Auf den Spuren des bekannten Ahnherrn

7.9.2016, 20:15 Uhr
Auch beim ersten „Familientreffen“ 1976 wurden die Eppeleiner im Rathaus empfangen (2. v. re. Oberbürgermeister Andreas Urschlechter, 3. v. re. Organisator Armin Eppelein).

© F.: Ulrich Auch beim ersten „Familientreffen“ 1976 wurden die Eppeleiner im Rathaus empfangen (2. v. re. Oberbürgermeister Andreas Urschlechter, 3. v. re. Organisator Armin Eppelein).

Und es wird zugleich ein stolzes Jubiläum gefeiert: Die erste Zusammenkunft der Eppelein-Nachkommen fand nämlich bereits 1976 statt – ebenfalls in Nürnberg, berichtet Armin Eppelein, der das „Familientreffen“ damals ins Leben gerufen hat. Die Idee kam aber gar nicht von ihm selbst, sondern von Theo Dertinger, dem früheren Leiter der städtischen Abteilung Protokoll. „Ich war in der Zeit für eine große Mineralölgesellschaft tätig und deshalb auch öfter in Nürnberg“, erzählt der Münchner mit fränkischen Wurzeln. Eines Tages hatte Dertinger dann eine verrückte Idee: „,Das wär‘ doch was, wenn mal Eppeleins zu uns nach Nürnberg kommen‘, hat er zu mir gesagt“, erinnert sich Eppelein. „Ich dachte mir: Warum nicht? Aber ich kannte ja keine.“

 

Da es in den 1970er Jahren mit dem Internet noch nicht weit her war, sind viele Stunden Telefonbuchrecherche nötig gewesen, um alle Träger des Namens in Deutschland ausfindig zu machen. „Ich habe dann an alle
Adressen einen langen Brief geschrieben und die Sache erklärt“, sagt der 84-Jährige. Das Ergebnis war bemerkenswert: Von den gut 80 Eingeladenen sind im September 1976 tatsächlich 59 Eppelein-Nachfahren nach Nürnberg gereist.

Natürlich musste das erste Treffen dort stattfinden, wo der bekannte Ahnherr seinen wohl größten Coup gelandet hat – zumindest der Sage nach: den Sprung über den Burggraben. Eppelein von Gailingen, mit richtigem Namen Apollonius von Gailingen, geboren um 1320 bei
Bad Windsheim, war ein Lehensmann des Grafen von Hohenlohe.

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Die Hufabdrücke, die Eppeleins Pferd beim Sprung über den Burggraben in der Burgmauer hinterlassen haben soll, kennt in Nürnberg fast jedes Kind.

Die Hufabdrücke, die Eppeleins Pferd beim Sprung über den Burggraben in der Burgmauer hinterlassen haben soll, kennt in Nürnberg fast jedes Kind. © Foto: Stefan Hippel

 Auch das Sprichwort „Die Nürnberger hängen keinen – sie hätten ihn denn!“ geht auf die Sage von der Flucht des Raubritters zurück.

Auch das Sprichwort „Die Nürnberger hängen keinen – sie hätten ihn denn!“ geht auf die Sage von der Flucht des Raubritters zurück. © Repro NZ

ls dieser in den 1370er Jahren mit dem Nürnberger Burggrafen eine Fehde begann, kämpfte Eppelein auf der Seite seines Lehensherrn und nahm großen Schaden an seinen Besitzungen, ist dazu im Nürnberger Stadtlexikon nachzulesen. Als sich die Kriegsparteien später einigten, war Eppelein verarmt und mittellos. Deshalb zog er von da an als Raubritter durch Franken, worunter vor allem das reiche Nürnberg zu leiden hatte. Irgendwann wurde er geschnappt und zum Tod am Galgen verurteilt.

Der Sage nach rettete sich Eppelein, in dem er mit seinem Pferd über die Mauer des Burggrabens sprang. Lebendig bleibt die Geschichte im Nürnberger Sprichwort „Die Nürnberger hängen keinen – sie hätten ihn denn!“ und in den Hufabdrücken in der Burgmauer, die ein beliebtes Ziel bei Schulklassen und Touristen sind.

Das Ende des Eppelein von Gailingen war hochdramatisch: Als er 1381 in Postbauer gerade mit Kumpanen im Wirtshaus zusammen saß, ist er an die Obrigkeit verraten und von einem Nürnberger Söldnertrupp festgenommen worden. Ein paar Tage war Eppelein noch auf der Veste Burg Thann eingekerkert, dann ist der gefürchtete Ritter aufs Rad gebunden und hingerichtet worden.

Beim ersten „Familientreffen“ 1976 sind die Nachfahren des Raubritters aber weitaus freundlicher in Nürnberg empfangen worden als ihr gefürchteter Ahnherr, schrieb die Lokalzeitung damals und titelte „Kein Strick für Eppeleins“.

Seither habe man sich jedes Jahr mindestens einmal getroffen, berichtet Armin Eppelein. „Wir waren schon in Eichstätt, Würzburg, Neumarkt, Solnhofen, Kassel, Freiburg, Hamburg und so weiter“, zählt er auf. Die weiteste Reise führte die Eppeleiner auf die Kanalinsel Guernsey, dort lebt nämlich auch ein Nachfahre. Dieses Wochenende ist wieder Nürnberg dran. Am Freitag gibt’s einen feierlichen Empfang im Rathaus, am Samstag wird unter anderem der Kaiserburg, den Lochgefängnissen und dem Johannis-Friedhof ein Besuch abgestattet. Etwa 40 „Familienmitglieder“ haben ihr Kommen zugesagt, sagt Eppelein, der die meisten der Treffen organisiert hat.

Eine direkte Abstammung zu ihrem bekannten Ahnherrn kann heute übrigens nicht mehr nachgewiesen werden, sagt Eppelein. „Eine Dame aus Nürnberg hat für uns in den alten Kirchenbüchern nachgeforscht und festgestellt, dass wir alle auf die Gegend um Treuchtlingen zurückgehen, genauer Bubenheim und Wettelsheim.“

Die Burg Wald in der Nähe sei Eppeleins Lieblingsburg gewesen, sagt Organisator Eppelein. Und da zu Lebzeiten des Ritters noch das Recht der ersten Nacht gegolten habe – der Grundherr durfte bei Hochzeiten in seinem Gebiet die erste Nacht mit der Braut verbringen –, sind die unehelichen Nachfahren zwar nicht anerkannt, aber zumindest nach ihm benannt worden.

Und die Tradition der Treffen soll fortgeführt werden, sagt Armin Eppelein. „Am Wochenende besprechen wir, wo wir im nächsten Jahr zusammenkommen.“

 

"Wesentlich freundlicher als ihr berühmter Ahnherr vom
Rat der Stadt wurden gestern 59 Eppeleins im Rathaus begrüßt."

Lokalzeitung 1976

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