Bei Bekassine Records wird alles selbst gemacht

8.11.2017, 15:12 Uhr
Hans-Christian Lehner (zweiter von links) ist einer der Köpfe hinter Bekassine Records — und mit seiner Band Masques dort unter Vertrag.

© Foto: Polina Nikolov Hans-Christian Lehner (zweiter von links) ist einer der Köpfe hinter Bekassine Records — und mit seiner Band Masques dort unter Vertrag.

"Wenn man mit einer Band alles selbst macht, dann stößt man zwangsläufig immer auf dieselben Probleme", sagt Hans-Christian Lehner im Rückblick auf die Gründung von Bekassine Records 2012. "Dann kann man entweder jammern oder aber versuchen, selbst etwas zu tun." In diesem konkreten Fall hieß die Band, die den Anstoß gab, Schleuse — damals wie heute das musikalische Projekt von Michael Winkler, dessen Debütalbum seinerzeit anstand und veröffentlicht werden wollte.

Fünf Jahre später stehen hinter Bekassine drei junge Menschen: Neben Winkler, der sich hinter den Kulissen um alles Technische und vor allem um die Studioaufnahmen kümmert, sind das besagter Hans-Christian Lehner sowie Benjamin Jungert.

Natürlich ist es schwierig als kleiner Goldfisch im Haifischbecken, da braucht man eigentlich gar nicht groß fragen. Deshalb hat Bekassine auch nur acht Künstler beziehungsweise Musikgruppen im Programm. Neben den eigenen Bands (Winkler spielt bei Schleuse, Lehner bei Masques) und denen aus dem Freundeskreis beziehungsweise erweiterten Netzwerk (die PostRocker A Prouder Grief, die Hersbrucker Liedermacherin Hannah Grosch) sind inzwischen auch ein paar überregionale Künstler an Bord wie das HipHop-Duo Kleister aus Mannheim, der in Deutschland lebende Kanadier Craig Bjerring alias Oldseed und das italienische Duo She Owl. Die beiden Letztgenannten sind Profis und leben von ihrer Musik.

Zweite große Baustelle ist das Booking

Auch stilistisch ist alles dabei, von KammerPop über Shoegaze hin zu HipHop und PostRock. Ein roter Faden ist nicht erkennbar oder zumindest nicht sichtbar, trotzdem schwebt so etwas wie ein spezieller verbindender Geist über dem Nürnberger Mini-Label. "Bekassine Records definiert sich definitiv nicht über ein bestimmtes Genre", startet Hans-Christian Lehner einen Erklärungsversuch. "Vielleicht aber über eine gemeinsame Ästhetik, eben dass viel analog gemacht ist und der Sound immer ein bisschen selbst gestrickt klingt . . ."

Die Hülle von Hannah Groschs Platte „Morpheus‘ Grace“.

Die Hülle von Hannah Groschs Platte „Morpheus‘ Grace“.

Tatsächlich nehmen die Künstler im Bekassine-Repertoire für ihre Musik manchen Aufwand und Umweg in Kauf. A Prouder Grief zum Beispiel spielten ihr Debütalbum in acht Tagen mehr oder weniger live in der Scheune eines verwunschenen Einödhofs in der tiefsten Oberpfalz ein. Der Strom kam vom Generator, aufgenommen wurde mit einem antiken Bandgerät.

Schleuse hingegen bauten sich ein kleines Theater in Heppstädt bei Erlangen in ein Studio auf Zeit um. Nicht immer ist klar, was bei solchen Aktionen am Ende rauskommt. Fest steht nur, dass die Musiker möglichst alles selbst machen möchten: Aufnehmen, abmischen und am Ende vielleicht auch noch das CD-Cover siebbedrucken oder von Hand stempeln.

D.I.Y. – Do It Yourself ist auch im nächsten Schritt angesagt: Da Bekassine Records keinen offiziellen Vertrieb haben, sind die CDs und LPs (witzigerweise verkaufen sich hier die Silberlinge besser als Vinyl) nur in ausgewählten Plattenläden in ganz Deutschland erhältlich, die das Trio selbst bestückt. Der Rest läuft über den neuen Webshop auf der überarbeiteten Homepage.

Eine zweite große Baustelle bei Bekassine ist das Booking, sprich: Der Versuch, die hauseigenen Künstler auf kleinen und großen Bühnen unterzukriegen. Ein mühsames Geschäft. "Da kann man wirklich unendlich viel Arbeit reinstecken, zumal sich die Situation auf dem Konzertmarkt noch einmal enorm verschärft hat in der kurzen Zeit, in der wir das machen."

Am Samstag, 11. November, steigt die "Bekassine Records Release Night" im Künstlerhaus, Königstraße 93. Ab 20 Uhr spielt die Band Schleuse im Vorsaal. www.bekassinerecords.de

Verwandte Themen


Keine Kommentare