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24. November 1971: Zahl der Kassenärzte geht ständig zurück

24.11.2021, 07:00 Uhr
Ein Gebäude im Stil der neuen Zeit nannte OBM Dr. Urschlechter den Neubau der AOK am Frauentorgraben 49. Bis dahin sei dieses ehemalige Gelände des Industrie- und Kulturvereins ein wunder Punkt im Nürnberger Nachkriegs-Städtebild gewesen.

Ein Gebäude im Stil der neuen Zeit nannte OBM Dr. Urschlechter den Neubau der AOK am Frauentorgraben 49. Bis dahin sei dieses ehemalige Gelände des Industrie- und Kulturvereins ein wunder Punkt im Nürnberger Nachkriegs-Städtebild gewesen. © Friedl Ulrich

Die AOK Nürnberg ist vom Einzugsbereich her die größte, von der Zahl der Mitglieder her die zweitgrößte im Bundesgebiet. Der bayerische Staatsminister für Arbeit und Sozialordnung, Dr. Fritz Pirkl wies im Rahmen der Feierstunde auf die Bedeutung der Krankheitsfrüherkennung hin und bedauerte, wie wenig in Bayern von dem gesetzlich zugestandenen Recht der Vorsorgeuntersuchung Gebrauch gemacht werde. Pessimistisch beurteilte AOK-Geschäftsführer Ernst Pirner die Lage auf dem Sektor Ärztenachwuchs. Während in den Jahren von 1960 bis 1968 die Zahl der an Krankenhäusern tätigen Medizinern um 38,4 v.H., der in Verwaltung und Wissenschaft arbeitenden um 31 Prozent zugenommen habe, betrage der Zu-wachs bei frei praktizierenden Ärzten in diesem Zeitraum nur 4,3 Prozent. Insgesamt gesehen ist die Zahl der zugelassenen Kassenärzte in den vergangenen zehn Jahren sogar um fast sieben Prozent zurückgegangen. Die Folgen auf dem Gebiet der ärztlichen Versorgung der Versicherten seien noch nicht abzusehen.

AOK-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Distel gab zu Beginn der Feierstunde, die musikalisch umrahmt war vom Kammerorchester des Städtischen Konservatoriums Nürnberg unter Leitung von Dr. Robert Seiler, einen Überblick über die Baugeschichte. Mit besonderem Stolz betonte Distel, daß der Kostenvoranschlag für den drei Jahre dauernden Bau lediglich um 3,2 Prozent, das ist etwa eine Million DM, überschritten wurde. 800 000 DM davon entfallen auf Lohnerhöhungen. Nachdem Architekt Horst Fink den Schlüssel an den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Ernst Albert übergeben hatte, beleuchtete Geschäftsführer Ernst Pirner die Situation der gesetzlichen Krankenversicherung aus der Sicht der AOK. So gehört die AOK Mittelfranken zu den drei beitragsgünstigsten Kassen im Bundesgebiet mit einem Beitrag von 6,6 Prozent gemessen am Grundlohn des Versicherten. Auch für das kommende Jahr sei – so Pirner – keine Beitragserhöhung vorgesehen. Die Einnahmen und Ausgaben betrugen in Nürnberg im vergangenen Jahr 2,2 Milliarden und liegen im laufenden Jahr um etwa 200 Millionen Mark höher.

Das zentrale Thema: Krankheitsvorbeugung

Manfred Leikauf, Vorsitzender der Vertreterversammlung übergab anschließend an 13 der ältesten AOK-Mitglieder Geschenke und einen Blumenstrauß. Sie alle sind mindestens 95, zwei von ihnen sogar über 100 Jahre alt. Den Reigen der Gästereden eröffnete Dr. Fritz Pirkl, der in dem Neubau einen sichtbaren Beweis für die innerbetriebliche Rationalisierung der AOK und eine verstärkte Versichertenbetreuung nach außen hin sieht. Er unterstrich die Wichtigkeit der Krankheitsvorbeugung durch Vorsorgeuntersuchungen.

Auch auf diesem Gebiet liege Nürnberg erheblich über dem Bundes- und auch über dem Landesdurchschnitt. Er appellierte an die Mitglieder der Selbstverwaltungsorgane, „alle nur denkbaren Werbemöglichkeiten auszuschöpfen, um die Versicherten in größerem Umfang als bisher auf die vom Gesetz seit Juli dieses Jahres vorgesehenen Maßnahmen zur Früherkennung aufmerksam zu machen“.

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