30. November 1968: Eine Lücke im Bildungsplan

30.11.2018, 07:00 Uhr

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Nach einem historischen Abriß bedauerte der Leiter der Anstalt, Oberbaudirektor Friedrich Lauck, daß heute das gute Abschlußzeugnis eines Ingenieurs schlechter gestellt sei als ein schlechtes Abiturzeugnis. Dadurch verliere das Ohm-Polytechnikum zunehmend sein „klassisches Begabtenpotential“. Die enorme Zunahme der Ausfälle bei den Prüfungen sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen.

Die von den Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer konzeptierte Neuordnung des Ingenieurstudiums und die geplante Umwandlung des Polytechnikums in eine Fachhochschule lasse jedoch erwarten, daß das Ingenieurstudium wieder zu einer begehrten Berufsausbildung „auch für Abiturienten“ werde. Oberbaudirektor Lauck vertrat die Auffassung, daß auch bei einer Umwandlung in eine Fachhochschule an der bewährten seminaristischen Lehrstruktur im Interesse einer schnellen und gründlichen Berufsausbildung festgehalten werden sollte.

Im Festvortrag stellte Dozent Oberbaurat Dr. Alexander von Weiss „Betrachtungen über Einsatz und Bedeutung elektronischer Datenverarbeitungsanlagen“ an. Nachdrücklich mahnte der Redner, die „Weltmacht Technik“, die besonders durch den Computer symbolisiert wurde, von Unreifen und Halbgebildeten mißbrauchen zu lassen. Deshalb dürfe nicht versäumt werden, technische Führungskräfte für morgen heranzubilden, die über eine ausreichende Allgemeinbildung und genügend moralisches Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Allgemeinheit verfügten.

Die Computertechnik werde eine grundlegende Veränderung im personellen und organisatorischen Aufbau der Betriebe bringen und die Wirtschaft einem wachsenden Zwang zur „Verwissenschaftlichung“ aussetzen. Dr. von Weiss bezweifelte, ob das naturwissenschaftliche Lehrprogramm in den Schulen der technischen Entwicklung noch entspricht.

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