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Anwohner besorgt: Wird der Reichswald platt gemacht?

Klimawandel macht den Kiefern und Fichten zu schaffen - 25.03.2021 17:16 Uhr

Revierleiter Norbert Zollet mit Jagdhund Bijelo und Forstbetriebsleiter Johannes Wurm begutachten den Jungwald bei Langwasser. 

23.03.2021 © Michael Matejka, NNZ


35 Jahre ist es her, da säte Norbert Zollet Eicheln im Reichswald nahe der Liegnitzer Straße in Langwasser aus. 1985 übernahm der Förster das Revier Altenfurt. „Damals hatten wir hier fast einen reinen Kiefernbestand“, erinnert er sich. „Steckerlaswald“ hieß er im Volksmund. Heute sind die Eicheln von damals 10 bis 15 Meter hoher Jungwald. Die alten, hochgewachsenen Kiefern werden weniger. Und das ist gut so, sagen Zollet und sein Chef, Johannes Wurm, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg.

Der Klimawandel macht den Kiefern und Fichten im Nürnberger Reichswald schon länger das Leben schwer. Nach dem extrem trockenen und heißen Jahr 2018 zeigten sich enorme Schäden, bilanziert Johannes Wurm: Die Bäume - vertrocknet oder geschwächt - waren eine leichte Beute für Schädlinge, wie den Kiefernpracht- oder Borkenkäfer. Um eine Massenvermehrung der ungebetenen Insekten zu verhindern, musste der Forstbetrieb Ende 2018 und 2019 auch im Revier Altenfurt viele alte Nadelbäume fällen. „Phytosanitäre Hiebe“, nennt das der Fachmann.

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Schon damals war die Besorgnis bei der Bevölkerung hoch. Und sie ist es jetzt wieder. Erneut wird in dem Wäldchen in Langwasser, aber zum Beispiel auch in der Gartenstadt, gefällt. Von Kahlschlag und Zerstörung war und ist bei Naturliebhabern, die sich per Mail oder Telefon in der Redaktion melden, die Rede.


So soll der Nürnberger Reichswald dem Klimwandel trotzen


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Zwölf Dinge, die der Klimawandel in Bayern verändert

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Johannes Wurm und Norbert Zollet können nachvollziehen, dass die Arbeiten auf den ersten Blick wie ein massiver Eingriff wirken. Es handle sich um einen größer angelegten Verjüngungshieb. Der sei aber wohlüberlegt: „Der junge Wald braucht Licht“, sagt Wurm und zeigt auf ein Waldstück, in dem Eichen, Linden, Buchen, Feldahorn und Hainbuchen in Langwasser in einträchtiger Nachbarschaft aufwachsen. Besonders Eichen, die der Forstbetriebsleiter für gut geeignet für wärmere und trockenere Zeiten hält, seien auf Sonne angewiesen. Deshalb müssen Kiefer und Fichte weichen. Freilich nicht alle: Mindestens zehn Altbäume pro Hektar bleiben stehen – bis sie selbst absterben und als Totholz zum Beispiel Specht, Käfer oder anderen Organismen noch Kost und Logis bieten und irgendwann verrotten.

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Ein weiterer Grund für Fällungen ist die Sicherheit von Spaziergängern, Joggern und Radlern. Ihnen soll kein morscher Ast oder Baum auf den Kopf fallen. Geschädigte Bäume am Rand von häufig begangenen Wegen werden deshalb gefällt.


Klima und Schädlinge machen dem Wald zu schaffen


„Die Lücken werden sich bald schließen“, ist Revierleiter Zollet überzeugt. In Gebieten, in denen in den 1990 Orkan Wiebke große Baumbestände flachlegte, ist mittlerweile ein artenreicher Mischwald an die Stelle des Steckerlaswaldes getreten, berichtet er.

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Der Wald rund um die Großstadt Nürnberg ist besonders von Hitze und Trockenheit betroffen, erklärt Johannes Wurm anhand von Karten. Sie geben Auskunft über Temperaturen, Wasserversorgung und die Zukunftsaussichten von Kiefern. Während auf den Höhen der kühleren und regenreicheren fränkischen Alb Waldgebiete grün eingefärbt sind, sind sie rund um die tiefer liegende Stadt gelb und dunkelrot. Auf Karten, die Prognosen für die nächsten Jahrzehnte berechnen, weiten sich die roten, also besonders dürren Gebiete, erschreckend weit ins Umland aus.

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Haben Schnee und Regen in diesem Winter nicht etwas Linderung bringen können? „Das kommt gerade mal in den oberen 20 Zentimetern Waldboden an. In tieferen Schichten ist es staubtrocken“, so der Forstbetriebsleiter. Der Klimawandel erfordere einen Waldumbau jetzt. Nur so könne man der nächsten Generation einen vitalen Baumbestand hinterlassen. „Wir müssen langfristig planen, wir haben da eine große Verantwortung“, sagt Johannes Wurm.


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