6. Mai 1971: Die Überwege sind gefährlich

6.5.2021, 07:00 Uhr
Einer der Zebrastreifen, die rechtlich nicht mehr zulässig sind: der Überweg vor der Südkaserne. Hier ist die Situation besonders schwierig, weil auch Interessen der Amerikaner berührt werden.

Einer der Zebrastreifen, die rechtlich nicht mehr zulässig sind: der Überweg vor der Südkaserne. Hier ist die Situation besonders schwierig, weil auch Interessen der Amerikaner berührt werden. © NN

Das ist die Quintessenz neuer Gesetzesrichtlinien, mit denen sich der Verkehrsausschuß gestern konfrontiert sah. Fachleute schätzen, daß in der Stadt etwa 100 Zebrastreifen von Gesetz wegen verschwinden müssen. Die Alternative, dem Fußgänger mehr Sicherheit zu bieten, sind Signalanlagen, Unterführungen oder Brücken.

Wie Oberbaudirektor Dieter Kohler berichtete, hat das Stadtplanungsamt ein Bewertungsverfahren entwickelt, nach dem sämtliche Überwege auf die neuen Richtlinien hin überprüft werden. Bereits 50 von 70 getesteten Zebrastreifen entsprachen nicht mehr den Vorschriften.

Diese besagen unter anderem, daß ein Zebrastreifen dann nicht mehr gestattet ist, wenn er über mehr als zwei Fahrbahnen reicht, Straßenbahngleise überquert, ohne daß dort eine Haltestelle ist, die zulässige Geschwindigkeit für Pkw höher als 50 Stundenkilometer ist oder die Belastung der Straße 800 Fahrzeuge pro Stunde überschreitet.

Sechs Überwege müssen deshalb bereits aufgelassen werden; bei einer Reihe anderer wird der Verkehr mit Signalen geregelt, was nach städtischen Plänen ohnehin für 1971 oder 1972 vorgesehen war. An drei weiteren Stellen kann nur durch eine Fahrbahnteilung eine Lösung gefunden werden.

Um den Stadträten einen Überblick zu geben, soll eine Liste mit sämtlichen Überwegen und den entsprechenden Lösungsvermerken erstellt werden.

Sowohl im Hinblick auf den Stadtsäckel als auch auf die Kapazität der Signalanlagenhersteller werden Schwierigkeiten jedoch nicht zu vermeiden sein. Baureferent Otto Peter Görl kündigte schon vorsorglich an, die Umstellung könne nur im Rahmen der vorhandenen Mittel vonstatten gehen.

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