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Anwohner in Wöhrd sind sauer: Sör fällt 17 Bäume

Bürgermeister Vogel verteidigt Fällungen "zum Schutz der Anwohner" - 23.05.2017 05:54 Uhr

"Wir haben einen Wald direkt in der Stadt" - haben Anwohner früher gesagt. Seitdem 17 Bäume gefällt worden sind, ist die Idylle dahin. © Horst Linke


Wolfgang Bittlinger und seine Frau Karin fühlen sich verschaukelt. Seit 1968 wohnt das Ehepaar in der Bartholomäusstraße. Dass der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) direkt gegenüber ihrer Wohnung ein Bezirksdepot der Stadtreinigung unterhält, hat die beiden bislang kaum gestört. Schließlich hatten 17 Bäume den Blick auf das Depot verdeckt. Doch diese wurden im Frühjahr allesamt gefällt.

"Vorher haben wir immer gesagt: Wir haben einen Wald direkt in der Stadt", erinnert sich Wolfgang Bittlinger gern an die Zeit, als er noch entspannt auf seinem Balkon im zweiten Stock sitzen konnte. Jetzt müssen er und seine Frau täglich mit ansehen, wie verschiedene Kehr- und Reinigungsfahrzeuge auf das Sör-Gelände einbiegen, ihren Schutt in einer Müllmulde versenken und anschließend gewaschen werden oder gleich zur nächsten Tour aufbrechen.

"In der Zeitung stand doch erst wieder, dass Nürnberger grüner und Wöhrd schöner werden soll", sagt Wolfgang Bittlinger. Davon könne in seiner Straße keine Rede sein. Im Lauf des Tages scheppere es immer wieder, wenn volle Container aus der Mulde gehoben und dort später wieder leer eingelassen werden: "Um 6.53 Uhr kommt der erste Schlag, dann geht der Lärm los."

Anwohner sind schockiert

"Alle, die die Gegend kennen, sind unglücklich", ärgert sich der langjährige Anwohner. In der Nachbarschaft herrsche ein Ohnmachtsgefühl. Auch Petra und Klaus Stöcker, die nebenan im ersten Stock wohnen, sind mehr als unglücklich mit der Situation.

Dass nur "drei Bäume total krank" und die meisten von ihnen tatsächlich in einem guten Zustand gewesen waren, bestätigt auch Bürgermeister und Sör-Chef Christian Vogel. Es habe weniger am Zustand der Bäume gelegen, als viel mehr daran, dass ihre Wurzeln den angrenzenden Gehsteig angehoben hätten. Um eine gefährliche Stolperfalle zu verhindern, habe Sör reagieren müssen – gerade auch zum Schutz der Anwohner selbst.

Ihren Unmut könne Vogel zwar verstehen. Den Vorwurf, die Stadt habe niemanden über ihr Vorhaben informiert, will der Bürgermeister aber nicht gelten lassen: "Wir haben am 20. Februar eine Presseinfo verschickt." Es habe durchaus den Versuch gegeben, den Anwohnern die nötig gewordenen Schritte zu kommunizieren.

Während viele in den angrenzenden Straßen überzeugt sind, dass die Lärmbelästigung mit dem Verschwinden der Bäume zugenommen hat, geht Vogel nur von einer gefühlten Lärmzunahme aus, weil die Menschen die Arbeiten auf dem Hof nun bewusster verfolgen. Gutachter hätten festgestellt, dass der Lärm nicht zugenommen habe.

Die verärgerten Anwohner bittet der Sör-Chef um Geduld. So sollen innerhalb der nächsten zwei Monate drei große Bäume und dazu Sträucher und Büsche neu angepflanzt werden. Natürlich werde es aber zwei, drei Vegetationsphasen dauern, bis das Grün entsprechend gedeiht. Der Blick auf die ungeliebte Müllmulde bleibt Wolfgang Bittlinger und seinen Nachbarn vorerst also nicht erspart.

  

Johannes Handl

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