Begegnungen bauen Vorurteile und Ängste ab

1.5.2016, 19:48 Uhr
Die Begegnungsstube Medina mit Ali-Nihat Koc (Mitte) ist auch bei den christlich-islamischen Dialogwochen 2016 mit dabei.

© Michael Matejka Die Begegnungsstube Medina mit Ali-Nihat Koc (Mitte) ist auch bei den christlich-islamischen Dialogwochen 2016 mit dabei.

„Angst macht antisozial“, zitiert Maly den deutschen Philosophen und Autor Richard David Precht. Handelt es sich zum Beispiel um Angst vor Muslimen, dann werden diese von den Betroffenen gänzlich gemieden. Die sogenannte Islamophobie ziehe sich durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten. Ihr zugrunde liege eine irrationale Angst, die sich auch mit handfesten Begründungen schwer austreiben lasse. Durch die Brille der Islamophobie sei die Wirklichkeit nicht mehr so, wie sie tatsächlich ist.

„Ich bekomme manchmal Briefe, in denen Bürger sich beschweren, dass in der Breiten Gasse Hunderte Frauen in der Burka herumlaufen“, erzählt Maly. „Das stimmt aber nicht.“ Die Angst dieser Menschen werde durch die Zuwanderung noch geschürt, es komme zu Stereotypen. Zum Beispiel werde allen Asylbewerbern unterstellt, sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren zu wollen, obwohl das nur bei einem Bruchteil der Flüchtlinge der Fall sei. „Vorurteile machen das Leben leichter. Man muss nicht mehr denken“, erklärt Maly.

Was also tun? Begegnungen schaffen. „Denn im Austausch mit Menschen anderer Herkunft und Religion merken wir meistens schnell, dass es an ihnen nichts gibt, wovor wir uns fürchten müssen. Nürnberg lebt ja seit Jahrhunderten von Zuwanderung“, sagt der Oberbürgermeister. „Seit der Reformation war Nürnberg zum Beispiel evangelisch. Erst zur Industrialisierung kamen wieder mehr Katholiken in die Stadt.“ Wenn sich etwas verändert, sei das am Anfang immer schwer. „Die Stadt ist dadurch aber nie schlechter, sondern nur interessanter geworden.“

Die Herausforderung für die Politik sieht der Oberbürgermeister in den nächsten Jahren darin, nicht nur über Zuwanderung zu reden, obwohl sie eines der größten Probleme derzeit darstellt. Die Politik müsse sich vielmehr um alle Einwohner der Stadt gleich kümmern und ihre Probleme wahr- und ernst nehmen. Malys Wunsch ist ein Nürnberg mit möglichst wenig Armut und viel Beschäftigung – und ein Nürnberg, in dem die Menschen miteinander sprechen.

Genau dieses Anliegen verfolgte der christlich-islamische Jugenddialog unter dem Motto „Licht in Sicht – Sich ohne Angst begegnen“. Passend dazu zündeten die Jugendlichen gemeinsam mit Oberbürgermeister Maly eine große Kerze an. Anschließend nahmen die Jugendlichen an Workshops teil und tauschten sich am Lagerfeuer aus.

Ziel der christlich-islamischen Dialogwochen ist es, die jeweils andere Religion besser kennen und verstehen zu lernen. Dieser Austausch wird seit 1996 von kirchlichen und muslimischen Vereinen, Begegnungszentren und Bildungswerken organisiert.

Die Dialogwochen enden in diesem Jahr am Montag, 9. Mai, mit dem Vortrag "Gegenseitige Verunsicherung - Christliche Mehrheiten und islamische Minderheiten", der um 19.30 Uhr im  Gemeindezentrum der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, Allersbergerstraße 114 (Eingang Annastr.), stattfindet. Referent ist Rainer Oechslen, der Islambeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Im Anschluss kann über Fragen diskutiert werden wie: Was am Islam kann tatsächlich Angst machen? Was sorgt aber auch bei Christen möglicherweise für Ängste? Welcher Weg zu einem christlich verantworteten Umgang mit der neuen gesellschaftlichen Situation zeichnet sich ab?

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