Platz für klimastabilere Bäume

Anwohner besorgt: Das steckt hinter den Fällungen im Nürnberger Bannwald

Clara Grau

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29.11.2021, 07:58 Uhr
Forstbetriebsleiter Johannes Wurm erklärt, warum derzeit im Wald bei Fischbach Kiefern gefällt werden. 

Forstbetriebsleiter Johannes Wurm erklärt, warum derzeit im Wald bei Fischbach Kiefern gefällt werden.  © Stefan Hippel, NNZ

Über zwei Meter hoch stapeln sich Baumstämme entlang eines Schotterwegs in Verlängerung der Fischbacher Tolstoistraße in Richtung Altenfurt. Spezialfahrzeuge sind im Einsatz, die das Holz mit einem Greifarm auf einen Anhänger verladen und schließlich abtransportieren.

Seit einigen Wochen fällt der Forstbetrieb Nürnberg im Wald bei Fischbach Bäume. Anwohner sind besorgt: Sie befürchten mehr Lärm, schlechtere Luft und die teilweise Zerstörung des bei Spaziergängern beliebten "Friedhofswalds" (in der Nähe des örtlichen Friedhofs) mit seinen kleinen Trampelpfaden. Sie beklagen weiterhin, dass augenscheinlich gesunde Bäume gefällt werden.

Die Stämme aus dem Fischbacher Wald werden regional vermarktet. 

Die Stämme aus dem Fischbacher Wald werden regional vermarktet.  © Stefan Hippel, NNZ

Forstbetriebsleiter Johannes Wurm kann nachvollziehen, dass die Arbeiten auf den ersten Blick wie ein massiver Eingriff wirken. Die Maßnahmen seien aber alles andere als ein Kahlschlag – sondern wohlüberlegt: Es handle sich um Verjüngungsmaßnahmen, mit denen der Wald auf Dauer vital und klimafest gemacht werden soll.

Umbau im "Steckerlaswald"

Jahrzehntelang hatte in dem Waldstück fast ausschließlich die Kiefer das Sagen. "Diese Baumart", erklärt der Forstbetriebsleiter, "kommt mit immer wärmeren und trockeneren Sommern schlecht zurecht und wird aus den Nürnberger Wäldern nach und nach verschwinden." Ein besser an den Klimawandel angepasster Jungwald steht schon in den Startlöchern: Bereits in den 1980er-Jahren säte der Forst hier Eichen und Buchen aus – diese gelten als klimaresistenter. Schon damals wollten die verantwortlichen Förster den "Steckerlaswald" in einen robusteren Mischwald umbauen.

Etwa drei Meter hoch sind die Jungbäume. Weit über ihnen breiten alte Kiefern ihr Kronendach wie ein Schirm aus. "Vor allem die Eiche braucht mehr Licht", begründet Wurm die Fällung von Kiefern in dem Waldstück. Damit der Wald bei Stürmen keinen zu großen Schaden nimmt, strebt der Forstbetrieb einen strukturierten Bestand mit Bäumen in unterschiedlicher Höhe an. Dies soll durch gezielte Auslichtung gefördert werden. Mehr Licht, mehr Wärme und freilich auch mehr Niederschlag fördern einen schnelleren Wuchs des Jungbestands.

Regionale Vermarktung

Auch im Jungwald selbst setzt der Forst die Säge an: Hier werden jüngere Birken und Nadelbäume zurückgeschnitten, um Buche und Eiche zu fördern. Die gefällten Kiefern vermarktet der Forstbetrieb, der nachhaltig, aber auch wirtschaftlich arbeiten muss. Die Stämme gehen an einen Fensterbau-Zulieferer aus Nürnberg und ein Sägewerk in der Oberpfalz. Die kleineren Baumteile werden von sogenannten "Selbstwerbern" verwertet, die mit Genehmigung des Revierleiters Brennholz sammeln können. Dünne Äste und Nadeln verbleiben als Dünger im Wald. "In ihnen stecken die meisten Nährstoffe", so der Forstbetriebsleiter.

Schleimfluss und tote Äste

In den nächsten Wochen stehen weitere Arbeiten in dem Waldstück an. An einem schmalen Trampelpfad zwischen Wohnbebauung und Waldrand stehen große Buchen. Ein Teil von ihnen ist schwer geschädigt: Johannes Wurm zeigt auf abgestorbene Äste, Schleimfluss am Stamm und aufgeplatzte Rinde. Er rechnet damit, dass viele der Bäume von Pilzen befallen sind, absterben und bei einem Sturm umknicken und auf den Spazierweg sowie die anliegenden Grundstücke fallen können. "Diese Gefahr müssen wir bannen", sagt er. Die betroffenen Bäume will der Forst aber auf jeden Fall als wertvolles Totholz - zum Beispiel für Spechte und seltene Käfer - erhalten. Sie sollen deshalb von einer Spezialfirma nur zurückgeschnitten, aber nicht komplett gefällt werden. "Dafür nehmen wir viel Geld in die Hand", sagt Johannes Wurm.

In Nähe der Wohnbebauung sind einige alte Buchen so geschädigt, dass die Gefahr des Umstürzens besteht. Sie sollen - wie dieser Baum - zumindest als Totholz noch Lebensraum für Tiere, Pilze und Pflanzen bieten. 

In Nähe der Wohnbebauung sind einige alte Buchen so geschädigt, dass die Gefahr des Umstürzens besteht. Sie sollen - wie dieser Baum - zumindest als Totholz noch Lebensraum für Tiere, Pilze und Pflanzen bieten.  © Stefan Hippel, NNZ

Nach Abschluss der Arbeiten, das verspricht der Forstbetriebsleiter, werden auch die Wege und Pfade wieder instandgesetzt.

Großprojekt Autobahnausbau

Zuletzt sorgte die Rodung von 16 Hektar Bannwald im Fischbacher "Friedhofswald" für Entsetzen bei den Anwohnern. Er fiel dem 118-Millionen-Euro teuren Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost und dem geplanten, achtstreifigen Ausbau der A9 zum Opfer. Ausgleichsmaßnahmen wurden zwar festgeschrieben. Allerdings wird nicht in Fischbach aufgeforstet, sondern unter anderem an der A6 bei Winkelhaid. Seit 2019 wird gebaut. Der Bürgerverein Südost berichtet seitdem über vielfache Beschwerden wegen unerträglichen Lärms. Derzeit laufen die letzten Arbeiten an einer provisorischen Lärmschutzwand, die zumindest etwas Abhilfe schaffen soll.