubikmeter Sand und 850 Tonnen Salz. Insgesamt 350 Lastwagen transportierten auf 3200 Fahrten 30.000 Kubikmeter Schnee ab. An 13 Tagen waren außerdem bis zu 190 Freiwillige eingesetzt, die 11.336 Stunden lang den Streutrupp unterstützten.

Trotz dieses Arbeitsaufwandes wurde die Stadt den großen Anforderungen nicht völlig gerecht, denn mit einem solch ungewöhnlichen Schneefall hatte man nicht gerechnet. Regierungsdirektor Dr. Willibrord Müldner, Leiter des Wetteramtes Nürnberg, konnte den Verantwortlichen nur assistieren, daß es sich bei der jüngsten Schneeflut um die große Ausnahme von der Regel handelte: auf 37 Zentimeter war die Schneedecke in Nürnberg angewachsen.

Zuletzt 1942

Nach den statistischen Unterlagen hatte man eine solche Höhe zuletzt am 17. Februar 1942 gemessen; auf 34 Zentimeter war die Schneelage am 18. Februar 1962 angestiegen. Dr. Müldner kann sich jedoch nicht erinnern, jemals von solchen Schneebergen im Januar gehört zu haben. Als normal bezeichnet er für diesen Monat einen Schneefall von zehn bis 15 Zentimetern.

In Zukunft wird die Stadt in all jenen Straßen, die auf dem Streuplan des Reinigungsamtes stehen, für die Dauer der Räumungsarbeiten ein halbseitiges striktes Parkverbot verhängen. Für das Verständnis der Anwohner will sich die Stadt revanchieren, indem sie auch die Parkbuchten freischaufeln läßt. Für die Gehwege ist sie allerdings nicht zuständig.

Keine Kommentare