22°

Sonntag, 21.04.2019

|

zum Thema

Besucherschwund im Tiergarten wirft Fragen auf

Sind die hohen Eintrittspreise schuld? - 17.01.2014 08:47 Uhr

Sie war ein Besuchermagnet: Elefantin Yvonne im Tiergarten im Sommer 2007. Sie lebte bis Juli 2008 in Nürnberg und starb mit 41 Jahren im April 2009 im Rostocker Zoo. © Daut, dpa


In Deutschlands zweitgrößtem Landschaftszoo, dem Nürnberger Tiergarten, kostet die Tageskarte für einen Erwachsenen 13,50Euro. Im Tierpark Hellabrunn jedoch nur zwölf, in Frankfurt zehn und in Dresden ebenfalls zwölf Euro. Es geht aber auch teurer als in Nürnberg. In Duisburg müssen Erwachsene 14,50 Euro in Leipzig 16 Euro ab Ende März sogar 18,50 Euro hinlegen.

Doch lassen sich die Preise nicht so einfach vergleichen, da die Palette der Angebote in den Zoos sehr unterschiedlich ist — sagt die Leitung des Nürnberger Tiergartens. Klar aber ist, dass der Eintritt am Schmausenbuck in den vergangenen Jahren nach und nach gestiegen ist. „Der hohe Preis schreckt unsere Familie ab, öfter reinzugehen“, so ein Leser aus Nürnberg. Eine Aussage, die sich in der Leserpost häufig wiederfindet. Die Besucherbilanz für das vergangene Jahr scheint das zu belegen: Sie ist noch ein Stück weiter nach unten gesackt. Kamen bereits 2012 nur knapp 1,1 Millionen Gäste (ein Rückgang von 10,5 Prozent), so lag die Zahl für das zurückliegende Jahr seit der Eröffnung der Lagune im Juli 2011 mit 997.474 Besuchern erstmals unter der Millionen-Marke.

Erspartes angezapft

Damit aber unterschreitet der Tiergarten eine Besuchermesslatte, die ein Wirtschaftlichkeits-Gutachten der Kanzlei Rödl&Partner seit der Eröffnung der Delfin-Lagune vorgibt: jährlich mindestens 1,18 Millionen Gäste zu haben, um für die Tilgung der Lagunen-Kredite nicht an die Rücklagen gehen oder — schlimmer — den städtischen Haushalt belasten zu müssen.

Während Nürnberg die Haltung von Elefanten einstellte, halten andere Zoos daran fest: etwa in Rostock...


Wegen der schlechteren Gästezahlen sind nun aber die Reserven um eine Million auf 600.000 Euro abgeschmolzen. Der Tiergarten muss sein Erspartes für die Kredite anzapfen.

War das schlechte Wetter wirklich die Hauptursache des Rückgangs? Der stellvertretende Direktor Helmut Mägdefrau bleibt dabei: Das miese Wetter, vor allem in der ersten Jahreshälfte, habe Besucher ferngehalten. Dass aber Tiergarten-Gäste auch nicht mehr kommen, weil sie — anders als vor 2011 — die Delfin-Schau mitbezahlen müssen, ohne es zu wollen, kommentiert Mägdefrau so: „Wir verlangen doch auch nicht für die Papageien, Gorillas oder die Adler einen Extra-Eintrittspreis.“

Schmerzlich vermisst werden im Zoo nach wie vor Elefanten. „Ein Tiergarten ohne Elefanten ist kein Tiergarten“, findet ein weiterer Leser. Auch die Freien Wähler fordern attraktivere Arten für den Tiergarten. Doch die „sinnvolle Haltung“ von Dickhäutern ist laut Mägdefrau sehr teuer: „Das kostet doppelt so viel wie die Lagune. Dafür hat die Stadt kein Geld.“

Am Ende will der Vizedirektor aber das Wetter-Argument doch nicht alleine stehen lassen.

... oder Berlin.


Ein weiterer Grund für den Rückgang seien wohl auch einige leere Gehege, räumt er ein. „Im Juli starb die Wölfin, unsere uralte Braunbärin kommt kaum noch aus ihrer Höhle — viele bekommen sie daher gar nicht zu Gesicht.“ Es fehlen inzwischen auch Biber und Königspythons. Dafür kamen unter anderem Erdmännchen, Fuchsmangusten sowie Reptilien-, Frosch und Fischarten neu hinzu.
  

ALEXANDER BROCK

67

67 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg