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Dienstag, 02.06.2020

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Bahn ist frei für das Velodrom: Nun fehlt es an Geld

Stadt hat das Sportprojekt bereits abgenickt - 23.05.2020 06:00 Uhr

So könnte es einmal aussehen, das Velodrom Nürnberg. Diese Visualisierung zeigt die Außenansicht mit Eingangsbereich. © Foto: Peter Lüftner


Für eine traditionelle Fahrradstadt sei das ein Unding, findet man beim Verein Sportplatz Nürnberg 1903, der das voraussichtlich über 30 Millionen Euro teure Projekt seit Jahren vorantreibt. "Das Rad gehört einfach zu Nürnberg", findet Vereinsvorsitzender Andreas Zentara. Man dürfe diese Sportart "nicht einfach auf Null fahren".

Sieben Millionen, die beim Verkauf der alten Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller erlöst wurden, werde man selbst beisteuern. Den Rest müssten Bund, Land und Stadt anteilig übernehmen. Auch neue EU-Fördertöpfe, so heißt es beim SportService der Stadt, könnten das Vorhaben voranbringen.

Der unverdrossene Optimismus, den die Akteure des Vereins zeigten, sei berechtigt. Davon ist Hans-Jörg Oehmke vom SportService überzeugt. Dass Nürnberg Bundesstützpunkt für Rad und Triathlon ist und ein Landestrainer an der nahen Bertolt-Brecht-Schule sitzt, einer Eliteschule des Sports, sei ideal.

Vor drei Jahren hat in Reichelsdorf das letzte Rennen stattgefunden. Nun soll die marode Bahn abgerissen und das Areal mit Wohnungen bebaut werden. Seither sitzt der Radsport in Nürnberg beim Training im wahrsten Sinn des Wortes auf der Straße. "Das ist äußerst gefährlich", so Andreas Zentara.

Radsporthalle mit 250-Meter-Bahn

Ersatz ist in Sicht. Auf einem Teil des Moorenbrunnfeldes an der Ecke Liegnitzer/Oelser Straße könnte eine neue Radsporthalle mit wettkampftauglicher 250-Meter-Bahn, Platz für 1100 Zuschauer, einem durch Netze abgetrennten Ballsportfeld in der Mitte, Gymnastik- und Boulder-Möglichkeiten, rund 100 Parkplätzen und einer Gaststätte entstehen. Auch die traditionellen Steher-Rennen könnten im Velodrom über die Bühne gehen – mit abgasfreien Elektromaschinen und einem Soundgenerator, der das charakteristische Blubbern der Motoren vortäuscht.


Radsport in Nürnberg: Velodrom soll 2021 eröffnen


Die Bauverwaltung hat das Projekt jetzt abgenickt, der Baukunstbeirat eine Überarbeitung des Eingangs der Halle und mehr Tageslicht für die Bahn angeregt. Dass der Grund, den die Kommune kaufen will, dem bayerischen Staatsforst gehört, hat für Konflikte gesorgt. Die Frage, ob es sich um ein (teureres) Mischgebiet oder um reines Sportgelände handelt, ist laut Baureferent Daniel Ulrich allerdings bereits geklärt. Der Bebauungsplan weise hier eindeutig eine sportliche Nutzung aus.

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Dem bisherigen Sportbürgermeister Klemens Gsell, der Ministerpräsident Markus Söder in dieser Sache um Hilfe gebeten hatte, war deshalb kurz vor der Kommunalwahl der Kragen geplatzt. Gsell sprach von "ministeriellen Intriganten", die das Velodrom verhinderten. Jetzt hofft der Verein Sportplatz Nürnberg 1903 auf die Haushaltsberatungen des Bundes im Herbst. Wenn dann Geld fließt, könne schon 2021 mit dem Bau begonnen werden, sagt Zentara.

Dann könnte Nürnberg an seine große Vergangenheit als Fahrradstadt anschließen. Bereits 1889 stand an der Stelle des heutigen Schauspielhauses das Hercules-Velodrom, in dem Radfahrer üben konnten. Sie mussten damals eine Polizeiprüfung ablegen, bevor sie auf die Straße durften. Der mächtige Fachwerkbau war indes schnell zur Versammlungshalle umgewidmet worden.

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