300 Euro Kinderbonus: Das müssen Eltern nun wissen

4.6.2020, 16:14 Uhr
Eltern sollen von Konjunkturpaket ebenfalls profitieren. 

Eltern sollen von Konjunkturpaket ebenfalls profitieren.  © Ralf Hirschberger, NZ

Eltern mussten in der Coronakrise besonders viel schultern: Arbeit und Kinderbetreuung wegen geschlossenen Kitas, teilweise begleitet von Homeschooling wegen der ebenfalls geschlossenen Schulen. Das Konjunkturprogramm das die Bundesregierung nun beschlossen hat, sieht deswegen auch Maßnahmen für Familien vor - mit Einschränkungen.

Wer bekommt den Kinderbonus?

Grundsätzlich gilt, dass Eltern für jedes Kind, das Kindergeld berechtigt ist, einen einmaligen Bonus von 300 Euro bekommen. Allerdings gibt es Ausnahmen: Familien mit hohen Einkommen werden von der Leistung nämlich nichts haben, weil der Bonus bei der Steuer mit den Kinderfreibeträgen verrechnet werden soll. Bei einer Paarfamilie mit einem Kind gehe man davon aus, "dass man bis zu einem Bereich von 90.000 Euro zu versteuerndem Einkommen hier noch vom Kinderbonus profitiert", sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Donnerstag.


Kommentar: Im Konjunkturpaket steckt zu wenig Zukunft


Das Paket sieht zudem vor, dass der Entlastungsbeitrag, den Alleinerziehende bei der Steuer von den Einkünften abziehen können, für 2020 und 2021 von derzeit 1908 auf 4000 Euro angehoben wird.

Wird der Kinderbonus auf die Grundsicherung angerechnet?

Der geplante Kinderbonus wird laut Giffey nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Damit erhalten auch Hartz-IV-Empfänger die zusätzlichen 300 Euro.

Wann soll der Kinderbonus ausbezahlt werden?

Die im Konjunkturpaket geplante Extrazahlung für Familien mit Kindern soll "aller Wahrscheinlichkeit nach" in drei Raten in Höhe von jeweils 100 Euro überwiesen werden, so Giffey. Nach ihren Angaben ist geplant, die Auszahlung über die monatliche Kindergeldzahlung abzuwickeln. "Dann würden auf dem Kontoauszug für die Kindergeldzahlung nicht die 204 Euro stehen, sondern über drei Monate 304 Euro." Wann genau der Kinderbonus ausgezahlt werden soll, ist aber noch unklar. Das soll spätestens in den kommenden Tagen entschieden werden.

Was kostet die Bundesregierung dieser Kinderbonus?

Der Kinderbonus ist Bestandteil des 130 Milliarden schweren Konjunkturpakets. Der Bereich allein kostet laut Bundesregierung 4,3 Milliarden Euro.

Die Familienministerin hob hierzu am Donnerstag hervor, dass das Konjunkturpaket neben dem Kinderbonus auch weitere Investitionen für Kitas und den Ausbau der Ganztagsschulen vorsieht. Insgesamt drei Milliarden Euro sind für diese beiden Bereiche eingepreist. Dies sei ein wichtiger Schritt für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit für die Gleichstellung von Frauen, betonte sie.

Wie sind die Reaktionen auf den Kinderbonus?

Die Reaktionen auf die geplante Auszahlung an Eltern wirft gemischte Reaktionen auf: Von "sozial ausgewogen" bis "Strohfeuer" kommentieren Politiker und Verbände den Bonus der Bundesregierung.

Als "sozial ausgewogen" und "familienfreundlich" beurteilte die Diakonie die Pläne. Der Bonus sei "ein besonders wichtiges und längst überfälliges sozial- und familienpolitisches Signal", sagte Präsident Ulrich Lilie. Der AWO-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stadler begrüßte den Bonus als "unbürokratische Einmalzahlung, der viele Familien entlasten wird". Stadler und Lilie sagten aber auch, sie hätten sich eine Leistung gewünscht, die noch zielgerichteter Familien mit niedrigen Einkommen unterstützt. Andere Sozialverbände gehen deswegen auch härter mit dem Bonus ins Gericht: Der Bonus werde "verbrennen wie ein Strohfeuer", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele der Rheinischen Post. Wer echte finanzielle Sorgen habe, "dem helfen 300 Euro gar nichts", sagte sie.

Kinderhilfsorganisationen reagierten mit zurückhaltender Zustimmung. "Natürlich hilft Geld erst einmal, die schlimmsten Härten der Krise abzufedern", sagte der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. Gebraucht werde aber auf Dauer ein nachhaltiges Instrument gegen Kinderarmut, etwa eine Kindergrundsicherung. Ähnlich äußerte sich Kinderhilfswerk-Präsident Thomas Krüger: "Das Geld muss dort ankommen, wo es besonders gebraucht wird", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, Schneider, beklagte, dass das Konjunkturpaket nicht "einen Cent" für arme Menschen ohne Kinder vorsehe. In Deutschland gebe es 7,5 Millionen Hartz-IV-Bezieher, deren Ausgaben unter anderem durch den Kauf von Masken und Desinfektionsmitteln gestiegen seien.

Die Vorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, sagte dem MDR, es sei ein "Pferdefuß an dem ganzen Paket, dass da keinerlei wirkliche Hilfen drin sind für die Ärmsten im Lande". Auch die Linke sprach sich für zusätzliche Hilfen für besonders einkommensschwache Familien aus.

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