Fortschritte bei Forschung

Augenchirurgen tagen in der Messe Nürnberg: Diese neue OP-Verfahren helfen

Sabine Ebinger
Sabine Ebinger

Lokales Nürnberg

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23.6.2022, 16:24 Uhr
Augenärzte empfehlen einen regelmäßigen Glaukom-Check.  

© Marijan Murat/dpa, NNZ Augenärzte empfehlen einen regelmäßigen Glaukom-Check.  

Eine Operation oder Behandlung am Auge: Das ist für viele keine schöne Vorstellung. Das weiß auch Armin Scharrer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ophthalmochirurgie (DOC). Die Augenspezialisten treffen sich noch bis Samstag, 25. Juni, im Messezentrum Nürnberg zu ihrem Kongress. "Natürlich ist die Vorstellung, am Auge operiert zu werden, furchteinflößend. Da hat jeder Angst", sagt Armin Scharrer bei der Pressekonferenz in der Messe.

Doch es gibt heute Fortschritte und bessere Behandlungsmethoden. Etwa beim Grauen Star. Bei dieser Erkrankung trübt sich die Augenlinse ein. Das Sehvermögen lässt nach, ohne Behandlung kann man erblinden. Die einzige Möglichkeit ist die Operation: Bei dem etwa 20-minütigem Eingriff entfernt der Augenchirurg die trübe Linse und ersetzt sie durch eine künstliche. "Hier hat es inzwischen einen Paradigmenwechsel gegeben", erläutert Augenärztin Mignon Hann. Früher sei das Ziel gewesen, dass der Patient möglichst gut in die Ferne schauen kann.

Doch heute ist das Arbeiten am PC und Laptop, der Blick aufs Smartphone unerlässlich - neue Monofokal-Plus-Linsen ermöglichen das Sehen ohne Brille in die Ferne als auch an Handy und Computer. Allerdings übernehmen gesetzliche Krankenkassen nur die Kosten für eine einfache Standardlinse: Für eine Monofokal-Plus-Linse, die zwischen 500 und 800 Euro koste, ist eine Zuzahlung fällig.

"Fürchterlich aufgeregt"

Zwei derartige moderne Linsen hat sich die Nürnbergerin Maria Romeis einsetzen lassen. "Ich war fürchterlich aufgeregt, aber die Operation ging so schnell - und jetzt sehe ich sehr gut", berichtet die 74-Jährige. Sie fühlt sich kerngesund und plant für diesen Sommer eine Radtour über die Alpen von Salzburg bis zur schönen italienischen Stadt Grado an der Adria - natürlich ohne Brille.

Mehr Lebensqualität hat heute auch die Fürtherin Bertha Debast, die unter Grauem und Grünem Star litt. Dank einer neuen Technik konnte beides bei einem einzigen Eingriff operiert werden. "Die OP hat überhaupt nicht weh getan und auch danach hatte ich keine Schmerzen", berichtet die 74-Jährige.

Auch der Grüne Star (Fachausdruck: Glaukom) kann ohne Behandlung zur Erblindung des Auges führen. Die Häufigkeit des Glaukoms nimmt mit steigendem Lebensalter zu und beträgt bei über 65-Jährigen etwa zwei bis vier Prozent. In Deutschland kommt es jährlich zu über 1000 Neuerblindungen durch Glaukom, wie der Fürther Augenarzt Thomas Will berichtet. "Sowas kommt schleichend und schmerzfrei." Umso wichtiger sind also regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.

Doch es gibt Hilfe: Augentropfen können das Fortschreiten des Grünen Stars stoppen. Genügt das nicht, muss operiert werden. Dabei setzen die Augenchirurgen auf neue und besonders schonende Verfahren. So werden Kleinst-Implantate eingesetzt: Bei diesen neuen Mikro-Eingriffen, welche übrigens die Krankenkassen übernehmen, komme es im Vergleich zu herkömmlichen OP-Verfahren seltener zu Komplikationen.

Gute Nachrichten gibt es auch bei der so genannten trockenen Form der Altersblindheit (Altersabhängige Makuladegeneration/AMD): Zwei Wirkstoffe, die unmittelbar vor der Zulassung stehen, haben sich als besonders aussichtsreich bei der Behandlung erwiesen. Die Fachleute geben sich bei der Pressekonferenz vorsichtig optimistisch. DOC-Präsident Armin Scharrer sagt aber auch: "Augenerkrankungen sind kompliziert - und Wundermittel gibt es nicht."

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