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5. September 1969: Hisel überlebte Flugzeugabsturz

Nürnbergs Star-Humorist liegt lebensgefährlich verletzt im Krankenhaus Traunstein - 05.09.2019 07:00 Uhr

Fast zehn Stunden benötigten die Rettungsmannschaften, um in dem unwegsamen Gelände am Gipfel des 1.100 Meter hohen Spitzberges an das total zertrümmerte Wrack zu gelangen (oben). 100 Meter entfernt lag lebensgefährlich verletzt Herbert Hisel. Die Hilfe hätte nicht viel später kommen dürfen. Denn gerade die Unterkühlung bei Schwerverletzten bedeutet häufig bereits das Todesurteil. Links eine Maschine vom Typ „Cessna 150“, mit der Hisel so schwer verunglückte. © NN


Den verunglückten Piloten bargen Stunden später Beamte der Grenzpolizei und Männer der Bergwacht. Anschließend wurde er sofort operiert. „Sein Zustand ist ernst“, erklärte gestern nachmittag Chefarzt Dr. Franz Huber (Traunstein).

Der 42jährige Inhaber von sechs goldenen Schallplatten – die siebente steht ihm in kürze ins Haus – hatte sich vor einiger Zeit in Nürnberg eine „Cessna 172 Rocket“ gekauft und wollte den Pilotenschein erwerben. Er schulte deshalb bei der Alpenflug-Gmbh in Bad Reichenhall, entpuppte sich alsbald als gelehriger Schüler und durfte seit einigen Wochen bereits Alleinflüge unternehmen.

Einen solchen Überlandflug plante Herbert Hisel auch am Mittwoch. Um 14.16 Uhr hob sein einmotoriges Flugzeug mit dem Kennzeichen D - EBIV von der Piste in Bad Reichenhall ab. Der Humorist am Steuerknüppel wollte nach Kempten-Durach und befand sich wenige Minuten später in der Nähe von Schleching im Hochnebel. Drei Kilometer westlich des oberbayerischen Ski-Ortes prallte die Maschine gegen einen Steilhang, der mit Jungwald und einigen Sambäumen bestanden ist.

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Die nächsten Stunden, in denen Herbert Hisel mit Arm- und Beinbrüchen, Quetschungen, schweren Gesichtsverletzungen und einem Schock an dem nur schwer zugänglichen Hang lag, werden zu den längsten und schwersten seines Lebens zählen. Obwohl die Beamten der Grenzpolizei Schleching bereits Schlimmes befürchteten, als sie am Nachmittag von einem Einheimischen die Nachricht erhielten, ein Flugzeug habe in geringer Höhe das Gebiet überflogen, und auf eigene Faust Rückfrage hielten, kam erst um 18.45 Uhr die Nachricht, daß die Maschine des Nürnbergers überfällig sei.

Die daraufhin sofort eingeleitete große Suchaktion hatte wegen des Nebels erst um 22.15 Uhr Erfolg. Grenzpolizisten und Angehörige der Bergwacht entdeckten den Schwerverletzten, dem ein Arzt Erste Hilfe leistete. Er lag rund 100 Meter weit von der demolierten Cessna 150 entfernt. Darüber, wie Herbert Hisel dorthin gekommen ist, gibt es zwei Versionen: möglicherweise wurde er aus dem Cockpit geschleudert, als das Flugzeug in den Bäumen hängenblieb und schließlich gegen einen der alten Baumstämme prallte. Beamte der Grenzpolizei dagegen deuteten Handbewegungen des Verunglückten – er war bei Bewußtsein, als die Retter eintrafen – dahin, daß er sich aus eigener Kraft vom Wrack weggeschleppt hat, weil er den Ausbruch eines Brandes befürchtete. „Trotz allem Hoffnung“

Es dauerte schließlich bis Donnerstag zwei Uhr, ehe der 42jährige Humorist unter schwierigen Bedingungen geborgen und ins Krankenhaus Traunstein gebracht worden war. „Trotz seines Zustandes besteht die Hoffnung, den Patienten durchzubringen“, meinte auf Anfrage Dr. Franz Huber, der Chefarzt der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Traunstein.

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Dabei hatte Herbert Hisel noch Glück. Daß er den Absturz überlebt hat, führen die Grenzpolizisten nicht zuletzt darauf zurück, daß der Rettungstrupp – gemessen an den Wetterbedingungen – sehr bald den Piloten entdeckt hatte. „Bei seinen Verletzungen, dem dadurch bedingten Blutverlust, und bei den kühlen Temperaturen hätte er die Nacht kaum überstanden“, erklärte ein Beamter.

Die großen Pläne, die der Nürnberger mit den schlagfertigen Pointen und dem derbfröhlichen Witz für die nächste Zeit hegte, müssen allerdings ins Wasser fallen. Herbert Hisel, dessen Wiege in Wöhrd stand, wollte wieder einmal eine seiner erfolgreichen Amerika-Tourneen unternehmen; außerdem standen in der nächsten Woche Schallplatten-Aufnahmen bei seiner Münchner Firma auf dem Programm.

In seinem Freundeskreis aber drückt man dem „Herbertla“ alle Daumen für eine baldige und völlige Genesung und hofft, daß seine private Pechsträhne endlich ein Ende hat. „Jou, werkli!“

NN

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