8. Januar 1970: Nur ein Luftsprung an die Isar

8.1.2020, 07:00 Uhr
Der Jungfernflug München-Nürnberg und zurück: die zweimotorige Handley-Page „Jetstream“ (rechtes Bild) mit dem geflügelten Löwen und dem Seitenleitwerk wird auf ihren Standplatz vor dem Flughafengebäude eingewunken.

Der Jungfernflug München-Nürnberg und zurück: die zweimotorige Handley-Page „Jetstream“ (rechtes Bild) mit dem geflügelten Löwen und dem Seitenleitwerk wird auf ihren Standplatz vor dem Flughafengebäude eingewunken. © Ulrich

Die fränkischen Passagiere erreichen damit außerdem billiger und ohne Umweg über Frankfurt Anschlüsse nach dem Balkan, nach Italien, nach Österreich, nach Afrika und nach dem Nahen Osten.

Eine halbe Attraktion bietet die Linie betuchten Skifahrern. Am Freitag können sie gleich bis nach St. Moritz weiterfliegen. Doch hat das Unternehmen einen Schönheitsfehler. Zurück geht‘s nur bis München mit dem Flugzeug. Die restliche Strecke bis Nürnberg müßten sie dann in der Eisenbahn absitzen.

Nachdem die Lufthansa-Flüge – damals stiegen am Tag durchschnittlich 12 Gäste in die Convair – im Frühjahr 1968 sanft eingeschlafen sind, nimmt die Privatgesellschaft den zweiten Anlauf, freilich mit Unterstützung der Deutschen Lufthansa. Sie erledigt Buchung und Abfertigung und hat die Route Nürnberg-München in ihren internationalen Plänen unter der Nummer LH 119 laufen. Bei der Jungfernreise begrüßten Flughafendirektor Dipl.-Ing. Helmut Müller-Gutermann, sein Vize Dr. Ludwig Hoffmann und Lufthansa-Bezirksleiter Arthur Deutsch die Ankömmlinge im Flockenwirbel auf dem Vorfeld.

Bereits vorher waren im Gespräch zwischen Flughafendirektion und Journalisten die Chancen des jüngsten Luftfahrt-Kindes abgewogen worden. Zwar sind die Flüge unter Mittag kaum geeignet, etwa Geschäftsleute von der Bundes- oder Autobahn wegzulocken. Aber sie eröffnen neue Wege für die Passagiere ins Ausland, die wegen des bisherigen Umweges über Frankfurt stets zur Kasse gebeten wurden.

"Wir hoffen, daß es nicht bei der jetzigen Lösung bleibt, sondern bald eine Tagesrand-Verbindung mit der Landeshauptstadt zustandekommt. Konkretes kann ich noch nicht sagen, aber die Verhandlungen berechtigen zu Optimismus", erklärte Direktor Müller-Gutermann.

Obgleich es sich bei der Handley-Page "Jetstream" um ein komfortabel ausgestattetes Flugzeug handelt, schwebt ihm „auf lange Sicht“ ein größeres Modell vor – möglicherweise der Einsatz des deutschen Convair-Ersatzes VFW 614. Auf diese zweistrahlige Düsenmaschine mit 40 bis 50 Sitzplätzen hat die Bavaria-Fluggesellschaft schon Optionen getätigt.

Der Erfolg des neuerlichen München-Unternehmens hängt aber – so meint die Flughafendirektion – nicht zuletzt davon ab, in welchem Umfang es von der fränkischen Wirtschaft als seinem eifrigsten Fürsprecher in Anspruch genommen wird. „Bei der neuesten Umfrage ist immer wieder der Wunsch nach Anschlüssen über München aufgetaucht“, berichtete Müller-Gutermann, der seine Forderungen in dieser Reihenfolge vortrug: eine Tagesrandverbindung mit München, die gleichen Flugmöglichkeiten nach Hannover und schließlich eine Linie nach Stuttgart oder nach Köln/Bonn.

Seinen bisher größten Wunsch sieht jedoch der Flughafendirektor endlich in Erfüllung gehen. Ab 1. April fliegt die Lufthansa sechsmal in. der Woche morgens und abends zwischen Hamburg und Nürnberg hin und her.

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