Attacken auf Verkehrsüberwacher in Nürnberg häufen sich

4.6.2019, 05:06 Uhr
Das Knöllchen am Auto bringt Menschen immer wieder auf die Palme. Immer häufiger schlägt das in Gewalt um.

Das Knöllchen am Auto bringt Menschen immer wieder auf die Palme. Immer häufiger schlägt das in Gewalt um. © News5/Pieknik

316.899 mal: So oft haben die Verkehrsüberwacher in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach und Ansbach im vergangenen Jahr zum Block gegriffen und Parksünder verwarnt. 316.899 mal – das sind rund 17.000 mal mehr als noch im Jahr davor. Ein Großteil der Parkverstöße wurde in Nürnberg verzeichnet. 224.634 Knöllchen wurden hier an Falschparker ausgestellt – rund 10.000 Verwarnungen mehr als 2017.

Die Falschparker scheint das nicht besonders zu jucken. In Nürnberg kostete ein Knöllchen im vergangenen Jahr im Schnitt 14,56 Euro. "Der Lerneffekt ist dramatisch niedrig", sagt Markus Hübner, der Chef der Kommunalen Verkehrsüberwachung. Er spricht von einem Trend: Da die Verwarnungen teilweise günstiger als die Parkhausgebühren sind, riskieren Autofahrer bewusst ein Knöllchen. Hübner plädiert deshalb dringend für eine Anhebung der Gebühren. Bürgermeister Christian Vogel – er ist auch Vorsitzender des Zweckverbands – betont, dass es dabei nicht darum geht, Geld in die Kassen der Stadt zu spülen. Vielmehr sollen höhere Gebühren Abschreckungscharakter haben. Das Problem: Die Stadt – oder der Zweckverband – können sich die Knöllchen-Kosten nicht einfach ausdenken und mehr Geld verlangen. "Da braucht es endlich einen Verkehrsminister, der den Mumm dazu hat", sagt Vogel.

Prügel und Morddrohungen

Mumm bräuchte indes nicht nur das Verkehrsministerium, auch die Verkehrsüberwacher im Außendienst müssen immer mutiger sein. "Im Moment geht die Angst um", sagt Hübner und spricht von einer "Verrohung" der Gesellschaft. Die treffe eben nicht nur Rettungskräfte, Fahrkartenkontrolleure und Polizisten, auch die Außendienstmitarbeiter des Zweckverbands sind betroffen. Ende April etwa wurde ein Verkehrsüberwacher in Erlangen Opfer einer brutalen Attacke. Er hatte einen Parksünder wiederholt verwarnt – bis der ihn mit dem Auto verfolgte, ausstieg und verprügelte. "Zum Glück ist ein couragierter Mitbürger eingeschritten", sagt Hübner über den "überfallartigen Vorfall". Rache für Knöllchen – das gibt es auch in Nürnberg. "Ende Mai hat ein Fahrer einer Spedition einen Außendienstmitarbeiter gefragt, ob er der Kollege XY ist", sagt Hübner. Der Verkehrsüberwacher war – zum Glück – ein anderer. Darauf soll der Speditionsfahrer gesagt haben: "Wenn ich den erwische, schlag ich ihn mit dem Baseballschläger tot, das ist es mir wert." Vorausgegangen war ein 15-Euro-Knöllchen wegen Parkens auf einer Sperrfläche. Die Konsequenz: Die Verkehrsüberwacher diskutieren, künftig zu zweit Streife zu gehen.

Eine gute Nachricht gibt es seitens des Zweckverbands aber doch: Die Aufklärung über die Problematik zugeparkter Rettungswege scheint mittlerweile Wirkung zu zeigen. Das jedoch liegt möglicherweise aber nicht nur an der Vernunft der Autofahrer, sondern auch daran, dass ein Zuparken von Rettungswegen durchaus ziemlich teuer werden kann. Die Polizei hat mittlerweile ein "beschleunigtes Abschleppverfahren" eingeführt. Bereits in den ersten drei Monaten nach der Einführung wurden 60 Prozent mehr Autos aus Feuerwehrzufahrten abgeschleppt.

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