9. Mai 1969: Welt der Illusionen

9.5.2019, 07:00 Uhr

© Ulrich

Das Publikum schloß zumindest die böse Königin (Inge v. d. Heyden), ganz besonders aber die „sieben Zwerge“ (dargestellt von Liliputanern aus England, Schottland und Irland) ebenso sehr ins Herz.

„Schneewittchen und die sieben Zwerge“ in Walt-Disney-Fassung – eine Mischung zwischen Musical und Traumwelt kleiner und großer Kinder, beileibe kein Ersatz für bunt-schillernde Eisrevuen, aber nicht weniger reizvoll, wertet man den Applaus in Phonstärke.

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Die Premiere weckte schon Kindheitserinnerungen. Erinnerungen an die Sage von einer eitlen und alternden Königin, die täglich den Spiegel befragt, wer die Schönste im ganzen Land sei und sich schließlich die Frage selber beantwortet, indem sie die gefährliche Konkurrenz in puncto Liebreiz und Schönheit (Prinzessin Schneewittchen) von ihrem Oberjäger (Oscha Krejcin) ermorden lassen will.

Die weitere Geschichte ist bekannt: der Oberjäger erinnert sich seines Gewissens, Tiere führen die Prinzessin zum Zwergenhaus, dort führt sie „Furchtsam“, „Dussel“, „Happy“, „Griesgram“, „Schnupfi“, „Doc“ und „Schlafmütz“ den Haushalt. Schließlich muß sie ja eine Beschäftigung haben, bis sie der Prinz zu dem ihr angestammten Thron führt.

Im Programm steht: Künstlerische Leitung: Hans-Jürgen Bäumler. Nun, man kann ihm dazu nur gratulieren. Kostüme und Dekorationen in Farbe und Flitter stilsicher abgewogen. Noch mehr aber erstaunt, wieviel sportliches Können Hans-Jürgen Bäumler und Marika Kilius noch zu zeigen vermögen. Die Sprünge, Hebefiguren, Spiralen und Pirouetten verraten die Meister, die sie wahrscheinlich heute noch wären, die Kondition vorausgesetzt.

Ihnen zur Seite steht mit Inge von der Heyden ein wahrer Wirbelwind. Wer erinnert sich eigentlich noch, daß sie Juniormeisterin im Paarlauf war? 1953 gab sie den harten Amateur-Wettkampfsport auf und wechselte zu einer Eisrevue. Auch die anderen Solisten und auch das Ballett ließen die gute Grundschule im Eiskunstlauf erkennen. Die „sieben Zwerge“ setzen diesem Können zusätzliche Glanzlichter entgegen.

Wie gesagt, das Publikum war begeistert. Es hatte auch allen Grund dazu. So eine gelöst wirkende Marika und so einen strahlenden Hans-Jürgen hat es selten gegeben. Und dann stand vor dem rauschenden Schlußakkord ja auch noch der „Kuß des Prinzen“ in der Eisgrotte im Programmheft. Träumendes Herz, was willst Du mehr…

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