Anschlag in Berlin: Christkindlesmarkt stärker bewacht

20.12.2016, 20:37 Uhr
Sicherheitskräfte auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt: Schon nach den Anschlägen von Paris zeigte die Polizei auf dem Hauptmarkt deutlich mehr Präsenz.

Sicherheitskräfte auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt: Schon nach den Anschlägen von Paris zeigte die Polizei auf dem Hauptmarkt deutlich mehr Präsenz. © Eduard Weigert

Nach der Sicherheitskonferenz der Innenminister am Dienstagmorgen, die ergab, dass außer in Berlin - aus Pietät - die Weihnachtsmärkte in ganz Deutschland am Dienstag geöffnet bleiben sollen, konferierte Oberbürgermeister Ulrich Maly noch mit Vertretern der Stadt und der Polizei. In diesem Gespräch ging es konkret um den Nürnberger Christkindlesmarkt. "Wir glauben, dass man den Markt weiterhin getrost aufsuchen kann", sagt Maly. Das vorhandene Sicherheitskonzept sei nach den Anschlägen in Nizza ausgearbeitet worden und berücksichtige deshalb bereits Fälle wie solche in Berlin. Trotzdem habe man sich, so Maly weiter, darauf verständigt, die Polizeipräsenz punktuell noch etwas zu verstärkern. "Das wird sowohl sichtbar als auch unsichtbar passieren", sagt Maly.

Zudem will sich Nürnberg an der im ganzen Land angedachten Gedenkminute heute um 18 Uhr beteiligen. "Wir sind gerade in Gesprächen mit den Kirchen, um zu klären, ob die sich mit Glockengeläut an der Gedenkminute ebenfalls beteiligen." Zu der abstrakten Gefahr hat Maly eine ganz klare Haltung: "Natürlich kann der Verrückte an jeder Ecke auftauchen", sagt er. Doch halte er ein "trotziges 'Dennoch'" in diesem Fall für sehr wichtig: "Wenn alle Zuhause bleiben erfüllt das genau den Zweck solcher Anschläge", sagt Maly, der auch selbst keine Scheu hat, den Christkindlesmarkt heute zu besuchen.

Christine Schüßler, Leiterin des Bürgermeisteramtes und dort unter anderem für das Thema Sicherheit in der Stadt zuständig, erläuterte, dass die Polizeibusse, die an allen Zugängen zum Hauptmarkt platziert wurden, einen Lkw-Aufprall zumindest etwas abfangen sollen, sollte es zu so einem Fall wie in Berlin kommen.

Neben den Polizeibussen sind im Rahmen eines umfangreichen Sicherheitskonzeptes von Anfang auch verstärkt Beamte auf dem Markt unterwegs gewesen, so dass die Leiterin des Bürgermeisteramtes nicht glaubt, dass nun große Veränderungen notwendig seien. Man habe von Anfang an viele Maßnahmen ergriffen, um das Maximum an Sicherheit zu gewährleisten, so Schüßler.


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Lage des Christkindlesmarkts ist von Vorteil

Konkret zu dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin, was seine Form betrifft, sagt Schüßler, dass in Bezug auf Nürnberg auch die verkehrliche Situation eine andere sei. Die einzige Straße, die gerade auf den Hauptmarkt zuführt, ist die von der Burg kommend. Ansonsten seien die Gassen rund um den Christkindlesmarkt zu kurvig und eng.

"Aber natürlich, wenn dort jemand mit einem Auto reinfährt und noch einmal beschleunigt, dann kann er auch großen Schaden anrichten, das will ich gar nicht verharmlosen", räumt Schüßler ein.

Im Laufe des Vormittags haben sich Stadt und Polizei zusammengesetzt und darüber gesprochen, ob und wo in der Sicherheitsfrage nachjustiert werden muss.

Eine sogenannte "abstrakte Gefahr" gäbe es immer, war man sich einig. Das Ergebnis: Zusätzlich zu den Polizeibussen stehen seit dem Anschlag in Berlin an jeder Einfahrt zum Christkindlesmarkt Polizisten mit Maschinenpistolen. Dies sagte Polizeipressesprecherin Elke Schönwald. Darüber hinaus werden nach Angaben von OB Ulrich Maly die Ein- und Ausfahrten in die Altstadt stärker bewacht - sowohl durch zivile Beamte als auch durch uniformierte.

"Man hat nie eine 100 prozentige Sicherheit. Weder auf dem Christkindlesmarkt, noch im Zug, noch in einer Gaststätte", sagt Schüßler. Ganz persönlich fügt sie aber noch an: "Ich würde mir die Freiheit trotzdem nicht nehmen lassen, auf den Christkindlesmarkt zu gehen."

Der Markt bleibt geöffnet

Die Frage, ob man den Markt ganz geschlossen lässt, habe sich laut Fraas nie gestellt: "Wir haben in Nürnberg keine konkrete Bedrohungslage, so dass der Markt wie gewohnt öffnet." Auch er betont, wie bereits die Polizei, dass man ein sehr gutes und umfangreiches Sicherheitskonzept habe. Zur Stunde sitzen Vertreter von Polizei und Stadt zusammen und beraten, ob noch weitere Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind.

Der Wirtschaftsreferent war bereits am Dienstagmorgen auf dem Hauptmarkt unterwegs und hat das Gespräch mit den Händlern gesucht. "Jeder hier ist sehr betroffen", so Fraas. Vor allem beschäftigte die Händler die Frage, wie man mit den Ereignissen würdig umgeht.

Der Artikel wurde am Dienstag um 20.37 Uhr aktualisiert.

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