30. April 1965: Kultur der Patrizier

30.4.2015, 07:00 Uhr
 Im großen Festsaal des zweiten Obergeschosses fanden sicher früher nach der Jagd in der waldreichen Umgebung Schmausereien statt. Auch heute ist der Tisch gedeckt, nur die Gäste fehlen.

Im großen Festsaal des zweiten Obergeschosses fanden sicher früher nach der Jagd in der waldreichen Umgebung Schmausereien statt. Auch heute ist der Tisch gedeckt, nur die Gäste fehlen." © Launer

Das hochgiebelige, stattliche Gebäude unweit Kraftshof, eines der wenigen vollkommen erhaltenen „Weiherhäuser“ um Nürnberg, bietet ein fesselndes Bild der patrizischen Wohnkultur der mittelalterlichen Jagdgewohnheiten und – seit diesem Jahr – auch der mittelalterlichen Rechtspflege.

Die Schandmasten, der Bock, in den die männlichen Delinquenten gespannt wurden, die Handschellen und Fußketten geben ein Bild der mittelalterlichen Rechtspflege.

Die Schandmasten, der Bock, in den die männlichen Delinquenten gespannt wurden, die Handschellen und Fußketten geben ein Bild der mittelalterlichen Rechtspflege. © Launer

Das Schloß, 1246 zum erstenmal erwähnt, hat oftmals den Besitzer gewechselt, gehörte den Haller, den Koler, den Holzschuher, die längste Zeit aber der Familie Kreß. Heute ist es im Besitz einer Erbengemeinschaft, deren Mitglieder direkte Nachkommen der Patrizierfamilien Kreß und Holzschuher sind. Sie haben den Herrensitz dem Germanischen Nationalmuseum zur Verfügung gestellt, damit es einen Teil seiner Bestände in einer ideal passenden Umgebung der Öffentlichkeit zeigen kann.

Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten zählen die sogenannte „Prangküche“ mit kostbarem Tafelgeschirr, Fayencen, Gläsern, Bestecken und Tafelschmuck, mit denen man damals seinen Wohlstand des Hauses dokumentierte, und der Festsaal mit einem großen Deckengemälde, sinnigerweise die Jagdgöttin Diana darstellend.

Dazu kommen jetzt, wie gesagt, zwei neue Räume, die Konservator Dr. Ludwig Veit mit deutschen Rechtsaltertümern, Prangermasken, Richtschwerten, einigen sparsamen Folterwerkzeugen und Dokumenten der Strafrechtspflege ausgestattet hat. Diese Sammlung soll keineswegs die Nachfolge der berüchtigten Folterkammer im Fünfeckigen Turm mit der einstigen, gruseligen „Eisernen Jungfrau“ und anderen phantasievollen Nachbildungen antreten. Sie fügt sich ebensogut wie die Jagdsammlung dem alten Herrensitz ein, der viele Jahrhunderte lang die mittlere Gerichtsbarkeit besaß und früher auch ein kleines Gefängnis beherbergte.

Die neue Sehenswürdigkeit im Weichbild der Stadt hat sich schon weit herumgesprochen. Im vergangenen Jahr wurden bereits 2400 Besucher gezählt.

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