3. Mai 1969: Packt die Badehosen aus!

3.5.2019, 07:00 Uhr

© Holzknecht

Selbst im Herbst, wenn der erste Reif die kalte Jahreszeit ankündet und manche Bürger allein beim Gedanken an Freibäder eine Gänsehaut bekommen, wird das Wasser in den Becken 21 Grad und mehr warm sein.

Trotz dieser günstigen Voraussetzungen erhoffen sich alle Badefreunde von der Saison 1969 weniger Regen als im Vorjahr, dafür aber Sonnenschein und nochmals Sonnenschein. Der Nürnberger Schwimmsportpionier Bayern 07 schwimmt wieder vorneweg. „Patschnaß, Hurra!“ heißt es schon heute nachmittag, zwei Wochen vor dem offiziellen Öffnungstermin der Städtischen Bäder am 17. Mai.

Vielleicht ist das ein gutes Omen: „Es wird wärmer und sonniger, die Temperaturen steigen auf 20 Grad“, sagte gestern das Wetteramt im Hochhaus voraus.

30 Millionen Liter Wasser

Neun Freibäder bieten über 30 Millionen Liter Wasser für das nasse Vergnügen an: die drei städtischen Einrichtungen West, Naturgarten und Stadion, die Vereinsschwimmbecken des 1. FCN, Franken und TV 1846 (Langsee) sowie das Linde-Stadion und die firmeneigene Anlage Siemens-Bad. Fast könnte man sagen, die Schwimmfreunde schöpfen aus dem Vollen, aber: die Südstädter von der Gartenstadt bis Mühlhof und Schweinau stehen doch arg im Schatten der Bürger im Westen, Norden und Osten.

Die Freibäder verwalten heißt nicht nur Freude bereiten, sondern auch Kummer ertragen. Hanns Dürschner, der Leiter des Städtischen Bäderamtes, weiß davon ein Liedlein zu singen. Freilich, nicht vom Freibad West. „Die Anlage ist so gut gebaut, daß sie den Winter wie eine Eins überstanden hat“, freut sich Dürschner. Gegen Lausbubenhände aber ist auch er machtlos: Kraftprotze stiegen über den Zaun und verwandelten in den Umkleidekabinen und Toiletten Spiegel und Lampen in einen riesigen Scherbenhaufen. Städtische Arbeiter haben die Verwüstungen beseitigt, fehlten dafür aber an anderer Stelle, denn die Bäderverwaltung hat Personalsorgen. So sind die Bäder schon zu richtigen „Familienunternehmen“ geworden. Frauen, die im Sommer für die Wäscheabgabe verantwortlich sind und die Kassengeschäfte erledigen, fegen die Becken, Bademeister greifen zum Wasserschlauch und zur Schaufel.

Winterschäden sind unübersehbar

Ungeachtet dessen wird mit Hochdruck an der Aufheizungsanlage gearbeitet, die 146.000 DM kostet und die Saison im Freibad West verlängern soll. „Sie kann das Wasser bis auf 24 Grad erwärmen“, erläutert Dürschner. In der Regel ist aber eine Wassertemperatur von etwa 21 bis 22 Grad vorgesehen. Ende August wird sie auf 22 bis 23 Grad gesteigert. Die Anlage wird auch pur bei schönem Wetter eingeschaltet. Bei naßkalter Witterung steht der Thermostat auf 19 Grad. Mehr wäre zu teuer. Bei einem Schnitt von 150 Tagen im Jahr fallen sowieso 25 000 bis 30.000 DM zusätzliche Betriebskosten an.

Wenn sich die Abschlußarbeiten nicht mehr verzögern, werden in der nächsten Woche 5,4 Millionen Liter Wasser in den beiden Becken des Freibades West auf 22 Grad angewärmt. Aber alle Badegäste kommen zu spät; ein Wildentenpärchen prüft schon seit gestern das Wasser.

Verwandte Themen


Keine Kommentare