25. August 1967: Das große Geschäft blieb noch aus

25.8.2017, 07:00 Uhr
Solche komplizierte Geräte sind für Prüfung und Wartung der Fernsehapparate notwendig.

Solche komplizierte Geräte sind für Prüfung und Wartung der Fernsehapparate notwendig. © Kammler

Sowohl bei den großen Konzernen als auch beim Fachhandel sind gestern nur wenige Geräte abgesetzt worden. Eine spürbare Belebung des Geschäfts wird in den nächsten Tagen erwartet, wenn nicht mehr „Konserven“, sondern populäre Sendungen in Farbe über die Bildschirme flimmern.

Der Dumpingpreis von 1.790 DM, den Waren- und Versandhäuser nach dem Wegfall der Preisbindung für das „Kuba-Imperial“-Gerät eingeführt haben, wird inzwischen auch von zahlreichen Fachgeschäften akzeptiert. „Wir mußten nachziehen“, meinten die Geschäftsführer zweier großer Nürnberger Radiofirmen, Anton Mönikes und Erich Lehmann. Beide geben jedoch offen zu, daß sie bei dem gegenwärtigen Kampfpreis keinen Pfennig verdienen, sondern Geld zulegen müssen.

Mit Hinweisschildern werden Passanten auf Fernsehsendungen in Farbe aufmerksam gemacht.

Mit Hinweisschildern werden Passanten auf Fernsehsendungen in Farbe aufmerksam gemacht. © Kammler

Der aufwendige Service, der im Farbfernsehgeschäft notwendig ist, läßt sich nach ihrer Meinung in der bisherigen Form nicht mehr weiterführen, wenn die Industrie nicht bald eine andere Entscheidung fällt. Allein die neuen Meßgeräte, die für die Prüfung und Wartung der Apparate erforderlich werden, kosten die runde Summe von 20.000 DM. Hinzu kommt die Spezialausbildung für die Techniker, die gegenüber den Schwarzweißgeräten kräftig umlernen müssen.

Hoffnungen auf Weihnachten

Der Werbeleiter eines Nürnberger Warenhauses, Dr. Karl Wölfel, vertritt die Ansicht, daß bei den gegenwärtigen Kampfpreisen „nichts mehr drinsteckt“. Er glaubt, daß der von 2.348 auf 1.790 DM heruntergesetzte Preis für den „Kuba“-Apparat nicht auf die Dauer aufrechtzuerhalten ist. „Wir müssen eben abwarten, wie sich die Lage weiter entwickelt.“ Obwohl für die übrigen Markengeräte nach wie vor die Preisbindung gilt, „sind die Kunden verwirrt“ (Anton Mönikes). Drastischer formuliert es sein Kollege Erich Lehmann: „Noch nie ist eine Branche derart verrissen worden. Das Farbfernsehen hatte einen denkbar schlechten Start.“

Obwohl gestern die Probesendungen überall ein starkes Interesse fanden, wechselten nur selten Geräte ihren Besitzer. Allgemein wird eine zurückhaltende Kauflust gemeldet. „Die Leute warten ab“, erklärte ein Geschäftsmann, „wie der Kampf um die Preisbindung ausgeht. Das kann man ihnen auch nicht verdenken. Außerdem bietet das Programm noch nicht allzu viel.“ Große Hoffnungen werden auf Weihnachten gesetzt. „Dann geht das Geschäft erst richtig los“, prophezeite ein Händler.

In weiten Kreisen der Bevölkerung besteht ein großes Interesse für Farbfernseher, doch den meisten fehlt im Augenblick noch das nötige Kleingeld, um ihren Wunsch realisieren zu können. Die Situation ähnelt den Zeiten, als das Schwarz-Weiß-Fernsehen kreiert wurde. Auch damals lief das Geschäft sehr ruhig an, bis nach einiger Zeit eine Fernsehwelle über das Land brauste.

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