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Alter Zollhof wird wachgeküsst

Mikro-Appartements, Büros und ein Boardinghaus im Neu- und Altbau geplant - 18.06.2013 06:45 Uhr

Der alte Zollhof, ein endlos langer Bau aus rotem Klinker, der Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist, soll jetzt ein Boardinghaus, einen Kindergarten und das städtische Hochbauamt aufnehmen. © Hagen Gerullis


Das Areal liegt versteckt hinter dem Plärrer, nicht weit vom S-Bahn-Halt Steinbühl entfernt. Ende des 19. Jahrhunderts ist der langgestreckte Bau aus roten Ziegeln mit seinen Treppentürmen und dem Walmdach entstanden. Nachdem der Zoll schon vor Jahren an den Hafen umgezogen war, kaufte der Fürther Immobilienentwickler P&P das lärmbelastete Gelände hinterm Plärrer.

Das Unternehmen ist in Nürnberg sehr aktiv, neben dem Heumann-Areal, dem Zucker-Bär-Gelände und der Eigenheimbebauung am Nordbahnhof hat es zuletzt ein Bürogebäude am Hauptmarkt und die denkmalgeschützte Straßenbahn-Werkstatt in Muggenhof erworben.

Der Abriss des Zollhofs stand bereits fest, doch die Denkmalschützer stellten das dreiteilige Gebäude in letzter Minute unter Schutz. Er habe die Planung eines ganzen Jahres in den Papierkorb werfen müssen, sagte Michael Peter (P&P); jetzt sollen ins Baudenkmal ein hotelähnliches Boardinghaus, eine Kindertagesstätte und das Nürnberger Hochbauamt einziehen. An das Klinker-Ensemble wird sich ein leicht versetzter Neubau anschließen, in dem sogenannte Mikro-Appartements entstehen werden, dazu zwei Tiefgaragen, die 100 Plätze bieten sollen.

Auch wenn die Peter-Gruppe die geplanten Wohn-Waben mit maximal 30 Quadratmetern angesichts der zunehmenden Zahl von Single-Haushalten für goldrichtig hält, legte der vom Nutzungsmix ansonsten angetane Baukunstbeirat hier ein Veto ein. Der demografische Wandel spreche keineswegs für solche Mini-Appartements.

Der Rat, hier auch größere Wohnungen vorzusehen („Schon wegen der sozialen Kontrolle“), ging auch an Architekt Andreas Rother, der für die Vorplanungen verantwortlich ist. Dass der Standort wegen des Auto- und Bahnlärms schwer zu nutzen sei, räumten die Architektur-Experten durchaus ein. Familien würden sich hier wohl kaum niederlassen.

Jetzt soll nur noch ein ansehnlicher Klinker-Anbau aus den 1950er Jahren ein Fall für die Bagger werden. Doch genau dieses Objekt legte Willi Egli, Chef des Nürnberger Baukunstbeirats, Michael Peter (P&P) eindringlich ans Herz. Das „Ding“ sei voller Stützen und habe ungünstige Raumhöhen, wehrte sich der Bauherr. Das Projekt soll einen weiteren Auftritt im Baukunstbeirat haben.

Noch vor einem Jahr wurden die Pläne für das Zollhof-Areal vom Baukunstbeirat scharf kritisiert. Nun hat der Immobilienentwickler nachgebessert. Der Baukunstbeirat nahm die Pläne erfreut unter die Lupe. 

c.s. (Nürnberger Nachrichten)

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