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Beglückende Augenblicke

Vroni Priesner schreibt Bücher und begeistert Kinder fürs Lesen - 14.11.2019 19:27 Uhr

Vroni Priesner alias Vera C. Koin und ihr neuestes Werk: „26 Zauberzeichen“ heißt es und ist gemeinsam mit Kindern entstanden. © Foto: Gabi Eisenack


Lesen macht schlau, Vorlesen ebenso – den, der liest und den, der vorliest. Heute ist der bundesweite Tag des Vorlesens. Die NZ hat sich aus diesem Anlass mit Vroni Priesner unterhalten. Die Nürnbergerin ist nicht nur eine begeisterte Leserin und Vorleserin, sondern hat unter dem Pseudonym Vera C. Koin auch schon viele Kinderbücher geschrieben.

NZ: Frau Priesner, die Liebe zur Literatur begleitet Sie schon Ihr ganzes Leben lang. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Vroni Priesner: Inspiriert hat mich in der Grundschulzeit Otfried Preußler, der in Rosenheim Lehrer war. Er hat zwar nicht meine Klasse unterrichtet, aber wir Kinder an der Schule haben natürlich seine brandneuen Bücher immer vorgelesen bekommen. Das fand ich toll und dachte schon damals, mit neun oder zehn Jahren, dass ich so etwas auch mal machen möchte.

NZ: Aber Sie sind erst einmal Lehrerin und dann Professorin an der Hochschule für Musik geworden.

Priesner: Das Schreiben trat erst einmal in den Hintergrund. Im Rahmen meiner Hochschultätigkeit als Musikpädagogin habe ich dann viel für die Studenten realisiert. Ich habe zum Beispiel Musical-Texte geschrieben. Da wusste ich schon, dass mir Schreiben liegt, aber ich hatte einfach keine Zeit. Gegen Ende meiner Berufszeit an der Hochschule, es war ein verregneter Sommer, dachte ich mir: So, jetzt schreibst du mal. Probier’ mal aus, ob du ein zusammenhängendes Thema bearbeiten kannst, ein Kinderbuch. Da fing ich an, es lief gut und hat mich sehr beglückt.

NZ: Trotzdem haben Sie es erst einmal liegen lassen.

Priesner: Im Herbst fing der Hochschulbetrieb wieder an. Ich habe das Buch fertig gemacht und es erst einmal liegenlassen. An Neujahr habe ich schließlich den Vorsatz gefasst, mutig zu sein und habe es an zehn Adressen geschickt. Ein fränkischer Verlag hat es dann von einem Tag auf den anderen realisiert. So wurde es rechtzeitig zur Buchmesse in Leipzig 2011 fertig.

NZ: Das war "Grüngesicht".

Priesner: Genau, das war das erste Buch und das war eigentlich der Anfang. Der Motivationsschub hält bis zum heutigen Tag an. Damals dachte ich mir: Jetzt hörst du nicht mehr auf.

NZ: Und das haben Sie auch nicht. Wie viele Bücher haben Sie mittlerweile geschrieben?

Priesner: 30 Kinderbücher, aber auch Kurzgeschichten, Lyrik und Libretti.

NZ: Was liegt Ihnen am meisten am Herzen?

Priesner: Die Kinderbücher. Beim Schreiben sehe ich mich vor meinem inneren Auge selbst als Kind.

NZ: Sie geben oft auch Lesungen. Haben Sie als Kind auch viel vorgelesen bekommen?

Priesner: Nur in der Schule, in der dritten und vierten Klasse. Zu Hause gab es das nicht. Aber sobald ich lesen konnte, habe ich gelesen. Immer und alles, was ich greifen konnte. Es war immer auch eine Flucht aus der Realität.

Was haben Sie besonders gerne gelesen?

Priesner: Abenteuerliteratur, alles von Karl May. Später dann die großen Dichter, von Tolstoi bis Thomas Mann alles. Und das schon in einem jungen Alter.

NZ: In Ihren Büchern geht es häufig um Außenseiter, um Kinder, die es nicht so leicht haben.

Priesner: Ja, immer. Ich habe ein Herz für die Kinder, die so ein bisschen am Rande stehen. Wenn ich in eine Schulklasse komme, sehe ich sofort, welche Kinder benachteiligt sind. Die liegen mir besonders am Herzen. Sie sind immer Thema in meinen Büchern. Ich stelle fest, dass meine Hauptpersonen meistens Jungs sind. Weil ich weiß, dass Jungs weniger gerne lesen. Ich möchte ihnen etwas anbieten. Bei den Lesungen in der Schule merke ich, dass man sie schon erreichen kann.

NZ: Mittlerweile haben Sie eine Reihe von Buchprojekten gemeinsam mit Kindern realisiert.

Priesner: Das hat fließend angefangen, zunächst mit der Grundschule in Burgthann. Mit den Kindern habe ich ein Buch entwickelt: "Konrad und Muzzy, das Monster aus der Ritterrüstung" lautet der Titel. Ich habe die Geschichte erzählt, die Kinder haben sie illustriert. Eine ganze Woche waren wir mit dem Thema beschäftigt. Am Ende gab es eine Aufführung, bei der die Kinder als Monster verkleidet waren. Die ganze Grundschule machte mit. Bücher, die gemeinsam mit Kindern entstanden sind, sind bei Lesungen ein großer Renner. Das interessiert andere Kinder auch sehr.

NZ: Lassen Sie Kinder auch selbst schreiben?

Priesner: Ja. Mit drei Fürther Grundschulklassen habe ich ein Buchprojekt realisiert. Das war eine tolle Erfahrung, mühsam, aber das Buch kam zustande. Die Kinder waren hin und weg. Man kann sie wirklich motivieren, sie sind so fleißig. Die Resonanz ist beglückend. Ich hoffe, dass dadurch für die Kinder ein Buch und das Lesen an Wert gewinnt.

Fragen: Gabi Eisenack

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