Das kommt auf Ungeimpfte zu

Ab heute wird's teuer: Corona-Tests sind nun für die meisten Menschen kostenpflichtig

11.10.2021, 06:30 Uhr
Fabian, 21, hat seinen Impftermin noch vor sich. Er braucht einen Test, um an einem Geschäftstermin teilzunehmen.

Fabian, 21, hat seinen Impftermin noch vor sich. Er braucht einen Test, um an einem Geschäftstermin teilzunehmen. © Claudia Urbasek, NNZ

Haben Sie einen Termin? – Nein? Dann scannen Sie bitte den QR-Code! Ihren Ausweis bitte! Das Ergebnis des Tests bekommen Sie verschlüsselt per Mail, das Passwort ist Ihr Geburtsdatum, mit Punkten! Bitte die Hände desinfizieren und in der nächsten Kabine Platz nehmen!"

Mehrsprachige Masken-Hinweise

Hunderte Male am Tag wiederholen die Mitarbeiter im Corona-Testzentrum in der Bahnhofstraße diese Sätze, oft mehrsprachig oder mit Händen und Füßen. Immer wieder helfen sie beim Umgang mit dem Smartphone, müssen aber auf das korrekte Tragen der Maske hinweisen oder erklären, warum man sich zwingend ausweisen muss. 800 bis 1000 Tests wurden hier pro Tag in der Hochphase der Pandemie durchgeführt, derzeit sind es um die 500 bis 600 täglich.

Die Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Gründen. Eine Mutter aus Norddeutschland macht in Nürnberg Urlaub. Sie selbst hat sich noch nicht impfen lassen. "Ich bin kein Impfgegner, möchte aber mögliche Langzeitfolgen abwarten", sagt sie. Ihre Kinder, sechs und neun, können noch nicht geimpft werden. Sie möchten sich die Stadt ansehen. Und weil in jedem Bundesland die Regelungen zu 3 G unterschiedlich sind, geht die Familie auf Nummer sicher, um überall reinzukommen.

Sonst wird hier getanzt

Viele andere brauchen den Test fürs Fitnessstudio oder weil sie ins Ausland wollen oder von dort kommen. "Ganz viele kommen aus den umliegenden Hotels", erzählt Brian Ellison, der an diesem Tag am Empfang des Testzentrums sitzt. "Die Gäste sind oft überrascht, weil man in Bayern im Hotel einen Testnachweis braucht."

So ergeht es auch Fabian, 21. "Ich habe es einfach nicht gewusst und mein Impftermin ist erst in der kommenden Woche." Er muss gleich zu einem Meeting, zum Glück geht das Testen schnell. Die Anmeldung dauert nur Minuten, Stäbchen rein, nach einer Viertelstunde kommt das Ergebnis per Mail. Viele Studenten machen hier einen Stopp, um gleich ins Seminar gehen zu können. Stephanie studiert an der Technischen Hochschule BWL. "Ich bin erst einmal geimpft, bis zur vollständigen Impfung brauche ich einen Test."

Wer in das Testzentrum Nürnberg geht, betritt einen Raum mit schwarzen Wänden, an der Decke hängen dutzende runde weiße Lampen, die Sofas am Rand sind mit Leder bezogen. Eigentlich ist der Raum ein Club, das "Nachtkind" nahe dem Hauptbahnhof. Weil die Clubs seit Monaten geschlossen waren, machte man hier aus der Not eine Tugend.

Yusuf Aslan, der eigentlich aus der Finanzbranche kommt und unter anderem das Testzentrum am Hauptbahnhof und eines in der Färberstraße betreibt, kooperierte mit Sinan Ülker, dem Betriebsleiter des "Nachtkind". Auch viele Mitarbeiter kommen aus der Gastronomie und verdienten sich in den schwierigen Monaten hier etwas dazu. Der Aufwand, um die Testzentren zu betreiben ist enorm, auch logistisch. Tests müssen bestellt werden, Hygienekonzepte erstellt, das Personal geschult, ein Telefonservice organisiert werden, zum Beispiel für Menschen ohne Smartphone. "Der Aufwand ist enorm, auch weil wir einen Test anbieten, der EU-weit gültig ist und wir an die Corona-Warn-App angeschlossen sind", sagt Aslan.

Behördeninfos kommen spät

Und es müssen immer wieder neue Vorgaben der Behörden umgesetzt werden. Und diese kommen meist kurz vor knapp. So auch derzeit, denn ab dem 11. Oktober gibt es keine kostenfreien Tests, außer bei wenigen Ausnahmen. Im Testzentrum gibt es nur Schnelltests. "Wir sondieren derzeit, wie viel es dann kosten wird, wir kalkulieren mit rund 20 Euro pro Test. Vielleicht gibt es auch eine Art Flatrate", sagt Aslan. Die Preisgestaltung überlässt das bayerische Gesundheitsministerium dem freien Markt, was das ganze für die Testzentren erschwert, denn rentabel muss es bleiben.


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Die Kunden haben sich schon Gedanken gemacht, so wie Ingrid, 83. Sie ist ungeimpft und kommt zum Testen, weil sie schnell etwas essen gehen will. "Wenn das nächste Woche 20 Euro kostet, dann kann ich mir das nicht mehr leisten", sagt sie. Auch bei Christian, 43, wären 15 bis 20 Euro die Schmerzgrenze. Er ist ebenfalls ungeimpft, hat aber einen Termin beim Osteopathen. "Dafür würde ich bezahlen, aber um in ein Restaurant zu gehen, nicht. Darauf würde ich dann verzichten."

Auch Geimpfte lassen sich testen

Ob die Kostenpflicht eine Impfpflicht durch die Hintertür ist, diskutieren auch die Mitarbeiter im Testzentrum immer mal. Doch auch hier ist es wie in der Gesellschaft. Die einen fordern ein, dass sich alle impfen lassen, um alle zu schützen. Die anderen finden, das sei zu viel Zwang.


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Und nun wird sich wieder viel verändern. Zum einen darf seit einer Woche im "Nachtkind" wieder getanzt werden. Das heißt für die Testzentrumsmitarbeiter: Am Freitagabend werden die Testzelte von der Tanzfläche entfernt, die Utensilien weggeräumt. Denn wenn es Nacht wird, soll hier wieder das Leben gefeiert werden. "Bei der Wiedereröffnung war es knallvoll, es ist toll zu sehen, dass die Gäste hungrig nach Feiern sind", sagt Ülker.


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Doch es kommen auch Geimpfte zum Testen. Wie das Großelternpaar, das zum sechsten Geburtstag des Enkels will und das ungeschützte Kind nicht gefährden will. Oder wie Claudius Kunze. Der Mediziner ist geimpft. " Man darf nicht vergessen", sagt er, "dass auch geimpfte Menschen das Virus noch übertragen können, auch wenn sie selbst vor schweren Covid-19-Verläufen geschützt sind." Und weil es Infektionen in seinem Umfeld gegeben hat, will er ausschließen, dass er als Geimpfter vielleicht auch etwas abbekommen hat.


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Doch auch wenn das Testen ein wenig was von Fließbandarbeit habe, sagt Mitarbeiter Brian Ellison, geht es an ihm und seinen Kollegen nicht spurlos vorbei, wenn jemand ein positives Ergebnis erhält. "Wir hatten mal eine junge Frau, die fast geweint hat. Aber nicht weil sie Angst um sich hatte, sondern davor, ihre Großeltern angesteckt zu haben, bei denen sie einen Tag zuvor war. Oder eine Frau, die im sechsten Monat schwanger war. Wir haben sie angerufen, so wie wir das bei allen positiv Getesteten machen. Sie war völlig aufgelöst, wir haben sie dann noch viermal getestet, das Ergebnis blieb das gleiche." Auch ihr Ergebnis wurde dem Gesundheitsamt gemeldet, sie musste sofort in Quarantäne.

Wer Symptome hat, kann auch weiterhin einen kostenfreien Corona-Test bekommen.

Wer Symptome hat, kann auch weiterhin einen kostenfreien Corona-Test bekommen. © Privat, NN

Alle Informationen im Überblick:

Wer muss zahlen?: Ab dem 11. Oktober wird es keine kostenlosen Corona-Tests mehr geben. Personen, die entsprechend der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission bis zum 10. Oktober 2021 ein Angebot zur vollständigen Impfung wahrnehmen konnten, müssen den Test grundsätzlich selbst bezahlen.

Ausnahmen: Diese gibt es laut Testverordnung des Bundes für Personen, die sich aufgrund medizinischer Ursachen nicht impfen lassen können, aber auch für Schwangere bis zum 31. Dezember, Kinder und Jugendliche (13 bis 17 Jahre, nur bis Jahresende), Personen, die an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 teilnehmen, und Menschen, die sich aufgrund einer nachgewiesenen Infektion in Quarantäne befinden und zur Beendigung dieser einen negativen Testnachweis benötigen. Auch bei Corona-Symptomen bleibt der Test kostenfrei.
Fällt ein Selbsttest daheim positiv aus, besteht ein Anspruch auf einen PCR-Test (beim Hausarzt oder unter der Telefonnummer 116 117). Kostenlose Tests gibt es laut Gesundheitsministerium auch weiterhin für Menschen, die in Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen arbeiten oder diese besuchen. Sie erhalten von den Einrichtungen Berechtigungsscheine. Für Personen ohne vollständigen Impfschutz, denen aufgrund einer zuvor fehlenden Impfempfehlung bislang noch kein ausreichender Zeitraum zur Verfügung stand, sich vollständig impfen zu lassen, gibt es Übergangsfristen. Stillende sind beispielsweise bis zum 10. Dezember von der Kostenpflicht ausgenommen.

Nachweis: Kinder unter zwölf Jahren legen ihren Schülerausweis oder Kinderreisepass vor, Schwangere ihren Mutterpass, Personen mit Kontraindikation für eine Impfung ein ärztliches Zeugnis. Es besteht nach der Testverordnung auch ein Anspruch auf eine kostenfreie Ausstellung eines Zeugnisses.

Kosten: Die Preisgestaltung für die Antigen-Schnelltests und PCR-Tests überlässt das Bundesgesundheitsministerium marktwirtschaftlichen Mechanismen. Die Coronavirus-Testverordnung des Bundes sieht derzeit eine Vergütung für Antigenschnelltests in Höhe von 11,50 Euro und für PCR-Tests in Höhe von 51,56 Euro vor. Die Tests für Menschen, die von der Kostenpflicht befreit sind, bezahlt der Bund beziehungsweise der Freistaat.