Kalenderblatt

19. Juni 1971: Nürnberg konkurrenzfähig als Messeort

19.6.2021, 07:00 Uhr
Im Stadtrat fiel der Startschuß: in Kürze beginnen die Bauarbeiten für das neue Messezentrum in Langwasser (hier ein Modell), damit Nürnberg unter seinen Konkurrenten mitreden kann.

Im Stadtrat fiel der Startschuß: in Kürze beginnen die Bauarbeiten für das neue Messezentrum in Langwasser (hier ein Modell), damit Nürnberg unter seinen Konkurrenten mitreden kann. © NN

Bis zur Internationalen Spielwarenmesse 1973 sollen 60 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, Verwaltungs- und Service-Einrichtungen sowie die Hauptgaststätte mit 1.000 Sitzplätzen zur Verfügung stehen.

Als Bauträger fungiert die Messehallen-GmbH, weitgehend unterstützt durch die Stadt. Für die Architekten- und Ingenieurleistungen zeichnet die Münchner Plan-GmbH verantwortlich, deren Entwurf im Wettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden war.

Wirtschaftsreferent Dr. Wilhelm Doni hatte zuvor den Stadtvätern eindringlich geschildert, wie dringend notwendig die Neubauten sind, wenn Nürnberg seine Stellung als Messestadt behaupten will. Verschiedene Messegesellschaften hätten gerade in den letzten Wochen versucht, die Spielwarenmesse abzuwerben. Außerdem begehrte Doni eine Entscheidung, um bei der bayerischen Staatsregierung alle Zweifel an den Nürnberger Bauabsichten auszuräumen.

Wegen der Zeitnot erklärte sich das Plenum sogar damit einverstanden, daß eine Kommission (gebildet aus Vertretern des Stadtrats, der Verwaltung und der Messehallen-GmbH) unbürokratische Entscheidungen trifft, wenn es sein muß, sogar außerhalb der städtischen Vergabe-Richtlinien.

Wie sehr die Termine drängen, geht aus dem Kalender von Baureferent Otto Peter Görl hervor. Bis Mitte Juli müssen bereits die Erschließungsarbeiten, bis Anfang August die Rohbauarbeiten vergeben sein. Die Mehrzweckhalle, die zweite Fußgänger-Ebene und weitere Ausstellungshallen, die der Entwurf der Plan-GmbH enthält, bleiben dabei späteren Bauabschnitten vorbehalten. Doch der erste Spatenstich für die erste Stufe wird getan, wenn der Staat der Stadt das Gelände überlassen hat.

Ein besonderes Kapital aber ist mit „Finanzierung“ überschrieben. Kämmerer Dr. Hans-Georg Schmitz rechnete dem Stadtrat vor. daß die bisherigen Ansätze von 20 Millionen Mark in der mittelfristigen Finanzplanung nicht ausreichen, um die Aufgabe zu bewältigen. Die Stadt muß mindestens 33 Millionen Mark aufbringen, damit die Messehallen-GmbH die restlichen 62 Millionen DM über Kredite finanzieren kann.

Was das angesichts der schwindsüchtigen städtischen Kasse bedeutet, liegt auf der Hand: die zusätzlichen 13 Millionen Mark lassen sich nur zusammenkratzen, wenn andere Bauvorhaben um ein bis zwei Jahre zurückgestellt werden. Ein eigenes Finanzierungsmodell, dessen Einzelheiten der Stadtrat noch verabschieden muß, will die Kämmerei noch vorlegen.

Aber die Anstrengungen dürften sich am Ende für die Stadt lohnen. Sie bekommt dafür ein für die ganze Bundesrepublik vorbildliches und in seiner Baugestaltung revolutionierendes Messezentrum, das eines Tages reiche Früchte tragen kann.

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