Mittwoch, 13.11.2019

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Ausgebremst: Stadt will Autoposer ausschließen

Einzelne Straßen sollen nur noch für Anwohner befahrbar sein - 30.08.2019 20:36 Uhr

Bereits vor fünf Jahren hat die Stadt versucht, in der Färberstraße und in der Brunnengasse mit Tempo-10-Schildern die Altstadt zu beruhigen. In den vergangenen Jahren hat sich hier eine lärmende Autoposer-Szene breit gemacht. © Archivfoto: Philipp Demling


Es gibt viele Wege, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dem Wortsinn nach sind es in Nürnberg vor allem die Färberstraße und die Brunnengasse. Schnellen im Sommer die Temperaturen nach oben, scheint bei manchen Männern auch der Testosteronspiegel zu steigen. Die Innenstadtstraßen verwandeln sich dann zu Pisten, auf denen aufgemotzte Schlitten an Cafés, Bars und Gaststätten vorbeifahren. PS-starke Motoren heulen auf, Auspuffe dröhnen und knallen, Lautsprecher wummern, bis Schaufenster zittern.

Tempo-10-Schilder waren ungültig

Das nervt in erster Linie Anwohner, lärmen die sogenannten Autoposer (engl. poser = Angeber) offensichtlich am liebsten zu fortgeschrittener Stunde. Seit Jahren klagen Betroffene darüber, die Stadt reagierte in der Vergangenheit auch darauf: 2014 wurden unter anderem in der Färberstraße und in der Brunnengasse Tempo-10-Schilder aufgestellt. Doch dann stellte sich heraus, dass diese Zeichen gar nicht im bundesweit gültigen Verkehrszeichenkatalog eingetragen sind. Polizei und Kommunale Verkehrsüberwachung mussten Geschwindigkeitsmessungen einstellen, Bußgelder durften nicht erhoben werden. Doch auch in die Neufassung des Katalogs wurde Tempo 10 nicht aufgenommen, was die Stadt bis dahin noch hoffte. Folge: Alle Tempo-10-Schilder mussten abmontiert werden.


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Jetzt setzt Bürgermeister Christian Vogel (SPD) zu einem neuen Vorstoß an: Er will die Autoposer–Szene aus der Brunnengasse und der Färberstraße verbannen. Im nächsten Werkausschuss wird er dazu einen Bericht vorlegen. Geplant ist, einen Teil der Färberstraße (zwischen Frauengasse und Hefnersplatz) für den Verkehr komplett zu sperren – Anlieger ausgenommen. "Wir wollen schon im Herbst damit starten", sagt Vogel auf Anfrage der Lokalredaktion. Der Modellversuch soll zunächst ein Jahr lang laufen. "Die Polizei hat mit einer Sperre bessere Sanktionsmöglichkeiten." Vorstellen kann er sich auch, nach dem Pilotprojekt die Fußgängerzone in diesem Innenstadtbereich auszuweiten.


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In den zurückliegenden Jahren haben sich die Beschwerden über den Lärm bei der Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte gehäuft. Die Polizei hat den Brennpunkt in der Färberstraße und der Brunnengasse mit Streifen verstärkt kontrolliert. Auch eine spezielle "Task Force" der Nürnberger Verkehrspolizei ist dort vermehrt unterwegs, um getunte Fahrzeuge aufzuspüren, die illegal frisiert worden sind und damit die Betriebserlaubnis erloschen ist. Seit Juni hat die Polizei die Kontrollen weiter intensiviert mit dem Ergebnis, dass die Anzahl von Verwarnungen und Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten exorbitant stieg.

 

Um die Autoposer-Szene in diesem Bereich der Altstadt aber weiterhin wirkungsvoll zu bekämpfen, wäre weiterhin eine starke Polizeipräsenz erforderlich. Doch das allgemein hohe Einsatzaufkommen, vor allem am Wochenende, erschwert der Polizei eine konsequente Überwachung in der Brunnengasse und der Färberstraße. Bürgermeister Vogel ist sich sicher: Eine Sperre schont die Nerven der Anwohner und entlastet die Sicherheitsbehörden.

ALEXANDER BROCK

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