Aus Warriors werden Wirte: Fanclub betreibt eigenes Lokal

22.5.2016, 06:00 Uhr
Michael Baumang, Maximilian Gienapp und Frank Auterhoff (von links) freuen sich auf die Relegation im eigenen Lokal der Club Warriors Nürnberg.

Michael Baumang, Maximilian Gienapp und Frank Auterhoff (von links) freuen sich auf die Relegation im eigenen Lokal der Club Warriors Nürnberg. © Foto: Michael Matejka

Schon als Frank Auterhoff noch ein kleiner Junge war, wehte eine Club-Fahne über seinem Haus. Warum das besonders ist? Auterhoff wächst in Lettland auf, ohne irgendeinen Bezug zu Deutschland. Woher sein Vater die Fahne hatte, weiß er bis heute nicht. Als Auterhoff aber vor Jahren tatsächlich nach Franken kommt, sieht er an einem Haus die Club-Farben hängen, Rot und Schwarz. Er war zu Hause.

Heute kann Frank Auterhoff wieder eine Fahne hissen, die des Fanvereins "The Club Warriors Nürnberg". Warum das so besonders ist? Die Farben der Warriors hängen nicht an irgendeinem Lokal — sondern an ihrem eigenen. Der erst 2012 gegründete offizielle FCN-Fanclub mit 30 Mitgliedern ist der erste, der tatsächlich seine eigene Gaststätte betreibt.

Mitten in der Gartenanlage

Und das deutschlandweit, sagt zumindest Auterhoff. In einem weißen T-Shirt sitzt der 45-Jährige in seinem neuen Reich. Das Hemd passt zur Wandfarbe, das Haus inmitten einer Gartenanlage am Nordostbahnhof ist frisch gestrichen. Der Raum für 70 Personen ist eher schmucklos eingerichtet, was aber zur Zierde an der Wand hängt, hat es in sich.

Zum Beispiel unterschriebene Autogrammkarten der 1968er-FCN-Meistermannschaft. "Da hat sogar das Club-Museum schon angeklopft." Vergebens. Nun haben die Warriors einen Ort, wo sie solche Schmuckstücke ausstellen können — auch wenn vor dem Garten auf einem großen Schild noch "Zur neuen Schatzgrube" statt, wie demnächst, "Gartenbistro The Club Warriors Nürnberg" steht.

Laut, emotional

Freilich, erklären Auterhoff und Michael Baumung alias Bummi, hätten auch andere Fanclubs Räume in Kneipen angemietet. "Doch bei uns tritt der Verein als Pächter auf." Was erwirtschaftet wird, kommt dem Verein zugute.

Das nötige Handwerkszeug für den Betrieb haben die Fans. Frank Auterhoff hat einen Lieferdienst, er ist gelernter Koch. "Und Bummi ist Konditor", womit Auterhoff die appetitlich aussehenden Kuchen in einer ungewöhnlich zentral im Raum platzierten Vitrine erklärt. Dazu auf der Karte: Schnitzel, Salat, Burger, darunter das Monster: 1,5 Kilogramm Fleisch. Dazu werden schon mal 3,5 Liter Bier serviert.

Weil Baumung und Auterhoff aber einen Job haben, hat der Verein noch einen Koch angestellt. Schließlich wird nicht nur an Spieltagen geöffnet, sondern täglich bis 22 Uhr oder länger. Unter der Woche startet die Fanclub-Fankneipe um 17.30 Uhr, am Wochenende bereits um halb zehn.

Schon seit der Gründung suchen die Warriors nach einem Ort, wo ihre Mitglieder gemeinsam Fußball schauen können. So einer sei inzwischen schwer zu finden. "Kaum einer hat noch Sky, anderswo kannst du dich nicht so benehmen, wie es sich für ein Fußballspiel gehört." Heißt: laut, emotional.

In der Oedenberger Straße ist genau das ab sofort der Fall. Eingeladen sind deshalb nicht nur Club-Fans. "Aber wer am Spieltag kommt, der darf sich nicht über 1500 Watt beschweren", lacht Frank Auterhoff. Und man darf sich nicht von den Farben des Banners irritieren lassen. Die Warriors tragen nicht Rot-Schwarz, sondern Gold-Schwarz. "Wir wollten was Besonderes", sagt Auterhoff.

Pumuckl ist der Boss

Dabei sind die Warriors nicht nur in diesem Fall speziell. Beispiel: Ein Mathebuch für Realschulen in Bayern zeigt ist ein Bild von der Fangruppe aus dem Stadion, versehen mit Sprechblasen. "Wir sind eine Rechenaufgabe. Nur wussten wir davon nichts", erklärt der Ober-Warrior Maximilian Gienapp alias Pumuckl.

Wieso der so heißt, ist offensichtlich: Die knallrote Perücke nimmt er ungern ab. Noch so ein Beispiel das zeigt, dass man zu den Warriors auch eine gehörige Portion Humor mitbringen darf.

Und eines sollte man noch dabei haben: etwas Geduld. "Wir machen alles frisch", sagt Auterhoff und führt in die große Küche, in der man vergebens nach Tiefkühlkost sucht. "Aber dafür muss man auch 20 bis 25 Minuten warten." Vor allem, wenn der Club spielt. Denn auch in der Küche läuft auf einem Fernseher in der Ecke: das Spiel des 1. FC Nürnberg.

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