23. August 1968: Omnibus-Bahnhof unter der Erde

23.8.2018, 07:00 Uhr

© Launer

Die Meinungen über das Vorhaben – es war beim Ideenwettbewerb zur Bebauung der wichtigen Eingangspforte zur Altstadt nicht verlangt worden – sind geteilt. Im Rathaus und im Bauhof werden Schwierigkeiten bei der Zu- und Abfahrt befürchtet; die VAG, ohnehin tief in den roten Zahlen, hat schon ausgerechnet, daß ihre Busse jedesmal einen Kilometer mehr zurücklegen müssen. Andererseits begrüßen die Bundesbahn und die Deutsche Lufthansa den unterirdischen Standort, letztere wegen des Zubringerdienstes zum Flughafen.

Im übrigen könnte auf den unglücklich gelegenen Bahnhof zwischen Marienplatz und Bahnhofstraße verzichtet werden und die Stadt das Gelände für andere Zwecke verwenden.

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Der Entwurf sieht für die Zufahrt eine Längsrampe parallel zum Königstorgraben vor, während die Ausfahrtsrampe entlang der Königstormauer liegt und in die Lorenzer Straße mündet, die mit einer zusätzlichen Fahrspur versehen werden soll. Im Inneren des Bahnhofes stehen Bahnsteige mit einer Länge von 270 Meter zur Verfügung.

Das sind immerhin 70 Meter mehr als auf der heutigen Anlage, die zur Spitzenstunde zwischen 17 und 18 Uhr von 28 Omnibussen angesteuert wird. Leistungsreserven wären also vorhanden. Keinerlei Kopfzerbrechen bereiten außerdem Beleuchtung und Belüftung, Kennzeichnung der Bahnsteige und Halteplätze der einzelnen Linien sowie der Einbau von Schaltern für den Fahrkartenverkauf oder die Auskunft.

Zustrom für das Zentrum

Professor Anton Schächterle zählt dazu eine Reihe von Vorteilen auf. Er nennt die günstige Lage zur Innenstadt, die ideale Verknüpfung des öffentlichen Nahverkehrs mit Eisenbahn, Taxi, Bus, Straßenbahn und in künftigen Jahren auch der U-Bahn. Die Fahrgäste wandeln auf sicheren Pfaden und müssen keine weiten Wege machen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Außerdem ist der Bayerischen Versicherungskammer – der Bauträger für das rund 70 Millionen DM teuere Vorhaben – daran gelegen, weil sie sich damit einen höheren Zustrom für das Geschäftszentrum erwartet, das vom Bahnhof aus über Fahrstühle erreicht werden kann.

Auch die Stadt – und daraus machen manche Stadträte kein Hehl – würde gut dabei abschneiden. Sie bekäme den Bahnhof zusätzlich ohne Kosten und könnte sich überlegen, wie sie das bisher verwendete Gelände am nutzbringendsten verwertet.

Es gibt also in den kommenden Wochen viel Stoff zur Diskussion im Bauausschuß und im Plenum, das am 18. September seine Entscheidung fällen wird. Obendrein kann es nicht schaden, wenn sich dazu auch die Nürnberger Bürger zu Wort melden, insbesondere diejenigen, die zu den Dauerkunden des Zentralomnibus-Bahnhofes gehören, täglich im Galopp über die Fußgänger-Überwege springen und sich bei Regenwetter In den kleinen Unterstellhäuschen zusammendrücken müssen.

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