4. April 1967: Strauß von Sorgen für den Gast

4.4.2017, 07:00 Uhr

© Ulrich

Acht Stunden lang war die Nürnbergerin im Bonner Kabinett in ihrer Vaterstadt auf den Beinen, um sich mit den Problemen der Krankenhäuser und Altersheime vertraut zu machen. Sie gewann dabei den Eindruck, daß ihre Mitbürger auf die bisherigen Leistungen stolz sein können, verstand aber auch sehr wohl, daß in Zukunft noch mehr für alte und kranke Menschen getan werden muß.

Alle Hoffnungen auf eine rasche finanzielle Hilfe des Bundes für den Krankenhausbau mußte Käte Strobel freilich mit dem Hinweis zunichte machen, daß ihr Ministerium für diesen Zweck jährlich nur 24 Millionen Mark einsetzen kann, während im Bundesgebiet 2,5 Milliarden im Jahr benötigt werden, um Kliniken zu unterhalten und zu ergänzen. „Das Problem der Krankenhaus-Finanzierung ist verantwortungsvoll nur bei einer großen Finanzreform zu lösen, für die wir bis Ende diese Jahres die ersten Vorschläge in das Parlament bringen wollen“, meint sie tröstend.

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Eitel Freude herrschte im Rathaus, als gestern früh „es Kätala“ (wie Freunde die Frau Minister nennen) in einer großen, schwarzen Limousine zum Staatsbesuch vorfuhr. Der Oberbürgermeister begrüßte in einer Sondersitzung des Stadtrats den Gast aus Bonn wie eine alte Bekannte, denn schließlich wohnt Käte Strobel nicht nur in Nürnberg, sondern sie vertritt diese Stadt schon seit fast 18 Jahren im Bundesparlament. „Wir bitten Sie um Verständnis für unsere Probleme“, meinte Dr. Urschlechter bescheiden.

Schon immer fortschrittlich

Als eine Stadt mit sozialer Tradition stellte Sozialreferent Dr. Max Thoma Nürnberg vor und brauchte nur darauf zu verweisen, daß 1911 die erste Schulzahnklinik in Bayern, 9 Jahre später ein kommunales Gesundheitsamt und nach dem Kriege eine Schirmbildstelle eingerichtet worden sind. „In Nürnberg waren immer Männer am Werk, die etwas Fortschrittliches leisten wollten!“, sagte er nicht ohne Stolz.

Und auch für die Zukunft hat sich die Stadt große Ziele gesteckt. So will sie beispielsweise die Zahl ihrer Krankenbetten von 2.600 auf 3.000 erhöhen und trotz aller Geldnöte an der einzigen kommunalen Chemischen Untersuchungsanstalt festhalten, um auf diese Weise Gesundheitspolitik zum Wohle der Bevölkerung zu betreiben.

Besonders eindrucksvoll ist jedoch dargestellt, was Nürnberg für seine Krankenhäuser getan hat und immer noch tun muß. 62 Millionen Mark hat die Stadt seit Kriegsende aufgebracht, um 2.000 Betten neu zu schaffen.

Gegenwärtig baut sie für 20 Millionen Mark ein Hochhaus, das chirurgische Stationen und die Augenklinik aufnehmen soll. „Für das zweite Krankenhaus im Süden ist das Gelände bereits gekauft, aber der Baubeginn wird noch einige Zeit auf sich warten lassen, weil dafür das Geld fehlt“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Urschlechter. Dabei handele es sich bei diesem 80-Millionen-Projekt um keine Lieblingsidee der Nürnberger, sondern der Klinikkomplex werde dringend benötigt.

Die Patienten warteten

Käte Strobel nahm dankbar die vielen Anregungen entgegen, die ihr im Rathaus aufgetischt wurden. Sie ging auf die Frage eines ausreichenden Pockenschutzes ebenso ein wie auf das Problem der Luftverunreinigung. Am meisten zerbricht sie sich jedoch den Kopf darüber, wie den Krankenhäusern geholfen werden könne.

Eine Stunde länger als vorgesehen hielt sich der Gast aus Bonn im Rathaus auf, ehe er zur Blitztour und zum Händeschütteln im Krankenhaus und in den Altersheimen aufbrach. Hier wie dort standen die Patienten und Bewohner an den Fenstern, um den prominenten Besuch zu bestaunen, denn – so sagte Krankenhausdirektor Prof. Walther Schäfer – „noch nie war ein amtierender Bundesminister bei uns gewesen“.

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