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Bauernproteste: Manche Probleme sind hausgemacht

Ein Kommentar von NN-Redakteurin Kerstin Freiberger - 17.01.2020 18:46 Uhr

Etwa 2500 Traktoren waren am Freitag auf dem Volksfestplatz. © Martin Müller


Die Bilder der Traktoren sind zwar imposant und sorgen für Aufsehen, bei einem Teil der Bevölkerung aber auch für Unmut. Die Politik – Hauptadressat der Proteste – hat zudem bei einigen Themen wie der Düngeverordnung wenig Spielraum, weil die EU den Politikern in Berlin im Nacken sitzt. Und manche Probleme, die jetzt bei den Protesten angeprangert werden, sind hausgemacht.


Bauern-Demo: Warum der Zorn der Landwirte berechtigt ist


Die Überdüngung ist zum Beispiel zum Teil eine Folge der "Wachse und Weiche"-Politik des Bauernverbandes. Dies lebt auch der Präsident des Deutschen und Europäischen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, der laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) mindestens 18 relevante Funktionen hat, darunter in den Aufsichtsräten der BayWa AG, Südzucker AG sowie der R+V Allgemeine Versicherung AG. Außerdem bewirtschaftet er einen Hof mit rund 300 Hektar Fläche. Und damit kommt auch ihm die derzeitige Förderpolitik, die vor allem auf Fläche setzt, zugute.

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Mit diesen Parolen fuhren die Landwirte nach Nürnberg zum Demonstrieren

"Auflagenflut killt Bauernmut", "Koa Bauern, koa Essen, koa Leben" oder "Rettet die Bauern": Tausende Bauern und Traktoren begaben sich am Freitag nach Nürnberg, um gegen die Agrarpolitik zu demonstrieren. Mit diesen Sprüchen machten sie dabei auf ihren Unmut aufmerksam.


Doch so kann es nicht weitergehen. Veränderungen sind zwingend erforderlich, denn die Agrarpolitik steht vor einer Wende: Umwelt-, Klimaschutz und Tierwohl sind zentrale Themen, die auch einen Großteil der Bevölkerung bewegen, und dafür braucht es tragfähige Lösungen. Und dies funktioniert nur gemeinsam. Doch die Kluft zwischen Landwirten und den Verbrauchern ist groß. Und leider wird durch die Proteste diese Kluft nicht kleiner.


Hier gibt's den Liveticker zur Bauern-Demo in Nürnberg zum Nachlesen


Statt zum Beispiel gegen härtere Umweltauflagen zu kämpfen, wie es allen voran auch der Bauernverband immer wieder tut, wäre es schlauer, mehr finanzielle Mittel für eine Agrarpolitik, die eben Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz in den Vordergrund rückt, zu fordern. Tierfreundlichere Viehhaltung und umweltfreundliche Produktion blockiert DBV-Präsident Rukwied laut einer Studie aber bisher in Brüssel. Die Landwirte sollten lieber erst einmal die Arbeit des Bauernverbandes kritisch betrachten, bevor sie öffentlich protestieren.

Schade ist, dass der Ärger der Bevölkerung die Falschen trifft, nämlich die kleinen bäuerlichen Familienbetriebe.


Hier lesen Sie mehr zu diesem Thema: Bereits Ende November rollten tausende Traktoren aus der ganzen Republik zur Bauern-Demo nach Berlin. Auch in Franken startete ein kilometerlanger Protestzug.

Kerstin Freiberger

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