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Bald Abschüsse? "Task Force" gegen Gänse am Wöhrder See

Tierdreck kann gesundheitsgefährdend sein - Kotproben zur Analyse im Labor - 26.06.2018 05:25 Uhr

Die Kanadagänse genießen den Sandstrand des Wöhrder Sees: Sie lieben die freie Sicht aufs Wasser, weil sie bei Gefahr schnell wegschwimmen können. Die Städt kämpft jedoch derzeit mit den Hinterlassenschaften der Vögel.

25.06.2018 © Eduard Weigert


So ein Sandstrand ist ein Paradies für Gänse. Nichts verstellt ihnen die Seesicht, kommt von der Landseite ein Feind, lassen sie sich entspannt zu Wasser. Kein Wunder, dass sie sich jetzt auch in der Norikus-Bucht wohlfühlen. Am gegenüberliegenden Sandstrand gelten Kanadagänse seit Jahren als Plage, jetzt machen sie es sich auch am aufgehübschten Nordufer des Wöhrder Sees gemütlich. Und setzen Kot ab. Pro Vogel können es zwei Kilo am Tag sein. Unschön für die Badegäste, die den Tretminen ausweichen müssen.

Frankfurt ärgert sich ebenfalls über Gänsedreck

Bürgermeister Christian Vogel mag den Gänseschiss denn auch nicht einfach hinnehmen. Er hat sich in der Republik umgeschaut – Nürnberg ist schließlich nicht die einzige Stadt, die sich mit dem Gänsedreck herumärgert – und wurde in Frankfurt fündig. Die Hessen stritten 2017 rathausintern heftig darüber, was man der steigenden Zahl an Nil- und Kanadagänsen entgegenhalten sollte. Im Brentanobad in Rödelheim hatten sie die Liegewiese okkupiert, der Bäderchef forderte den Abschuss, die Umweltdezernentin fand das zu brutal. Bis der Kot der Nilgänse ins Labor kam.

Das Ergebnis war für Veterinärmediziner in keinster Weise überraschend. Doch es lieferte die fehlende Munition, um die öffentliche Debatte in Richtung Abschuss zu drehen. Labormitarbeiter fanden Krankheitserreger im Kot der Nilgänse, darunter Salmonellen. Wegen der möglichen Gesundheitsgefährdung für den Menschen ruderte das Umweltdezernat zurück und stimmte dem Abschuss einiger Tiere im Brentanobad zu. "Und in diesem Jahr wollen sie wieder einige Gänse schießen", weiß Vogel.

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Frankfurter Weg imponiert Christian Vogel

Der Frankfurter Weg imponiert ihm. Als Chef des städtischen Servicebetriebs Öffentlicher Raum (Sör), dessen Mitarbeiter den Gänsemist jede Woche mit einem Sauggerät aus dem Sand fischen und zusätzlich noch dreimal wöchentlich per Hand, berief er eine "Task Force" Gänsekot ein. Mit am Tisch sitzen Umweltbehörden und das Ordnungsamt. Wie in Frankfurt wurden Kotproben genommen, am Ufer der Norikus-Bucht. Das Ergebnis der Untersuchung im Labor des kommunalen Eigenbetriebs Stadtentwässerung und Umweltanalytik steht noch aus.

Vogel macht keinen Hehl daraus, dass es ihm zu viele Gänse an den Nürnberger Seen geworden sind. Er fürchtet auch um die Wasserqualität. "Wir müssen etwas unternehmen." Doch die steigende Population allein sei kein Grund, den Abschuss freizugeben. Grundsätzlich gilt, dass in der Stadt, anders als auf dem Land, nicht gejagt werden darf. Das betrifft nicht nur Gänse, sondern Wild aller Art. Es sei denn, die Untere Jagdbehörde im Ordnungsamt erteilt eine Ausnahmegenehmigung.

Gesundheitsrisiko wäre Grund zur Jagd

Gar nicht schön: Gänsekot am Ufer des Wöhrder Sees, die städtischen Mitarbeiter kommen mit dem Wegräumen nicht mehr hinterher.

25.06.2018 © Foto: Eduard Weigert


Sollte die Analyse der Kotproben ergeben, dass der Gänsedreck auch in Nürnberg gesundheitsgefährdend ist, was im Veterinäramt niemanden überraschen würde, wäre das aus Sicht von Christian Vogel ein Grund, die Vögel zu bejagen. Die Schonzeit endet am 1.August, die "Task Force" bereitet alles vor, um startklar zu sein. Genehmigt die Untere Jagdbehörde tatsächlich den Abschuss, kommt Stadtjäger Gert Hügel ins Spiel.

Er hat noch keine Gans erlebt, die sich durch Hunde, elektrische Geräte, die Adlerschreie imitieren, oder Drohnen vergrämen ließ. "Sie haben schnell raus, wenn ihnen nicht wirklich Gefahr droht." Hügel ist für den Abschuss, "die Gänse kacken die Ufer zu und schaden der Landwirtschaft, in Fischbach fressen sie die jungen Pflanzen von den Äckern". Außerdem verdrängten sie einheimische Vögel. Doch Hügel weiß, wie brisant die Debatte ist und wie unpopulär eine Entscheidung für den Abschuss wäre.

Der Bayerische Jagdverband ist ebenfalls der Meinung: Wenn Gänse zu einer Belastung werden, muss man eingreifen. "Tritt man am Seeufer bei jedem Schritt in Gänsekot, ist das ein hygienisches Problem. Dann ist es sinnvoll, sie zu bejagen", sagt Sprecherin Gertrud Helm. Sie nennt als Beispiel den Schlosspark Nymphenburg in München. Der werde jedes Jahr für einen Tag gesperrt, um Gänse zu schießen. Die Begründung: Es sind einfach zu viele geworden. In der Landeshauptstadt reicht das, anders als in Nürnberg, um die Jäger ranzulassen.

Was meinen Sie: Sollen die Gänse abgeschossen werden? Bitte schreiben Sie uns eine Mail an nn-leserbriefe@pressenetz.de, einen Brief an die Nürnberger Nachrichten, Lokalredaktion, Marienstraße 9-11, 90402 Nürnberg oder kommentieren Sie direkt unter diesem Artikel.

Ute Möller E-Mail

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