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Auflagen der Stadt Nürnberg: Einige Kärwazüge wackeln

Mitten in der Kärwasaison rumort es hinter den Kulissen - 26.06.2019 18:15 Uhr

Beim Kirchweihzug im September 2018 gab es in Neunhof einen waghalsigen Festwagen, bei dem die Unterndorfer das berühmte Mittagspause-Fotomotiv auf einem Wolkenkratzer nachstellten. Ob so ein Beitrag auch beim Festzug 2019 möglich ist, wird vielfach bezweifelt. © Foto: Martin Schülbe


Vor allem im Knoblauchsland, wo die großen Festzüge in Neun- und Kraftshof oder Großgründlach erst im August und September anstehen, wird eifrig diskutiert und gezittert. Dortige Veranstalter wollen sich derzeit nicht öffentlich äußern, klar ist aber: Einige Kärwazüge wackeln, wie auch Tobias Schmidt, Vorsitzender des Vorstadtvereins Nord, weiß.

Als ein Knackpunkt gilt die Frage, wie die Abnahme der Wagen durch den Tüv vonstatten gehen soll, wenn oft noch bis tief in die Nacht vor dem sonntäglichen Kärwazug gebastelt wird. Waghalsige Beiträge wie das Nachstellen des berühmten Bauarbeiter-Fotos an einem New Yorker Wolkenkratzer, das vergangenen September in Neunhof viel Aufsehen erregte, scheinen unter den neuen Auflagen kaum noch realisierbar.

Vor allem das Risiko, dass die mit viel Aufwand hergestellte Attraktionen kurzerhand aus dem Verkehr gezogen werden könnten, lässt hinter den Kulissen die Wellen höherschlagen. "Da wird man dran feilen müssen", betont Schmidt, der zugleich auf die Unterstützung der Behörden hofft, damit die Kreativität gerade der Festzüge im Knoblauchsland nicht auf der Strecke bleibt. Ein kompletter Verzicht wäre aus seiner Sicht "ein herber Verlust".

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Neuerliche Gespräche im Rathaus

Diskussionen gibt es jedoch nicht nur über die Abwicklung der Kärwazüge, sondern auch um die Höhe der Kirchweihbäume – wie aktuell in Almoshof und Buch, so Schmidt. Bürgermeister Christian Vogel bestätigt jedenfalls neuerliche Gespräche, um zu einer Lösung zu kommen. Insgesamt verweist er aber auf den einstimmigen Beschluss des Nürnberger Stadtrats zur Unterstützung der Kirchweihveranstalter. Dieser sei
"in dieser Art einzigartig in ganz Deutschland", betont er.

"Wir wollten damit unsere breite Zustimmung für die Kärwa-Tradition zum Ausdruck bringen", sagt Vogel entschieden. Er verweist zugleich darauf, dass die Stadt Nürnberg "das Gesetz umsetzt, das wir nicht gemacht haben". Deshalb könne es jetzt und in den nächsten Wochen "nicht um eine mögliche Einigung gehen, sondern ,nur‘ um eine über die bestehende Zusage hinausgehende weitere mögliche Unterstützung".

Dass die Gesetzeslage schon 2018 so war und die Stadt die Verantwortlichen im Spätherbst nur nochmals ausdrücklich auf den Sachstand hingewiesen habe, wie Vogel erklärt, wird auch von Tobias Schmidt nicht in Abrede gestellt. Doch er findet weiterhin, ebenso wie Werner Volland, Vorsitzender des Ziegelsteiner Brauchtumsvereins, und andere Kärwa-Veranstaltern, dass die Kommunikation zwischen Rathaus und Organisatoren "nicht gut gewesen ist".

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Gerade beim Thema Sicherheit und zusätzliche Ordner fühlt sich Volland von der Kommune im Stich gelassen. Sein Ziegelsteiner Festzug am 27. Juli ist bereits genehmigt und wird auch stattfinden, doch für ihn sind die Mehrkosten ein entscheidender Knackpunkt. Weil er "locker 50 Ordner" brauche (früher waren es zehn), werde es sich erst nach der Kirchweih zeigen, ob es 2020 wieder einen Umzug geben wird – oder die Finanzen dagegen sprechen.

Tobias Schmidt geht derzeit davon aus, dass 2019 "die meisten Züge stattfinden". Mit Blick auf die Gefühlslage der vielen angeschlagenen "ehrenamtlichen Seelen" hofft er auf eine echte Unterstützung der Stadt – gerade bei Kostenerstattung und Tüv-Abnahme. Klar scheint: Die Stunde der Wahrheit wird wohl erst im kommenden Herbst schlagen. 

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