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21. März 1969: Bundesbahn stellt neue Einrichtung vor

Bald Kupplung zwischen Osten und Westen - 21.03.2019 07:21 Uhr

Ohne menschliches Zutun greifen beim Zusammenstoßen die Klauen der neuen automatischen „Mittelpuffer-Kupplung“ ineinander und schließen dabei zugleich die Druckluft- und Steuerleitungen zusammen. Durch einen Hebeldruck löst sich die Kupplung wieder. Die beiden Stahlpuffer an den Stirnseiten der Wagen werden dadurch überflüssig. © Ulrich


Auf Gleis 17 des Nürnberger Hauptbahnhofs lief gestern ein Zug mit acht Güterwagen ein, bei denen das alles nicht mehr nötig ist. Die Fahrzeuge sind mit automatischen „Mittelpuffer-Kupplungen“ ausgerüstet – wenn sie zusammenfahren, sind sie betriebsfertig gekuppelt, durch einen Hebeldruck von außen wird die Kupplung wieder gelöst.

Ohne menschliches Zutun greifen beim Zusammenstoßen die Klauen der neuen automatischen „Mittelpuffer-Kupplung“ ineinander und schließen dabei zugleich die Druckluft- und Steuerleitungen zusammen. Durch einen Hebeldruck löst sich die Kupplung wieder. Die beiden Stahlpuffer an den Stirnseiten der Wagen werden dadurch überflüssig. © Ulrich


Bemerkenswert ist, daß auf diesem Gebiet der Westen und der Osten eng zusammenarbeiten. Mit dem Versuchszug des Bundesbahnzentralamtes in Minden, der schon seit zwei Tagen zwischen Würzburg, Hof und Nürnberg herumkurvt, fahren außer deutschen, französischen und italienischen auch zwei russische Eisenbahnfachleute. Der westliche „Internationale Eisenbahnverband (UIC)“ und die östliche „Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen (OSShD)“ haben im gegenseitigen Benehmen eigene automatische Kupplungen entwickelt, die nun in den nächsten Monaten entweder vereinheitlicht oder wenigstens so einander angepaßt werden müssen, daß sie auch mit der russischen Kupplung zusammenarbeiten können.

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Sowjetrußland hat schon zwischen 1936 und 1953 – wie die USA und Kanada seit 1900, Japan seit 1924 – eine automatische Kupplung eingeführt, doch müssen bei all diesen Systemen die Brems- und Steuerleitungen noch von Hand verbunden werden. Diese letzte menschliche Handarbeit im Rangierdienst muß aber noch vermieden werden, wenn der Eisenbahnbetrieb weiter automatisiert werden soll. Die automatische Kupplung bildet deshalb wohl die wichtigste Voraussetzung für die „Eisenbahn der Zukunft“. West und Ost sind gleichermaßen daran interessiert, zumal sie nicht nur den Rangierdienst beschleunigt, sondern auch erlaubt, größere Zuglasten zu befördern.

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Als Termin für die Einführung, die ja für den internationalen Verkehr gleichzeitig erfolgen muß, haben sich die beiden Eisenbahnverbände Ostern 1976 gesetzt. Die Bundesbahn wird dann innerhalb von vier bis sechs Tagen 60 v. H. ihrer Güterwagen, 150 000 Wagen, schlagartig mit den neuen automatischen Kupplungen ausrüsten. Für jeden Güterwagen sind dabei etwa 7000 Mark auszugeben. ,Die gesamte Umrüstung ihres Wagenparks, die sich auf etwa vier Jahre erstrecken wird, kostet die Bundesbahn 1,8 bis 2 Mrd. DM.

 

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