2. Dezember 1968: Leicht und ohne Lärm

2.12.2018, 07:55 Uhr

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Zwei Jahre lang hat das städtische Amt 200 Müllbehälter des neuen Typs auf Herz und Nieren geprüft. Sie bestanden den Festigkeitstest bei unterschiedlichsten Temperaturen im Freien und in Gebäuden zur vollsten Zufriedenheit. Es bestehen also keine Bedenken mehr, die Tonnen aus Kunststoff bei der Müllabfuhr zu verwenden.

Den Ausschlag gaben einige hoch zu veranschlagende Vorteile. An erster Stelle ist die Geräuscharmut zu nennen: weder das Auf- und Zumachen des Deckels, noch der Transport oder das Abstellen erzeugen jenen "schmetternden" Lärm, der vielen Menschen auf die Nerven geht.

Außerdem sind die Kunststoffgefäße im leeren Zustand spielend leicht zu handhaben. Weil sie nur sechs Kilogramm wiegen, lassen sie sich mühelos mit einer Hand transportieren. Das ist bei den Blechtonnen, die mit 23 Kilogramm fast viermal so schwer sind, kaum möglich. Auch im Preis weisen die Plastikbehälter ein beachtliches Plus auf. Mit 30 Mark liegen sie um 11 Mark unter den Anschaffungskosten für ihre "Blechkollegen".

Freilich verbieten die jetzigen Feuerschutzbestimmungen den unbeschränkten Einsatz der Kunststoffmülltonnen. So dürfen sie nur in Räumen mit feuerbeständigen Wänden, Decken und Fußböden aufgestellt werden, die keine brennbaren Baustoffe aufweisen. Auch müssen Türen, die aus dem Haus führen, feuerhemmend sein. Im Freien muß ein Sicherheitsabstand von mindestens drei Metern von allem brennbaren Material eingehalten werden.

Dabei brennen die Plastikgefäße selbst nicht, sie können lediglich bei starker Hitzeeinwirkung zu schmelzen anfangen. Solange jedoch die Feuerschutzbestimmungen nicht geändert werden, vermag sich der neue Mülltonnentyp keinesfalls völlig durchzusetzen.

Andererseits kann auch die Stadtverwaltung die 95.000 Blechtonnen, die seit 1963 für die Abfuhr des Mülls aus den Haushaltungen beschafft wurden, nicht einfach selbst wieder auf den Müll werfen. Ihre Lebensdauer beträgt zehn bis dreißig Jahre, und sie sollen noch manches Jahr Dienst tun. Immerhin: Im Laufe der Jahre wird das „Konzert“ der Mülltonnen abklingen, die Herrschaft der „leisen“ Kunststoffgefäße ist nur eine Frage der Zeit.

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