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17. November 1969: Mares und Kleber rissen alle mit

Nürnbergs Eishockey-Fans standen beim 8:6 Sieg der SGN über Pfronten Kopf - 17.11.2019 07:00 Uhr

Dicht an der Bande standen die Zuschauer sogar. um Fritz Kleber (ganz links) beim Torschuß beobachten zu können. Diesmal aber scheiterte der Altinternationale an Torwart Köpf, der sich später als Raufbold erster Klasse entpuppte. Obwohl er das bei seinem hervorragenden Können wirklich nicht nötig gehabt hätte. © Kammler


Eine tolle Stimmung herrschte am Samstagabend im Nürnberger Lindestadion, als die SGN das Eis als Sieger verlassen hatte. Was sich aber vom Anpfiff bis zu diesem Moment abspielte – spannender ging‘s wirklich nicht mehr. Nach dem 0:1- und 1:3-Rückstand der Einheimischen bis zur 16. Minute (Kleber erzielte in der 11. Minute den 1:1-Ausgleich), war die Stimmung unter den 1.400 (!) Zuschauern fast am Gefrierpunkt angelangt; im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn nicht nur, daß es bitter kalt war an diesem Abend, zu Beginn ging sogar ein kurzer Regenschauer nieder. Als die tschechische Verstärkung der SGN, Nationalspieler Mares, im zweiten Drittel allerdings für den erneuten Ausgleich sorgte, da taute auch das Publikum wieder auf.

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„Vorsichtig spielen“, hatte SGN-Trainer Dr. Cerveny in der Pause vor dem letzten Drittel seiner Mannschaft als Marschroute mit auf den Weg gegeben. So wenig, wie sich sein Team aber schon in den ersten 20 Minuten an seine Anweisung gehalten hatte („Wir wollten abwarten, den Gegner kommen lassen. um mit Konterschlägen zu Torerfolgen zu kommen“). so wenig hielt es sich auch jetzt daran. Nur hatten die SGN-Cracks diesmal das Glück auf ihrer Seite und die Abwehr erwies sich – bis zur 58. Minute – als sattelfester als zuvor.

Wie die Nürnberger Stürmer in diesem Schlußdrittel „zauberten“, den schwarzen Puck mit fast traumwandlerischer Sicherheit durch ihre Reihen wandern ließen, exakte Pässe aufnahmen, ihre Gegenspieler nach allen Regeln der Eishockeykunst austricksten und blufften, das verdiente schon uneingeschränkte Bewunderung. Und erhielt sie auch in Form von Beifall und Sprechchören von den dichtbesetzten Rängen.

Daß sich bei diesem Wirbel Tore zwangsläufig einstellen mußten, wen wundert‘s? So hatten die sich tapfer wehrenden und lange Zeit wie die Sieger aussehenden Allgäuer zwischen der 45. und 51. Minute mehr oder minder ein Statistendasein zu frönen. Filser, Streibl, Neubauer und vor allem Mares tanzten mit dem Puck am Schläger über das Eis, als wären sie alleine darauf.

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Da gingen einigen Gästespielern offensichtlich die Nerven durch. Hätten die beiden hervorragend amtierenden Schiedsrichter Kraus (Miesbach) und Gürtner (Landshut) nicht einen ganz großen Tag gehabt, wer weiß, ob die Begegnung nicht abgebrochen worden wäre. So konnten sie aber durch Strenge und Nachsicht gleichermaßen immer wieder dafür sorgen. daß sich die erhitzten Gemüter beruhigten und sich nach spätestens einer Rauf-Minute alles wieder vertrug. Bloß Torhüter Köpf konnte seinen Hitzkopf nicht kühlen. Auf sein Konto gingen allein 12 der insgesamt 35 Pfrontener Strafminuten.

Trotz dieser Entgleisungen der Gästespieler dürfte auch ein Eishockeylaie nicht übersehen haben, daß die SG Nürnberg am Samstagabend ihr bisher sowohl taktisch als auch spielerisch bestes Spiel dieser Saison lieferte. Von den „Fritze-Fritze“-Rufen angefeuert, lieferte Altinternationaler Kleber eine so erstaunlich gute Partie, daß man an seine früheren Klasseleistungen erinnert wurde. Auch der für den verletzten Scholze in der 22. Minute ins Tor gekommene Ex-Berliner Schultze zeigte sich von seiner besten Seite. Die SGN hat augenblicklich zwei gleich starke Torhüter der Sonderklasse.

Es wäre kein Wunder, wenn in Zukunft noch mehr Zuschauer ins Lindestadion kommen würden. Was die SGN im Moment zeigt, ist wirklich das Eintrittsgeld wert. Eishockey ist in Nürnberg wieder hoffähig geworden. 1.400 Besucher – nur der Club und die SpVgg Fürth haben bei ihren Regionalliga-Fußballspielen mehr – sind schlagkräftiger Beweis dafür.

NN

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