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Bilanz nach einem Jahr "Post persönlich 2.0"

Modellversuch lief seit Mitte 2018 in Bremen - Taugt das Konzept für Nürnberg? - 08.05.2019 12:55 Uhr

Zusteller, die sich nach älteren Menschen umsehen: Ein Pilotversuch der Deutschen Post mit diesem Konzept geht jetzt in Bremen zu Ende. © F.: dpa


Die Deutsche Post hat das Experiment gewagt, dass ihre Zusteller sich neben dem täglichen Geschäft mit Briefen und Paketen um ältere Menschen kümmern. Erprobt hat das Unternehmen sein neues Dienstleistungsangebot in der Hansestadt Bremen. Dort sollten die Postzusteller in ausgewählten Stadtteilen seit Mitte 2018 Hausbesuche bei älteren Menschen machen. Wer sich für den Service registrierte, konnte an dem als Versuch angelegten Pilotprojekt teilnehmen. Zu den kostenpflichtigen Dienstleistungen gehörte, dass die Postboten nicht nur wie üblich Briefe einwerfen, sondern auch an der Tür klingeln und nach dem Wohlbefinden fragen. 

Auch Bargeldauszahlungen vom Konto brachten sie auf Wunsch vorbei. Wenn bei den Senioren alles in Ordnung war, bekamen die Angehörigen eine SMS zugeschickt, die sie darüber informierte. Damit sollte älteren oder gebrechlichen Menschen ermöglicht werden, länger in ihren eigenen vier Wänden zu wohnen. Für das Angebot mit dem Titel "Post Persönlich 2.0" arbeitete das Unternehmen mit den Johannitern zusammen.

Fazit der Post fällt verhalten aus

Das Pilotprojekt läuft jetzt noch bis Ende Mai weiter, dennoch zieht die Post eine erste Bilanz: "Eine Verlängerung oder Ausweitung auf andere Regionen ist nicht geplant", teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit. Es habe nur rund 30 Interessenten für eine Teilnahme gegeben, die aber zum Teil gar nicht im ausgewählten Testgebiet wohnten. Trotz der "sehr konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit" mit dem Bremer Senat, dem Institut für Informationsmanagement Bremen und der Johanniter Unfallhilfe "mussten wir feststellen, dass es offenbar ein breiteres gesundheits- und sozialpolitisch getragenes Konzept braucht, um eine solche Idee als einen Baustein in einem größeren Netzwerk zum Erfolg zu führen", resümiert die Post jetzt.

Im Jahr 2014 lief bereits ein ähnliches, damals nur auf sechs Monate angelegtes Projekt im Ruhrgebiet - in Gelsenkirchen, Essen und Mühlheim. Dass sich die Post nach solchen neuen Geschäftsfeldern und Einnahmemöglichkeiten umsieht, verwundert nicht: Der Briefmarkt ist wegen der immer digitaleren Kommunikation per E-Mail, WhatsApp und Facebook-Messenger schon lange rückläufig.  

Sinnvolle Ergänzung zum Hausnotruf

Könnten solche Konzepte auch in Nürnberg erfolgreich sein? Schließlich gibt es bereits diverse Anbieter für Hausnotrufe, etwa den Malteser Hilfsdienst. Nicolas Agoston von den Maltesern äußerte vor rund einem Jahr zum Auftakt des Bremer Versuchsprojekts eine zwiespältige Meinung zu dem neuen Post-Angebot: Ein Briefträger, der nur einmal am Tag vorbeischaue, könne nicht die selbe Sicherheit gewährleisten wie ein 24 Stunden verfügbares Hausnotruf-System, so Agoston.

Das Post-Angebot könne aber durchaus als "sinnvolle Ergänzung" zu Hausnotrufen gesehen werden, "weil bei den Leuten täglich ein echter Mensch vorbei kommt." Falls jemand schon bewusstlos in seiner Wohnung liege und den Notfallknopf nicht mehr drücken könne, "merkt das der Postbote, wenn er klingelt, niemand öffnet und er dann nach dem Rechten sieht."

Einfallsreich bei der Suche nach neuen Betätigungsfeldern zeigten sich auch bereits die Postgesellschaften in Finnland und Frankreich: Unter dem Motto "Veiller sur mes parents" (dt.: Nach meinen Eltern schauen) bietet die französische Post an, dass Postboten zwischen ein und sechs Mal pro Woche ältere Menschen besuchen und sich — etwa bei einer Tasse Kaffee — vergewissern, dass es den Senioren gut geht. Auch hier erhalten Angehörige auf Wunsch eine Auskunfts-SMS. Falls es im Haushalt der Senioren zu einem kleineren Defekt kommt, etwa wenn ein Abflussrohr tropft, organisiert die französische Post über eine eigens dafür eingerichtete Plattform einen Hausmeisterservice für eine Reparatur.

Klingt ungewöhnlich, läuft aber gut

Noch erfinderischer war die finnische Post bei der Suche nach neuen Angeboten: Deren Kunden können seit 2016 im Sommer, wo besonders wenig Briefe zugestellt werden müssen, ihren Briefträger zum Rasenmähen beauftragen. Dazu müssen Interessenten nur ihren Rasenmäher zur Verfügung stellen und eine Gebühr von rund 70 Euro zahlen. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt, läuft offenbar ziemlich gut: In einem Resümee auf der Homepage der finnischen Post, das auf den Sommer 2016 zurück blickt, heißt es, dass die Nachfrage nach dieser speziellen Dienstleistung die Erwartungen übertroffen habe. 

 

Martin Regner E-Mail

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