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Am Test in Bayerns Schulen scheiden sich die Geister

Dass Schüler getestet werden sollen, darüber sind sich alle einig - das „Wie“ sorgt für Diskussionen - 10.04.2021 06:00 Uhr

Ab Montag müssen Schüler in Bayern zweimal pro Woche einen Schnelltest direkt im Klassenzimmer durchführen.

 

09.04.2021 © Sebastian Gollnow, NN


"Ich bekomme ganz bestimmt Panik, wenn ich ein positives Ergebnis habe", "Was ist, wenn mich meine Eltern nicht abholen können? Werde ich dann eingesperrt?", "Ich sitze eine halbe Stunde im vollen Schulbus, welchen Sinn hat dann ein Test im Klassenzimmer?" – das sind nur einige der Fragen, die Realschullehrerin Sabine E. in ihrer fünften Klasse beantworten musste. Und sie stellt klar: "Tests sind enorm wichtig, das ist keine Frage. Pauschal zu behaupten, Eltern und Lehrkräfte würden dies verweigern, ist nicht richtig und sehr ärgerlich."

Sie fragt sich aber wie viele ihrer Kollegen, warum es nicht möglich ist, für Schulen professionelle Schnelltestzentren aufzubauen, etwa in Turnhallen. "Wie soll ich denn gewährleisten, dass jedes Kind seinen Selbsttest richtig durchführt?", fragt die Pädagogin.

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Sorgen, die Sandra Schäfer in den vergangenen Tagen haufenweise erreichten. "Hier werden einfach viele Rahmenbedingungen von der Politik ignoriert", sagt die Vorsitzende des Nürnberger Lehrer- und Lehrerinnenvereins (NLLV). Sie hält es für "absolut unehrlich" zu glauben, dass Lehrer hier noch ihrer Aufsichtspflicht nachkommen können. Außerdem kritisiert die Grundschullehrerin, dass Lehrkräfte im Klassenzimmer Tests ohne Schutzkleidung durchführen müssen: "Klar, die Kinder sollen den Test ja selbst machen. Aber was, wenn einem Schüler die motorische Fähigkeit fehlt? Ihm dann nicht zu helfen, widerspricht doch unserem pädagogischen Auftrag."

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Sie spricht sich deshalb für so genannte Teststraßen aus, an denen Schüler zentral von geschultem Personal getestet werden. "Das hätte den Vorteil, dass diese Stellen auch von Kitas genutzt werden können, in denen momentan gar nicht getestet wird", sagt Schäfer.


Kommentar: Beim Testen an Schulen ist noch Luft nach oben


Zuspruch erhält sie von ihrem Kollegen Stefan Bühler, Vorsitzender des BLLV in Erlangen. Er ergänzt zudem, dass sich gerade jüngere Schüler verletzen könnten, wenn sie sich selbst das Stäbchen in die Nase schieben. "Wenn es dann zum Nasenbluten kommt, ist wieder die Lehrkraft gefragt", sagt er. Falls ein Schüler vor der Klasse positiv getestet werde, so Bühler weiter, könne das außerdem eine Bloßstellung bedeuten und erhebliche psychische Folgen haben.

"Ich hoffe, wir kriegen das irgendwie alles hin", sagt Harald Fischer, Schulleiter des Neuen Gymnasiums in Nürnberg. Unter anderem die Betreuung positiv getesteter Schüler bis die Eltern kommen, um sie abzuholen, sieht er in der Praxis als Problem: "Jetzt haben wir in Nürnberg noch eine zu hohe Inzidenz und deswegen ab Montag nur wenige Schüler hier, aber wenn alle wieder in den Wechselunterricht gehen, muss man sehen, wie man das regelt. Bei schönem Wetter können wir die Kinder in den Pausenhof bringen. Den sehe ich von meinem Bürofenster – dann muss ich eben runter."

"Wir sind nicht glücklich damit"

Geärgert hat ihn die Aussage von Kultusminister Michael Piazolo, dass es zum nun geltenden Testverfahren nur "einige wenige kritische Stimmen gab": "Es sind ja nicht die Funktionäre der Verbände, die hier protestieren, sondern die tun das im Auftrag der Lehrkräfte. Ganz ehrlich, wir sind alle nicht glücklich damit."

"Aber der beste Distanzunterricht kann auf Dauer den Unterricht in der Schule nicht ersetzen", ist Alexander Schatz, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts Roth-Schwabach, überzeugt. "Und wenn Testen der Preis dafür ist, dann müssen wir den eben zahlen." Wer die Prozedur in der Schule ablehne, habe andere Möglichkeiten, etwa in Testzentren, beim Hausarzt oder in der Apotheke.


Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Tests an der Schule sind sinnvoll


"Wir alle machen uns Gedanken, wie diese Tests zu organisieren und durchzuführen sind. Je nach Alter und Geschick der Schüler tun sich hier ja unterschiedliche Probleme auf. Wir haben für unsere Schulleitungen nach Unterstützung gesucht, leider mit eingeschränktem Erfolg", erläutert Schulamtsdirektorin Ulrike Merkel die Situation in Stadt und Landkreis Fürth.

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Am vielversprechendsten kristallisierten sich örtliche Kontakte heraus: zum Bereitschaftsdienst der Wohlfahrtsverbände, Ärzten oder der Apotheke vor Ort. Schulämter, Schulen aber auch die Test-Hersteller selbst bieten Lehrern und Eltern zudem Erklärvideos an.

"Das Vorgehen wird sich mit der Zeit vermutlich einspielen. Es soll sogar Eltern geben, die zuhause mit ihrem Kind den Test üben", sagt Merkel, ergänzt aber: "Unterstützung der Schulen durch medizinisches Personal für die Jüngeren wäre zumindest am Anfang sehr willkommen."

Das gilt ab Montag

Ab kommenden Montag gilt: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Stadt oder Landkreis unter 50, gibt es für Grundschüler Präsenzunterricht und für ältere Schüler Wechselunterricht. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 sind alle Schüler im Wechselunterricht. Liegt der Wert über 100, ist Distanzunterricht – mit Ausnahme der Abschlussklassen sowie der Jahrgangsstufe 11 an Gymnasien und Fachoberschulen. Auch in Regionen mit einer Inzidenz unter 100 müssen sich Schüler und Lehrer für den Präsenzunterricht zweimal wöchentlich testen lassen. Entscheidend, wie der Schulbetrieb läuft, ist für die folgende Woche immer der Freitag.

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