Dienstag, 24.11.2020

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22. November 1970: Die Stadt und ihre Friedhöfe

Bestattungsanstalt besteht seit dem Jahr 1907 - 22.11.2020 07:00 Uhr

Einer der schönsten und berühmtesten Friedhöfe der Welt ist der Johannisfriedhof in Nürnberg. Er birgt die Überreste berühmter Bürger und die Grabschilder erzählen oft eigenartige Geschichten. Links das Totenschild der Nürnberger Friseure, woraus hervorgeht, daß diese Zunft auch als Heilpraktiker wirkte.

20.11.2020 © Lorz


Die Preise für Beerdigungen sind in Nürnberg keineswegs maßlos, wenngleich über eine Tatsache immer wieder geklagt wird: der Leidtragende wird, wenn er ein Begräbnis bestellen muß, sehr oft nicht aufgeklärt über das, was er verlangen kann und was von ihm verlangt werden darf. Vom Schmuck der Aussegnungshalle bis zum Sarg und seiner Ausstattung sind die Preise gestaffelt und es muß gesagt werden, daß die untere Grenze durchaus zivil ist.

Menschen aber, die den Verlust eines Angehörigen betrauern, befinden sich zumeist in einer außerordentlichen seelischen Situation. Sie sind froh, wenn man ihnen, wenigstens für eine Zeitlang, die Geschäfte abnimmt. Das Erwachen kommt nach Erhalt der Rechnung. Dies muß nicht so sein, es ist in Nürnberg aber durchaus schon passiert und nicht nur gelegentlich.

Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Wilhelm Doni erklärte dieser Tage in einer Pressekonferenz, daß der Besteller einer Beerdigung mehr als bisher mit seinen Rechten und Möglichkeiten vertraut gemacht werden soll. Er betonte aber auch, daß es der Stadt zu verdanken ist, wenn hier keine „amerikanischen“ Verhältnisse im Bestattungswesen herrschen.

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Im Jahre 1907 wurde die Bestattungsanstalt der Stadt Nürnberg gegründet, um „einerseits dem Unwesen der Ausbeutung des Publikums bei Begräbnissen mit Erfolg entgegenzutreten und andererseits statt des unlauteren Wettbewerbs hinsichtlich der betreffenden Lieferungen geordnete Zustände zu schaffen.“ So hieß es in einem Verwaltungsbericht des gleichen Jahres, und diese Prinzipien gelten heute noch.

Die Bestattungsanstalt leistet all das, was bei einem Sterbefall notwendig oder üblich ist. Ein Teil dieser Leistungen muß von allen Bürgern in Anspruch genommen werden. Es sind meist die Dinge, bei denen hygienische Vorschriften zu beachten sind. Von privaten Bestattungsinstituten kann alles andere bezogen werden, wie Särge, Einbettungswäsche, Blumen, Kränze, Vermittlung von Traueranzeigen usw.

Leichenfrau ist keine freie Unternehmerin

In Nürnberg gibt es 15 Friedhöfe. Nur fünf davon sind städtisch, neun evangelisch-lutherisch und einer israelitisch. Die Gesamtfläche ist 120 Hektar groß, wovon allein auf den Südfriedhof 62 und auf den Westfriedhof 37 Hektar entfallen. 92.000 Gräber sind auf den städtischen und etwa 24.000 auf den übrigen Friedhöfen.

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Der Unterhalt der Friedhöfe kostet die Stadt eine ganze Menge Geld. Dafür und für die Erweiterung von Gebäuden und Anlagen wurden 1968 fast zwei Millionen DM und im vergangenen Jahr 2,45 Millionen DM ausgegeben. Zum erstenmal wurden 1969 mehr Menschen feuer- als erdbestattet. Im Tagesdurchschnitt werden etwa 31 Menschen zu Grabe getragen.

Jeder Nürnberger Bürger kann schon zu Lebzeiten der Bestattungsanstalt einen Auftrag erteilen, in dem alle Leistungen für die spätere Beerdigung festgelegt werden. Dieser Vorsorge bedienen sich in der Hauptsache ältere und alleinstehende Menschen. Die Ausgaben für die Beerdigung werden auf ein Sparbuch einbezahlt, das zugunsten der Bestattungsanstalt gesperrt und bei der Stadt hinterlegt wird.

Harald Lamprecht

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