20. November 1968: Kanzler übernahm den Vorsitz

20.11.2018, 07:00 Uhr

© Ulrich

An dem Abend wurden einstimmig Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger als Vorsitzender, Bundesratsminister Professor Carlo Schmid als sein Stellvertreter und Oberbürgermeister Dr. Andreas Urschlechter als Geschäftsführer berufen. Anschließend setzten 15 Mitglieder der insgesamt 37köpfigen Mentoren-Schar ihre Unterschriften auf die pergamentene, gesiegelte Urkunde. Ein Empfang auf der Kaiserburg mit einem Bach-Konzert in der Doppelkapelle beschloß den Tag, an dem die Weichen gestellt wurden: das Jubiläum soll kein lautstarkes, sondern ein wirkungsvolles Ereignis werden.

Zum „Warmlaufen“ hatte die Stadt im Nebenraum des großen Sitzungssaales ein kleines Frühstück auftragen lassen – natürlich mit den kleinen Nürnberger Rostbratwürstchen, die auch Albrecht Dürer schon sehr geschätzt haben soll. So gestärkt schritt das Kuratorium zum Gründungsakt, dessen Zeugen Bürgermeister Franz Haas, die drei Fraktionsvorsitzenden, berufsmäßige und ehrenamtliche Stadträte sowie eine Gruppe von Ehrengästen waren.

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Besonders begrüßte der OB Professor Carlo Schmid, dem es zu verdanken ist, daß sich das Kuratorium gestern konstituierte. „In ihm haben wir einen Förderer unseres Anliegens gefunden, der wie kein zweiter Chance und Verpflichtung des Dürer-Jahres erkannte, der sich aber auch wie kein zweiter mit Rat und Tat für unser Anliegen eingesetzt hat“, erklärte Dr. Andreas Urschlechter.

Der Fürsprecher von Rang – er ist nach seinem Bekenntnis nach seiner Rückkehr aus dem ersten Weltkrieg Albrecht Dürer zum ersten Male geistig begegnet und war insbesondere von seinen Reisetagebüchern fasziniert – erwiderte solche Komplimente auf seine Art: „Ich sagte mir, daß diese Stadt, mit der so viel Schmerzliches wie „Nürnberger Gesetze“ und „Nürnberger Reichsparteitage“ verknüpft ist, ein Recht hat, die Welt darauf hinzuweisen, daß in ihren Mauern auch das Menschliche seinen Platz besitzt. 1971 kann sie zeigen, daß sie sich wieder ehrlich gemacht hat.“

Albrecht Dürer, den berühmten Nürnberger, charakterisierte der 71 Jahre alte Professor der politischen Wissenschaften als modernen Geist der Renaissance, der die Aufgabe des Menschen begriffen hat, sich der Kräfte der Natur zu bemächtigen. Gerade deshalb – so fuhr er fort – müsse das Dürer-Jahr zeigen, was die Renaissance bedeutet hat: die Wiedergeburt des Bewußtseins des Menschen und die Auseinandersetzung mit der Trägheit des Hergebrachten. „Dieses ‚Sich-an-das-Leben-wagen‘ zeichnet Dürer und seine Epoche aus. Das hat damals auch Nürnberg ausgezeichnet und zeichnet es heute noch aus. Wieviel Mut hat beispielsweise zum ersten Spatenstich für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt gehört. Man ist dennoch daran gegangen, weil man Mut hatte und Respekt vor sich selber“, kehrte Professor Carlo Schmid wieder zu Nürnberg zurück, das sich anschickt, mit Würde seines großen Sohnes zu gedenken und die Welt dazu einzuladen.

Wie das Jubiläum in einigen Jahren aussehen soll, gab Goethe-Preisträger Carlo Schmid deutlich zu verstehen: „Es soll kein Festival werden, sondern die Gelegenheit geben, der Menschheit die Ehre zu erweisen, in dem man sich in der Ehrung eines bedeutenden Mannes daran erinnert, daß wir alle Brüder sind.“

Nachdem Schul- und Kulturreferent Dr. Hermann Glaser die ersten Pläne vorgetragen hatte, mahnte der Oberbürgermeister zum Aufbruch. An einem der schönsten Plätzchen Nürnbergs, in der Teestube des Plärrer-Hochhauses hoch über den Dächern der Stadt, war den geladenen Gästen das Mittagsmahl bereitet.

Für die Strecke vom Rathaus zum Plärrer gab es keine „weißen Mäuse“, kein Blaulicht der Polizei vor einer langen Kolonne schwerer Limousinen. „Das ist bei uns nur noch üblich, wenn der Club einen Meistertitel erringt“, erläuterte Dr. Andreas Urschlechter den lachenden Gästen. „Wir fahren mit dem Omnibus und zeigen damit, daß wir Bürger unter Bürgern sind.“

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