4. April 1970: Dreister Raubüberfall auf eine Lotto-Annahmestelle

4.4.2020, 08:10 Uhr
Die ersten Streifenwagen der Polizei erreichen den Tatort.

© Archiv Die ersten Streifenwagen der Polizei erreichen den Tatort.

Während Helmut Herbolsheimer in einer benachbarten Gastwirtschaft zu Mittag aß, betrat kurz nach 14 Uhr Heinz H. die Annahmestelle, in der sich zu dieser Zeit nur die Braut von Herbolsheimer befand, die 29-jährige Anneliese S.

"Geld her!", schrie der Räuber die Frau an, auf die er die Pistolenmündung richtete. Anneliese S. händigte Heinz H. 700 DM in Papiergeld aus. Beim Verlassen des Geschäftes rief er der verängstigten Frau zu: "Warten Sie noch fünf Minuten und gehen Sie ja nicht vor die Tür."

Wenige Augenblicke später rannte Anneliese S. in die nahe Gastwirtschaft und verständigte Helmut Herbolsheimer von dem Überfall. Wie in alten Tagen jagte der ehemalige Flügelmann des 1. FCN, der 1948 zusammen mit Maxl Morlock maßgeblich am deutschen Meisterschaftssieg beteiligt war, über die Straße zum Polizeirevier 4.

Das Kuriose an der nun einsetzenden Großfahndung der Polizei: nach den Angaben von Anneliese S. suchte man einen Ausländer. Also wurde zunächst das in der Nähe liegende Ausländer-Wohnheim inspiziert. Ohne Erfolg. Anschließend wollten die Streifenbeamten einige angrenzende Ausländer-Lokale kontrollieren, die jedoch geschlossen waren.

Ab in Richtung Pegnitz

Man kombinierte: der Täter konnte sich somit nur in Richtung Pegnitz abgesetzt haben. Als ein entsprechender Fahndungsrundruf über Funk die einzelnen Streifenwagen erreichte – 20 Beamte waren in acht Fahrzeugen unterwegs – befanden sich Polizeimeister Wolfgang E. (26) und Hauptwachtmeister Horst S. (24) auf dem Weg zur Bärenschanzstraße, um einen anderen Gesetzesbrecher zu verhaften.

Sie fuhren gleich zurück zum Städtischen Sportplatz an der Fuchsstraße und entdeckten eine verdächtige Gestalt in der Ferne. Über einen Fußweg und eine Wiese jagte der Streifenwagen auf den Mann zu, der keinerlei Anstalten machte, zu fliehen.

Als die zwei Beamten den Mann kontrollieren wollten, sahen sie mehrere zusammengeknüllte Geldscheine aus der Jackentasche hervorragen. Eine Leibesvisitation an Ort und Stelle fördert aus der anderen Tasche einen durchgeladenen und schussbereiten Revolver zu Tage.

Heinz H. wurde in Handschellen zur Fürther Straße 126 gefahren, wo Anneliese S. den Mann als den Täter wiedererkannte.

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