Freitag, 28.02.2020

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Antifa-Protest gegen Maaßen vor dem Nürnberger Tiergarten

Der Ex-Verfassungsschutzpräsident tritt am Sonntag bei der CSU-Langwasser auf - 20.01.2020 20:53 Uhr

Vier Aktivisten der Antifa standen vor dem Eingang zum Tiergarten, zwei von ihnen hielten ein lebensgroßes Maaßen-Gestell zum Protest. © Michael Husarek


Im schwarzen Anzug steht er da, eine rote Krawatte hängt vor dem königsblauen Oberhemd. In seiner Hand hält er eine schwarze Tasche, seine andere Hand scheint nach etwas oder jemanden greifen zu wollen.

Es ist ein Standbild von Hans-Georg Maaßen, lebensgroß auf eine Platte geklebt. Vier Aktivisten der Antifa stehen in sportlicher Lauf-Montur vor dem Eingang zum Tiergarten, zwei von ihnen halten das Maaßen-Gestell. Einige Einsatzfahrzeuge der Polizei halten sich im Hintergrund.

Die Szenerie wirkt bizarr. Die linken Aktivisten sind hier, um OB-Kandidat Marcus König (CSU) und seine Lauf-Gruppe zu empfangen. Die Polizei ist hier, um König zu schützen. Doch die Situation bleibt friedlich, der OB-Kandidat nimmt den Mini-Protest, wie es scheint, kaum zur Kenntnis. Das Angebot des Einsatzleiters, die Laufgruppe mit den Fahrzeugen zu begleitet, lehnt der Politiker ab.

"Keine gute Idee vor der Kommunalwahl"

Obwohl die vier Aktivisten in sportlicher Montur auftreten, bleiben sie zurück und lassen die zwölfköpfige Gruppe in Richtung Wald ziehen. Mit dabei: Marcus Königs Ehefrau Anke und Lutz Quester, der stellvertretende Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Nürnberg-Langwasser.


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CSU-Stadtrat Alexander Christ sei auf die Idee gekommen, Maaßen zum Neujahrsempfang einzuladen. Quester selbst habe dagegen gestimmt, die Mehrheit seines Ortsverbandes habe sich aber für die Einladung des umstrittenen Ex-Verfassungsschützers entschieden. "Ich finde das gerade vor der Kommunalwahl keine gute Idee, Maaßen hierher zu holen. Ich hätte aber anders gestimmt, wenn keine Wahlen direkt vor der Türe stehen würden", sagt er.

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Als Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz war Maaßen im November 2018 entlassen worden, nachdem er ausländerfeindliche Vorgänge nach der Tötung eines Deutschen in Chemnitz verharmlost hatte. Heftigen Gegenwind brachten ihm auch diverse Treffen mit AfD-Politikern ein. Kritiker behaupteten, Maaßen hätte Tipps gegeben, wie die AfD eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz vermeiden könne.

Handyfotos und Scherze

OB-Kandidat Markus König nahm den Mini-Protest am Tiergarten, wie es schien, kaum zur Kenntnis. © Michael Husarek


"Man muss Maaßen nicht mögen. Es ist aber ja schon Tradition in der CSU-Langwasser, zum Neujahrsempfang prominente Gäste einzuladen", sagt Quester.

Es sei wie mit jemandem, der nicht zur Familie gehöre, aber in unmittelbarer Nachbarschaft wohne. "Mit dem spricht man auch ohne seine Ansichten teilen zu müssen."

Falls Maaßen Dinge anspreche, die mit der CSU nicht zu vereinbaren seien, werde das auf der Bühne gleich klar gestellt. "Unser Bundestagsabgeordnete Michael Frieser ist von Anfang bis Ende der Veranstaltung dabei. Er wird das dann übernehmen", erklärt der 61-Jährige.


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Nach einem Lauf von sechs Kilometern kommt die Gruppe am Ausgangspunkt der Tour wieder an. Rund 45 Minuten waren die Sportler im Wald unterwegs. Die Antifa-Leute und das Bildnis von Hans-Georg Maaßen sind weg, die Polizisten auch. Mit Handys werden noch ein paar Fotos von der Gruppe gemacht, ein Teilnehmer scherzt: "So, jetzt haben wir uns warm gelaufen - für die große Runde, die noch folgt."

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