23. April 1965: Schulen – weniger "empfindlich“

23.4.2015, 07:00 Uhr
Das ist einer der beiden Pavillons, die nach den Plänen von Architekt Dipl.-Ing. Ferdinand Reubel an der Königshammer Straße gebaut werden. Die Stahlkonstruktion (im Vordergrund) stellt das Gerippe für den Pausenhof dar, der die beiden Schultrakte und die Turnhalle verbindet.

Das ist einer der beiden Pavillons, die nach den Plänen von Architekt Dipl.-Ing. Ferdinand Reubel an der Königshammer Straße gebaut werden. Die Stahlkonstruktion (im Vordergrund) stellt das Gerippe für den Pausenhof dar, der die beiden Schultrakte und die Turnhalle verbindet. "Eine vorbildliche Lösung." © Gerardi

Zwar ist diese Art des Bauens auf den ersten Blick kostspieliger, aber auf lange Sicht eben doch billiger.

... unverputzt wie der Beton in den Treppenaufgängen.

... unverputzt wie der Beton in den Treppenaufgängen. "Die Betonstruktur ohne Anstrich ergibt eine saubere, klare Architektur", sagt Baudirektor Görl." © Gerardi

Die Erfahrung der ersten Nachkriegsjahre hat die Architekten auf den neuen Weg gedrängt, der nun konsequent gegangen werden soll. Hatte man bislang versucht, den Kindern Räume in mehr oder weniger süßen Pastellfarben zu bescheren, so muß nun das unverfälschte Material für sich sprechen. „Wir wollen nicht nur aus architektonischen Gründen ausdrücken, daß diese Häuser aus dem Beton-Zeitalter stammen, sondern vor allem die Kosten für den Unterhalt und die Pflege der Häuser drücken“, erklärt Baudirektor Otto-Peter Görl, der Chef des Hochbauamtes.

Die zwölfklassige Schule mit Nebenräumen, Jugendhort und Turnhalle, die mehr als drei Millionen Mark kostet, läßt erkennen, daß „das Gebäude nur Gehäuse, das Kind jedoch der Mittelpunkt“ sein soll. Das Baumaterial ist so gewählt, daß es „mit Anstand altern kann“, wie Görl sagt. Vor allem bei den Betonmauern verspricht er sich von der Patina später sogar eine schöne Wirkung.

Bei den Neubauten wird mit dauerhaftem Material gearbeitet, das Geld sparen hilft.

Bei den Neubauten wird mit dauerhaftem Material gearbeitet, das Geld sparen hilft.

In den Innenräumen findet sich nichts mehr, was nach falscher Repräsentation aussieht. Unverputzter Beton in den Treppenaufgängen, verfugte Backsteine in den Fluren. Klinkersteine an den Stirnwänden und Lochklinker mit angenehmen akustischen Wirkungen an der Rückseite der Klassenzimmer – das sind die Stilmittel, derer man sich hier bedient. Baudirektor Görl verkennt nicht, saß für die Kinder eine neue Atmosphäre geschaffen wird, an die sie sich freilich rasch gewöhnen können. „Zuerst bauen die Menschen Häuser, dann bauen die Häuser Menschen“, das ist einer der Hintergedanken bei dieser Schule.

„Baugesinnung“ schnell verändert

Beim Bau von Schulen wird vielleicht am stärksten deutlich, wie sehr es darauf ankommt, daß die Bevölkerung Geschmack an der Architektur dieser Zeit findet. Was heute möglich ist, war für die Planer vor zehn Jahren oft noch unerreichbar.

Die Schule in der Dunantstraße legt Zeugnis davon ab, wie sich die Baugesinnung in einem Jahrzehnt ändern kann. Welch ein Unterschied tut sich da zwischen dem einen Trakt auf, der 1955 fertig geworden ist, und dem Pavillon mit fünf Stammklassen samt Nebenräumen und Mütterberatung, der jetzt entsteht. „Wir haben absichtlich die Form des bestehenden Hauses nicht weitergeführt, denn jeder soll ruhig sehen, daß hier in zwei Stufen zu verschiedenen Zeiten gebaut worden ist“, erläutert Görl.

Keine Kommentare