Weltpremiere mit Verspätung

Als der Krieg nach Rednitzhembach kam

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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30.8.2021, 19:08 Uhr
Im Alter von 101 Jahren erzählte Georg Müller von seinen Kriegserlebnissen. Seine eindrucksvollen Schilderungen sind ein Geschenk für die Nachwelt. Der Senior kann die Uraufführung des Dokumentarfilms nicht mehr erleben. Er ist im Vorjahr verstorben.

© Markus Dörnberger, NN Im Alter von 101 Jahren erzählte Georg Müller von seinen Kriegserlebnissen. Seine eindrucksvollen Schilderungen sind ein Geschenk für die Nachwelt. Der Senior kann die Uraufführung des Dokumentarfilms nicht mehr erleben. Er ist im Vorjahr verstorben.

Gedreht hat den Film der Nürnberger Markus Dörnberger. Dörnberger ist schon seit einigen Jahren im Auftrag der Gemeinde unterwegs, um Episoden für einen neuen Rednitzhembach-Film zusammenzustellen. Es gibt zum Beispiel sehenswerte Kurz-Dokus über die Kirchweih-Bräuche, über das Weinfest und seit kurzem über den überregional bekannten Kunstweg.

Ein weiteres Kapitel sollte sich um Kriegserinnerungen von Zeitzeugen drehen. Markus Dörnberger trieb 75 Jahre nach Kriegsende tatsächlich noch einige Rednitzhembacher Seniorinnen und Senioren auf, die vor der Kamera keine Scheu zeigten. "Ich habe erst befürchtet, dass es schwierig wird, weil die Leute vielleicht abblocken", sagt der Filmemacher. Aber das Gegenteil war der Fall: "Die haben richtig ausgepackt."

Sechs Minuten reichen nicht

Schnell wurde ihm klar, dass er das, was er nach einigen Wochen Drehzeit in der Kamera hatte, nicht in eine sechsminütige Episode für den Rednitzhembach-Film passen würde. "Das wäre nicht angemessen gewesen und auch nicht fair gegenüber meinen Hauptdarstellern", so Dörnberger.

Das Originalplakat zu Markus Dörnbergers 52-Minuten-Doku.

Das Originalplakat zu Markus Dörnbergers 52-Minuten-Doku. © Dörnberger, NN

Also fertigte er eine 52-minütige Langversion an, die am Donnerstag, 9. September, 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) welturaufgeführt werden soll. Zumindest bei trockenem Wetter. Das ganze findet nämlich draußen an historischem Ort statt. Von der Kahnfahrt aus haben die Gäste einen Blick auf die Leinwand, die unter der Rednitzbrücke aufgebaut sein wird. Dort, wo am 17. April 1945 die amerikanischen Panzer standen. Im nahen Gasthaus "Deutsches Reich" wurde unter anderem auch die friedliche Übergabe von Schwabach an die US-Militärs verhandelt.

Eigentlich sollte der Film schon im April 2020 gezeigt werden - zum 75-jährigen Jubiläum des Kriegsendes in Rednitzhembach. Doch manchmal ist es wie bei James Bond: Auch der letzte Auftritt von Daniel Craig als 007-Agent musste coronabedingt mehrfach verschoben werden und soll nun Ende September in die Kinos kommen.

Erschütternde Schilderungen

Markus Dörnberger hatte im April 2020 gar keine Wahl, als den Film vorerst unveröffentlicht zu lassen. Trotzdem ist er vor allem aus einem Grund traurig. Der bei den Dreharbeiten 101-jährige Georg Müller, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg kämpfte und der mit bemerkenswerter Klarheit über die 1930-er und 1940-er-Jahre in seinem Dorf berichtet, ist zwischenzeitlich verstorben. Müllers fast profanen und deshalb umso erschütternderen Schilderungen sind ein Geschenk an die Nachwelt.

Darüber hinaus holte Dörnberger das Ehepaar Kimmelzwinger, beide um die 90, vor die Kamera, die den Krieg als Jugendliche und junge Erwachsene erlebten. Hans Berthold, heute 86, schildert diese Zeit aus der Sicht eines Kindes. Und Markus Dörnbergers Onkel Georg Ott, über den es schon eine eigene Doku gibt ("Herr Ott erzählt"), berichtet über Kriegserlebnisse aus Schwabacher Sicht. Er kann sich zum Beispiel an den ersten Luftangriff auf die Goldschlägerstadt vom 12. auf den 13. Oktober 1941 erinnern, der sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt.

Kurze Vorschau im Netz

Auf YouTube ( https://youtu.be/yhAjSNAgOzQ ) ist ein zweiminütiger Teaser zu finden, der schon andeutet, dass Dörnberger ein spannendes, emotionales und wirklich berührendes Werk gelungen ist. Die Doku ist dem Filmemacher so wichtig, dass er - anders als bei seinen Kurzepisoden für den Rednitzhembach-Film - selbst in Vorleistung gegangen ist. Gemeinde und Bürgerstiftung haben ihn zwar unterstützt, dennoch ist der Nürnberger jetzt noch auf der Suche nach Sponsoren (die im Abspann erwähnt werden sollen).

Die Teilnehmerzahl zur Filmpremiere ist begrenzt. Interessenten sollten sich deshalb bei Markus Dörnberger, Telefon (0170) 3828571, Mail markus@doernberger.de, anmelden. Der Name ist dann an der Abendkasse (Eintritt 10 Euro) hinterlegt, das Ticket ist hinterlegt.

Bierbänke und Stühle

Auf dem Gelände stehen Bierbänke bereit, möglicherweise wird es auch bestuhlt. Die ganze Zeit stehen muss also niemand. Parken kann man an der Grund- und Mittelschule. Sollte es am 9. September regnen, soll die Premiere 24 Stunden später, am 10. September, an gleicher Stelle nachgeholt werden. Möglicherweise wird er auch am 80. Jahrestag des Luftangriffs auf Schwabach im Schwabacher Luna-Kino gezeigt.

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