29. Dezember 1968: Ein Orden mit Sex

29.12.2018, 07:49 Uhr

© Friedl Ulrich

Zugleiter Franz Grimme hat sich von den entblößten Damen inspirieren und sie in Metall prägen lassen. "Ein netter Gag", findet Präsident Hans Bernhard. Der "Oben-ohne"-Orden wird erstmals bei der Inthronisation des Prinzenpaares am 4. 1. um 20.11 Uhr im großen Saal der Meistersingerhalle unters Volk gebracht. Bei dieser traditionellen Veranstaltung wird die Saison mit Pauken und Trompeten eröffnet. Den Faschingsoberen bleibt heuer nicht allzu viel Zeit, um ihr umfangreiches Programm über die Bühne zu bringen: ganze 45 Tage dauert die närrische Zeit. Auf Seine Tollität Fred I. und Ihre Lieblichkeit Christl I. wartet ein prallgefüllter Terminkalender, in dem schon jetzt über hundert Verpflichtungen bei den Gesellschaften und zahlreichen Firmen eingetragen sind.

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Mit viel Witz, Charme und noch mehr Musik wird das Prinzenpaar auf den Thron gehoben. "Wir werden die Besucher über drei Stunden lang im närrischen Bann halten", verspricht Präsident Hans Bernhard. Die "Wagner-Zwillinge", zahlreiche Künstler von den Nürnberger Gesellschaften und auswärtige Delegationen sind ebenso bei der Inthronisation mit von der Partie wie die "Fidelios", das Harmonika-Orchester Münch, freche Gardemädchen und die Kapelle Georg Rohmer, die bei dem Fastnachts-Auftakt den Ton angeben wird. Die Stars des Abends werden jedoch die Pöiterlesboum sein.

Um die feierliche Krönung des Prinzenpaares im vollbesetzten Saal durchführen zu können, hat der Festausschuß die Eintrittspreise volkstümlich gehalten: 4,20 DM auf allen Plätzen. Karten sind im Vorverkauf in den Blumengeschäften Schaaf, Stummhöfer und Treutlein erhältlich. Für einen schnellen und reibungslosen Heimweg sorgt die VAG: sie setzt am Ende der Veranstaltung Straßenbahn-Sonderwagen ein.

Aber nicht nur die Inthronisation, auch der Fastnachtszug "steht" schon. Die finanzielle Seite ist gesichert, nachdem die Stadt einen Zuschuß von 17.500 Mark fest zugesagt hat. „Mit den Spenden kriegen wir unseren Anteil von etwa 30.000 Mark zusammen", freut sich der Festausschuß-Präsident. "Die restlichen 60.000 bis 80.000 Mark bringen unsere Gesellschaften auf." Zwei bekannte Nürnberger Industrielle haben sich erneut bereit erklärt, namhafte Beträge zur Verfügung zu stellen.
Solche Spendenfreudigkeit wissen die Narren zu würdigen – nicht mit einem Sexy-Orden, sondern mit einer kupfernen Auszeichnung von bleibendem Wert: Schuhmacher und Poet dazu Hans Sachs lächelt von dem Sonderdruck.

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