19. April 1967: Die Stromversorgung ist gesichert

19.4.2017, 07:00 Uhr

© Gerardi

Nachdem schon im Oktober vorigen Jahres der erste 200.000-kW Maschinensatz termingerecht in Betrieb genommen wurde, ist vor wenigen Tagen auch der zweite, gleichgroße Turbo-Dynamo der ersten Ausbaustufe angelaufen.

Die Kraftwerksleistung übertrifft damit schon beträchtlich die des alten Dampfkraftwerks in Gebersdorf, dessen Anlagen zum großen Teil überholt und erneuert werden müssen. Das neue Werk liefert jetzt bereits 70 v. H. des Stromabsatzes der GFA, während aus Gebersdorf nur noch 30 v. H. stammen.

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240Mill. DM hat die Gesellschaft für das neue Werk aufgewendet, das mit seiner technischen Einrichtung und seiner Wirtschaftlichkeit nicht nur im Bundesgebiet, sondern auch in Europa an der Spitze steht. Bei einer Pressebesichtigung unter Leitung von Generaldirektor Prof. Dr.-Ing. habil. Joseph Ipfelkofer, GFA-Betriebsdirektor Dipl.-Ing. Friedbert Stiepel und Werksdirektor Georg Forstner konnte man sich davon überzeugen.

Das Kraftwerk mit seinem weithin sichtbaren, genau 202 Meter hohen Schornstein, dem höchsten Bauwerk Bayerns, ist sozusagen „auf der grünen Wiese“ entstanden. Jetzt rollt die Kohle noch mit Eisenbahn aus der stadteigenen Zeche „Monopol“ bei Kamen an – jeder der beiden 65 Meter hohen Kessel schluckt stündlich 60, jährlich 200 000 Tonnen –, in einigen Jahren wird sie auf der künftigen Großschiffahrtsstraße daher schwimmen. Jeder Kessel erzeugt stündlich 600 Tonnen überhitzten Dampf von 530 Grad Celsius und 250 Atmosphären Druck, der die Dampfturbinen von Siemens und MAN antreibt.

Die Befürchtungen, die man eine Zeitlang in Erlangen wegen der Staubbelästigung hegte, erwies sich als grundlos. Die Elektrofilter schlagen 99,5 v. H. des Staubes nieder, kein Wölkchen entsteigt dem Schornstein. Dieser Erfolg war freilich, wie Prof. Dr. Ipfelkofer erläuterte, nicht ganz billig: die GFA hat rund 12 Mill. DM für Saubererhaltung der Luft, Lärmdämpfung und Sauerstoffanreicherung des Kühlwassers – 30.000 Kubikmeter pro Stunde – und der Regnitz selbst aufgewendet.

Die laufenden Ausgaben für diese hygienischen Zwecke belaufen sich auf 500.000 Mark im Jahr und rund 300.000 DM wird es kosten, das nun fertige Werk – das Betriebsgebäude mit Büros, Speiseraum, Waschanlagen usw. wird bis Juli bezogen werden können – mit Rasen, Bäumen und Büschen endgültig in die Landschaft einzufügen.

Wie gesagt, auf einige Jahre, vielleicht sogar auf ein halbes Jahrzehnt, ist man nun wieder einmal aller Stromsorgen ledig. Zwar stagniert gegenwärtig der Industrieverbrauch, doch der Haushaltsverbrauch klettert lustig weiter, so daß man nach wie vor mit einer Verdopplung des Stromabsatzes innerhalb von zehn Jahren rechnet. Darum kann das neue Dampfkraftwerk Franken II ohne weiteres nach dem Baukastenprinzip auf die doppelte und schließlich auf die dreifache Leistung erweitert werden. Bis jetzt steht nur ein mächtiger Kühlturm am Regnitz-Ufer, eines Tages werden es sechs sein.

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